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Schweiz bereit fürs digitale Postzeitalter?



Trotz dem Vormarsch der elektronischen Post wird die gute alte Briefpost wohl noch lange nicht aussterben.

Trotz dem Vormarsch der elektronischen Post wird die gute alte Briefpost wohl noch lange nicht aussterben.

(Keystone)

Die Schweizerische Post hat in letzter Zeit einige praktische digitale Dienstleistungen wie Swiss Post Box oder SuisseID eingeführt. Diese könnten für Nutzer im In- und Ausland interessant sein. Das Interesse dafür scheint jedoch mässig zu sein.

In jedem Schweizer Haushalt, in jeder Firma, steht mindestens ein Computer. Die EDV-Infrastruktur in der Schweiz ist besser als in den meisten anderen Ländern. Trotzdem springen die Menschen hier nicht einfach spontan auf den Zug auf, den die Schweizerische Post mit ihren digitalisierten Diensten wie SuisseID, oder Swiss Post Box anbietet (siehe Kasten).

Bei ersteren handelt es sich um den elektronischen Identitätsnachweis und die rechtsgültige elektronische Unterschrift einer Person.

Letztere, die Swiss Post Box, ist eine Korrespondenzadresse für die Briefpost. Briefe werden auf Wunsch eingescannt und via E-Mail verschickt. Dieses Angebot richtet sich insbesondere auch an im Ausland lebende Schweizerinnen und Schweizer.

Für Prof. Dr. Wolfgang Stölzle, Inhaber des Lehrstuhls für Logistikmanagement an der Uni St. Gallen, hat das Zögern zur Nutzung dieser Dienste sehr viel mit dem Bild der Schweizerischen Post in der Bevölkerung zu tun.

"Dieses steht nach wie vor klassisch für die physische Brief- und Paketpost. Ein gutes Stück auch für das Postauto. Und Kunden aus dem Finanzbereich nehmen noch die Post Finance wahr."

Nötige Bewusstseinsänderung

Laut Stölzle haben sich bislang nur wenige Privatkunden mit den neuen elektronischen Postangeboten befasst. Nur sehr wenige hätten sich Gedanken gemacht, wie sie die elektronischen Neuerungen in ihr Leben integrieren könnten.

"Um das breiten Bevölkerungsschichten klar zu machen, bedarf es einer grossen Bewusstseins- oder Marketingkampagne", erklärt Stölzle. "Bei Geschäftskunden ist man da in Nischenbereichen schon weiter." Dort bietet die Post differenzierte Lösungen an für verschiedene Bedürfnisse wie etwa für branchenorientierte Logistiklösungen oder Online-Bezahlmöglichkeiten."

Anstrengungen nötig

Als die Post vor ein paar Monaten SuisseID und ihren Dienst Swiss Post Box, eine Weltneuheit, präsentierte, waren die Publikumsreaktionen im Inland eher verhalten.

Aber es werde mit der Zeit Verschiebungen geben, meint Stölzle. "Denn die neuen elektronischen Lösungen sparen viel physischen Aufwand, sind schlanker und kostengünstiger. Wenn sich durchgesetzt hat, dass mit diesen neuen Technologien auch die Kunden Geld sparen können, und sich an der einen oder anderen Stelle noch die Qualität erhöhen lässt, dann ist ein Durchbruch erreicht."

Testphase

Die Schweizerische Post befinde sich in Bezug auf E-Post noch in einer Testphase, meint Stölzle. "Es geht ihr nicht in erster Linie um die Produkte, sondern, wie die Kunden darauf reagieren. Man hat noch keine grosse PR-Maschinerie angeworfen."

Dem ist offensichtlich so, denn auch die SuisseID, die Möglichkeit einer sicheren Identifikation und digitalen Signatur im Internet, wird offenbar nur zögerlich genutzt.

