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Zentralamerika: Helfen will gelernt sein

Mittelamerikanischer Alltag.

(swissinfo.ch)

Zentralamerika ist einer der Schwerpunkte der Schweizer Entwicklungs-Zusammenarbeit. Die Anforderungen an die Helfer werden aufgrund der vielschichtigen Probleme immer grösser.

Der Sparwille des Bundes setzt der Ausweitung von Projekten in Zentralamerika enge Grenzen.

In den Staaten von Mittelamerika sind die Einkommensverteilung und die Vermögenskonzentration - trotz der radikalen Marktöffnung und der Liberalisierung - ausgeprägt wie fast nirgendwo anders auf der Welt.

Die ständig fortschreitende Verarmung grosser Teile der Bevölkerung führt in der Region zu sozialen Spannungen und zu politischer Instabilität.

Die Region ist auf humanitäre, finanzielle und technische Hilfe angewiesen. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ist seit Jahrzehnten in Zentralamerika tätig und berücksichtigt die neuen sozialen und wirtschaftspolitischen Trends in ihrem Leitbild.

Hilfe über die Grenzen

Sie versucht mit ihren Programmen in Nicaragua, in Honduras und in El Salvador die Armut zu reduzieren, mehr Chancengleichheit zu schaffen und die noch labilen Institutionen zu stärken. Kompetente, transparente und effiziente Institutionen des Staates sind für die nachhaltige Bekämpfung der Armut wichtig.

Der Isthmus leidet heute nicht nur unter der Armut. Bürgerkriege, Dürren, Epidemien, Wirbelstürme und Erdbeben haben die Region in den vergangenen zwei Jahrzehnten wie biblische Plagen geschwächt. Die DEZA versucht vor Ort flexibel, innovativ und partnerschaftlich zu helfen.

Die Hilfe muss teilweise auch grenzübergreifend sein, wie Werner Thut, DEZA-Vizedirektor für Zentralamerika, gegenüber swissinfo erklärt: "Es macht keinen Sinn, unterirdische Wasser-Vorkommen im Grenzgebiet zwischen El Salvador und Nicaragua nur in einem der beiden Länder zu schützen."

Hintergrund der Armut kennen

Bei vielen Hilfsorganisationen hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass die Armut nur nachhaltig bekämpft werden kann, wenn die Helfer die strukturellen Ursachen der Armut kennen und sie in den Projekten berücksichtigen.

Die DEZA geht davon aus, dass die Armen den Weg aus dem Elend finden, wenn sie die Möglichkeit erhalten, ihre eigenen Fähigkeiten zu nutzen. Das ist einer der Gründe, warum sie vor Ort noch intensiver als früher mit den lokalen Behörden und mit der Zivilgesellschaft zusammen arbeitet.

Keine brüsken Strategiewechsel

"Wir versuchen, die Welt mit den Augen des Gastlandes zu sehen und seine Ziele zu unserem Ziel zu machen", erklärt Thut. Die Mitarbeit der lokalen Bevölkerung ist besonders bei Wasser- und Umsiedlungs-Projekten entscheidend: "Nur wenn sich die Betroffenen mit den Hilfsprojekten identifizieren können und den Eindruck haben, es seien ihre Projekte, werden diese längerfristig Bestand haben.“

Den Hilfsorganisationen kommt häufig die Rolle zu, vor Ort existierende Initiativen zu nutzen und sie zu unterstützen. Die Erfahrung zeigt, dass lokale Aktionen nicht auf Dauer von externen Kräften abhängig sein sollten.

Werner Thut betont aber die Wichtigkeit, dass die Hilfswerke für die Betroffenen in den armen Ländern berechenbar sein müssen: "Die schweizerische Entwicklungszusammenarbeit zeichnet sich durch Kontinuität und Zuverlässigkeit aus. Unsere Partner vor Ort schätzen es, wenn wir keine brüsken Wechsel in unserer Strategie machen."

Der humanitäre Einzelkampf ist aus

Die Zeit des heroischen Einzelkampfes ist in der Entwicklungsarbeit vorbei. Die Geberländer versuchen, die nationalen Hilfsprogramme vor Ort in einen grösseren Zusammenhang zu stellen.

