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WM: Die Bilanz des "Spions" Bernard Challandes

U-21-Nationaltrainer Bernard Challandes vor den Medien.

(Keystone Archive)

Die Schweizer Mannschaft hat sich Freitag abend für die Achtelfinals der Fussball-Weltmeisterschaft qualifiziert. Eine Bilanz mit Bernard Challandes.

Der Trainer der National-Mannschaft der unter 21-Jährigen schaut sich in Deutschland viele Matchs an, um künftige mögliche Gegner der "Nati" auszukundschaften.

Der Neuenburger Bernard Challandes ist seit 2001 Nationalcoach der unter 21-Jährigen, "U21". Seit zehn Jahren Mitglied des Schweizerischen Fussballverbands, begleitet er diese Weltmeisterschaft in Deutschland gleichzeitig mit der Schweizer Nationalmannschaft ("Nati"), und analysiert parallel dazu mögliche künftige gegnerische Spieler.

So hält er sich regelmässig in Bad Bertrich auf, dem Hauptquartier des Schweizer Teams in Deutschland, reist aber auch oft an Matchs von anderen Ländern, um auszukundschaften.

Dem Frankreich-Spezialist vor dem Match gegen die Franzosen kommt seither die Aufgabe zu, wie ein "Spion" die Spanier und die Ukrainer vorzuanalysieren. Mit swissinfo spricht Challande über die Schweizer Qualifikation und den kommenden Match gegen die Ukraine.

swissinfo: Wie sehen Sie den Sieg der Schweizer über Südkorea und die Qualifikation für die Achtelfinals?

Bernard Challandes: Es handelt sich um eine Riesen-Leistung. Das darf man nicht vergessen. Das Schweizer Team steigert sich seit Beginn der WM und hat am Freitag abend bisher am besten gespielt.

Dieses Verlangen, das die Schweizer Equippe charakterisiert, ist wieder da, diese Jugendlichkeit, diese Verrücktheit - aber auch das intelligente Spielen. Ich denke, dass man nach dieser Qualifikations-Phase sehr konstruktiv sein kann.

Den guten Beginn gegen Südkorea brauchte es. Dessen Team spielt ja exzellent. Doch die Schweizer waren vorn, sie haben sich nicht versteckt.

swissinfo: Hätten Sie gedacht, dass die Schweiz imstande wäre, den ersten Platz in ihrer Klassifikationsgruppe G zu erlangen?

B. C.: Als grosser Favorit galt ja Frankreich. Nur ändert sich im Fussball bekanntlich alles sehr schnell. Das Schweizer Ziel lautete die Achtelfinals. Das haben wir nun erreicht. Die Schweiz hält den ersten Platz in der Klassifikationsgruppe G, aber sie bleibt immer die Schweiz. Sie ist noch nicht Brasilien, wie die allgemeine Euphorie glauben lässt.

swissinfo: Sie sind in Deutschland einerseits an der Seite der "Nati". Und andererseits ist es Ihr Job, das Spiel der möglichen Gegner von morgen zu analysieren. Wie arbeiten Sie?

B. C.: Ich reise herum, um mir die Spiele der möglichen Gegner der Schweizer anzuschauen. So war ich gestern in Berlin für den Match Tunesien – Ukraine. Nach dem Match erhalten wir jeweils die Vidéos. Während dem Spiel mache ich mir Notizen über gewisse Schlüssel-Phasen, und messe die Zeiten.

Damit lässt sich viel Zeit gewinnen, beim Schneiden jener Sequenzen, die Michel Pont und Köbi Kuhn ihren Spielern zeigen können. Man muss sich wirklich auf das Wichtigste beschränken, um das Team nicht unnötig mit Info-Ballast einzudecken.

swissinfo: Was waren zum Beispiel die Ratschläge, die sie Köbi Kuhn und der Equippe vor dem Match gegen die Franzosen gaben?

B. C.: Ich würde nicht von Ratschlägen sprechen. Wir arbeiten zusammen und ich mache Vorschläge. Um was genau es sich handelt, bleibt natürlich strikt unter uns.

swissinfo: Der nächste Gegner der Schweiz ist die Ukraine. Ohne Geheimnisse preiszugeben, wie schätzen Sie diese Mannschaft ein?

B. C.: Sie ist ausgezeichnet, und hat sich leicht für die WM qualifizieren können. Das ist die "Kiewer Schule" – ein vertikales Spiel, sehr lebhaft. Die Spieler haben ein hohes Niveau, das Team kann auf seinen Spitzenstürmer Andrei Schewtschenko zählen.

Der Anfang der WM war schwer für die Ukrainer, als sie vier Tore gegen Spanien einkassieren mussten. Die Umstände waren sehr ungünstig, mit zwei Eigentoren innerhalb einer Viertelstunde und Temperaturen von 35 Grad.

Die Schweiz muss sich in Acht nehmen, aber ich glaube, unser Team hat das Zeug, diese Hürde zu übernwinden.

Interview swissinfo, Mathias Froidevaux in Hannover
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle)

In Kürze

In diesem Jahr in Deutschland macht die Schweiz bei den Achtelfinals der Fussball-WM mit.

Vor 12 Jahren, in den USA, konnte die Schweizer "Nati" zum letzten Mal so weit vorstossen, verlor dann aber gegen Spanien 3:0.

Das beste je erreichte Fussball-WM-Resultat der Schweiz war 1934, 1938 und 1954, als sie jeweils bis in die Viertelfinals vorstiess.

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Fakten

Nach drei Spielen innerhalb ihrer Klassifikationsgruppe führt die Schweiz sie mit 7 Punkten vor Frankreich (5 Punkte) an.

Am Montag um 21 Uhr spielt die Schweiz in den Achtelfinals gegen die Ukraine, ohne den am Freitag verletzten Verteidiger Philippe Senderos, der von Johan Djourou ersetzt wird.

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