Selbst Konsumentenschutzorganisationen wie die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) empfehlen, noch keine Karte zu kaufen, da diese, respektive der USB-Stick, relativ teuer sei und im Alltag praktisch keinen Nutzen bringe.

So bieten etwa eine-Online-Buchhandlung oder ein Online-Elektronik-Shop eine Bezahlmöglichkeit mit SuisseID. Von flächendeckenden Einsatzmöglichkeiten ist man noch weit entfernt.

Auch im öffentlichen Bereich kann die Suisse-ID bislang nur relativ bescheiden eingesetzt werden. Die elektronische Stimmabgabe bei Volksabstimmungen befindet sich noch in einer Versuchsphase und ist nur in wenigen Gemeinden möglich. Auch das An- und Abmelden bei einer Gemeinde oder die Bestellung von Parkkarten oder Tages-Generalabonnementen ist nicht flächendeckend möglich.

So erscheint das Ziel der Post, mit der vom Staatssekretariat für Wirtschaft initiierten Karte bis Ende dieses Jahres bis zu 200'000 Stück abzusetzen, recht optimistisch.

Breitere Akzeptanz

Damit die digitalen Dienste in der Bevölkerung besser akzeptiert werden, braucht es laut Prof. Stölzle vor allem drei ganz einfache Voraussetzungen: "Als erstes müssen diese Dienste ganz leicht anwendbar sein. Kaum einer gibt sich die Mühe, lange Anleitungen zu studieren, um überhaupt mal so ein Instrument digital nutzen zu können. Es muss also quasi selbsterklärend sein."

Zweitens dürften für die Nutzerinnen und Nutzer keine Mehrkosten entstehen. Es brauche eine Kostenersparnis, einen ökonomischen Anreiz.

"Und drittens muss eine ganz hohe Glaubwürdigkeit der Schweizerischen Post geschaffen werden. Dass mit den Daten, mit diesen Informationen, die sie etwa mit dem Scannen und Weiterleiten von Briefen bei der Swiss Post Box erhält, keinerlei Vertrauensbruch riskiert wird – weder durch die eigenen Mitarbeiter und die eigenen Prozesse noch von Aussen."

Stölzle ist überzeugt, dass man auf die physische Post nie ganz verzichten könne. "Aber die Diskussionen, die gerade in den letzten Monaten um die Post herum geführt wurden, zeigen, dass man sich darauf einstellt, dass die Menge im klassischen Mailbereich tendenziell abnehmen wird."

swissinfo.ch und Agenturen

SuisseID

Die SuisseID stellt eine digitale Identität und Signatur her. Damit steht ein sicheres Login in Bezahldienste und eine rechtsgültige digitale Signatur zur Verfügung. Mit SuisseID werden elektronische Geschäftsprozesse beschleunigt und die Echtheit von Dokumenten bestätigt.

Die Post SuisseID ist auf drei Datenträgern verfügbar: Auf einer Chipkarte, auf einem USB-Stick oder auf dem SwissStick, einem sicheren USB-Stick, der einen geschützten Browser enthält, eine Signatursoftware und weitere Applikationen. Um Karte oder Stick einzusetzen, braucht es noch ein persönliches Passwort.

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Swiss Post Box

Bei der Registrierung für Swiss Post Box erhält man eine neue Korrespondenzadresse, die man den gewünschten Korrespondenzpartnern wie Versicherungen, Steueramt, Kreditkarteninstitut bekanntgeben kann.

Sobald ein Brief eintrifft, scannt die Post den geschlossenen Umschlag ein und schickt davon via E-Mail ein Bild an die E-Mail-Adresse. Das Original bleibt verschlossen.

Im E-Mail kann man auswählen, was die Post mit dem physischen Brief tun soll.
Optionen:
Öffnen und scannen,
entsorgen, sicher vernichten, an eine beliebige Adresse zustellen.

Mit Swiss Post Box "Single Easy" kann man einen online-Zugriff auf die Briefpost realisieren.

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