Sie achten darauf, in welchen Bereichen eine Zusammenarbeit zwischen den Geberländern möglich ist. Dieses Vorgehen schaffe weniger Widersprüche und bürde den Betroffenen keine zusätzlichen Lasten auf, hält die DEZA in ihrem Strategiepapier fest, das bis ins Jahr 2010 gültig sein soll.

Immer wieder erleben die Helfer der Geberländer, wie die Armen mit eigenen Ideen und Visionen versuchen, ihre Überlebensstrategien umzusetzen, dabei aber von den nationalen Eliten behindert werden.

Diese Eliten stimmen zwar grundsätzlich der Armutsbekämpfung zu. Sie verhalten sich jedoch passiv, wenn es konkret darum geht, die Umverteilung des Reichtums und die Chancengleichheit mit geeigneten politischen Massnahmen einzuleiten.

Auf diesem Hintergrund sucht die DEZA neue Allianzen mit den Akteuren der Zivilgesellschaft und unterstützt die Armen, damit sie Mittel und Wege finden, ihre Interessen geltend zu machen und ihre Rechte einzufordern.

Mit Krediten Unternehmen aufbauen

Die Anforderungen an die Helfer werden grösser. Während die DEZA im Kernbereich der technischen Projektarbeit tätig ist, hilft das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) beispielsweise, die Zahlungsbilanzen der verschuldeten Länder in Zentralamerika zu sanieren und Mischkredite mit zu finanzieren.

Werner Thut ist davon überzeugt, dass ein duales Vorgehen Sinn macht: "Die Zentralamerikaner können ihre Probleme nur lösen, wenn sie Mittel für die Entwicklung zur Verfügung haben, und wenn sie Steuereinnahmen in Aufbauprojekte und nicht in den Schuldendienst stecken müssen.

Die DEZA und das Seco legen unter anderem die Kontrollen und Bedingungen fest, wie die frei gewordenen Gelder für die Bekämpfung der Armut eingesetzt werden können." Die DEZA und das Seco unterstützen in Zentralamerika auch Projekte für die Entwicklung von Unternehmen.

Thut warnt vor falschen Vorstellungen: "Wir produzieren keine Millionäre. Wir unterstützen Kleinunternehmer, Bauern und Gewerbebetriebe mit Kleinkrediten und mit Weiterbildung. Wenn sie Erfolg haben, leisten sie via Steuern einen Beitrag an das Gemeinwohl."

Partner und Botschafter

Neben den staatlichen Institutionen sind in Zentralamerika auch private Organisationen wie Swisscontact, Helvetas, Caritas und andere im Einsatz.

Einige dieser Nicht-Regierungsorganisationen erhalten ebenfalls Gelder aus der Bundeskasse. Sie tauschen zwar rege Informationen aus, eine straffe und übergeordnete Koordination vor Ort gibt es jedoch nicht. “Wir sind Partner und in einem gewissen Sinn sind wir Botschafter unseres Landes“, meint Thut.

Die Epoche der Bürgerkriege scheint in Amerika der Vergangenheit anzugehören. Der Isthmus wird jedoch weiterhin den Unwägbarkeiten des Klimas ausgesetzt sein. Zentralamerika liegt in einer akuten Erdbebenzone. Die Entwicklungsexperten gehen davon aus, dass die Region die riesigen Probleme mittelfristig nicht allein nicht lösen kann.

swissinfo. Erwin Dettling, San Salvador

In Kürze

Zentralamerika als Schwerpunkt hat in den vergangenen 25 Jahren für die Schweizerische Entwicklungs-Zusammenarbeit an Bedeutung gewonnen.

1981 standen 15 Mio. Franken zu Verfügung; im Jahre 2000 waren es 40 Mio.

Der Sparwille des Bundes führt dazu, dass die Beiträge für den Isthmus in den nächsten Jahren kaum markant wachsen werden.

Die Experten sind froh, wenn der Status Quo gehalten werden kann.

40 Prozent der Gelder gehen nach Nicaragua, je 15 Prozent nach El Salvador und nach Honduras.

30 Prozent der Mittel sind für Projekte in allen drei Länder bestimmt

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