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Zentralamerika am Wasserfall

Der Lempa Staudamm in El Salvador.

(Dettling)

Zentralamerika und besonders El Salvador brauchen dringend sauberes Trinkwasser. Die Schweiz setzt vor Ort auf langfristige Projekte.

Kurzfristige und kleinräumige Lösungen gegen die Wasserknappheit versanden oft, weil es diesen Projekten an Nachhaltigkeit fehlt.

Zentralamerika hat zwei turbulente Jahrzehnte hinter sich. Bürgerkriege in El Salvador und in Guatemala, die sandinistische Revolution in Nicaragua und die strategischen Unsicherheiten rund um den Panama-Kanal haben die Entwicklung der Region zurückgeworfen.

Dazu kamen Wirbelstürme und Erdbeben, die in der Region grosse Verwüstungen, Leid und Tod verursachten. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) hat im Isthmus ein Schwerpunktprogramm für besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen aufgebaut.

Die Projekte der DEZA konzentrieren sich auf El Salvador, Honduras und Guatemala. Oberstes Ziel der Hilfsprogramme ist, die Armut zu bekämpfen, nachhaltig die Landwirtschaft zu fördern und die Bauern zu motivieren, marktorientiert zu produzieren.

Zu viel Wasser, zu wenig Wasser

Als wären die von den Kriegsparteien verursachten Zerstörungen und die politische Instabilität nicht genug, hatte die Bevölkerung auch die Folgen des Wirbelsturms "Mitch" zu ertragen, der Ende 1998 über die Region fegte.

Der Hurrikan riss Tausende in den Tod, überschwemmte grosse Landflächen und knickte Wälder ab. Auch Erdbeben richten in der Region immer wieder grosse Schäden an.

Nach dem Wirbelsturm wurde die schweizerische Entwicklungs-Zusammenarbeit in der Prävention von Katastrophen aktiv. Experten der DEZA und lokale Fachleute erstellen Gefahrenkarten. Menschen, die in gefährdeten Wohngebieten wohnen, sollen zur Umsiedlung motiviert werden.

Die Kriegsschauplätze in Zentralamerika haben sich beruhigt, solidere Institutionen sind im Aufbau. Die Region braucht Unternehmerinnen und Unternehmer, die sozial handeln und keinen Raubbau an der Natur betreiben. Die DEZA steht ihnen beratend bei, damit solide Arbeitsplätze, neue Märkte und Perspektiven entstehen.

Kein Wasser auf die Schnelle

Mit besonderem Nachdruck setzt sich die Schweizer Entwicklungs-Zusammenarbeit in El Salvador für die Wasser- und Siedlungshygiene ein. Nur 2% des gefassten Wassers werden in diesem Land geklärt.

Drei Viertel der Menschen in ländlichen Gebieten hat keinen gesicherten und ständigen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 90% der Flüsse von El Salvador sind verschmutzt. Die Grundwasserströme sind überbeansprucht.

Die DEZA konzentriert sich bei ihren Wasserprojekten (Aguasan) auf sieben Gemeinden in der zentralen Nordprovinz Chalatenango (Comalapa, Concepcion, Chalatenango, El Carrizal, La Laguna, Las Vueltas, Ojos de Agua).

Damit werden 55'000 Menschen in einem 335 km2 grossen Gebiet erreicht, das als "Mancomunidad la Montañona" bekannt ist.

Zuerst überzeugen, dann nach Wasser bohren

Bevor das saubere Trinkwasser zu fliessen begann, musste die Equipe der DEZA in El Salvador grosse Überzeugungsarbeit leisten: "Bei unseren Gespräche mit den Bürgermeistern stellen wir immer wieder fest, dass die einzelnen Gemeinden versuchen, möglichst rasch ihre kleinräumigen Wasserprobleme punktuell zu lösen", erklärt Manuel Thurnhofer, Chefberater der DEZA in San Salvador.

"Es gelang, unsere Partner davon zu überzeugen, dass eine Lösung im Gemeindeverbund nachhaltiger ist als der Einzelgang. Wir hingegen mussten lernen, wie die Menschen vor Ort den Wasserzyklus verstehen."

Zum Wasserzyklus gehört auch der Hochwald, der im Einzugsgebiet des Wasserprojekts in Chalatenango durch Übernutzung sehr stark gefährdet ist und durch Waldbrände weiter dezimiert wird.

"Noch scheinen die Menschen vor Ort nicht genau zu verstehen, wie der Hochwald, die Quellgebiete des Wassers und die Zerstörung der Baumbestände miteinander in Beziehung stehen", sagt Manuel Thurnhofer.

"Wir prüfen mit Behörden und den Bewohnern, wie die Waldbesitzer kompensiert werden könnten, wenn sie auf die Nutzung ihres Waldes verzichten."

Aus Fehlern lernen

Ziel des Schweizer Engagements in El Salvador ist, im Projektgebiet die Versorgung mit Trinkwasser flächendeckend und langfristig zu sichern. Das bedeutet konkret: Die Entwicklungs-Zusammenarbeit finanziert heute in El Salvador nur Wasserprojekte, wenn die begünstigte Bevölkerungsgruppe auch in zwanzig Jahren noch einwandfreies Wasser vom angezapften Versorgungssystem beziehen kann.

Bis die DEZA zu diesem hohen Qualitätsanspruch gekommen ist, habe man vor Ort Lehrgeld bezahlt, erklärt Turmhoferr: "Wir haben in El Salvador eine Reihe von Systemen, die unter anderem auch von der DEZA mitfinanziert wurden und heute nur noch zwei bis drei Stunden pro Woche Wasser liefern. Das hat damit zu tun, dass die jahreszeitlich stark variierende Wassermenge an der Quellfassung nicht gründlich genug abgeklärt wurde."

Das Wissen vor Ort nutzen

Die DEZA setzt vor Ort intensiv auf das in El Salvador vorhandene Know how für den Bau neuer Wassersysteme. Die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern stärkt Institutionen und hilft, Experten im Bereich von Siedlungs- und Umwelthygiene weiter zu bilden und vor Ort bei den Begünstigten der Projekte dabei zu sein.

Doris Osorio von der Organisation "Pro Vida" geht von Haus zu Haus und erklärt den Bewohnern, dass mit dem sauberen Wasser auch die Kinderkrankheiten zurückgehen.

"Die Menschen verstehen jetzt, was alles am sauberen Trinkwasser hängt." swissinfo begleitete Doris Osorio nach El Jicaro, einem Weiler in der Gemeinde Las Vueltas, Chalatenango.

Hier hat die schweizerische Entwicklungs-Zusammenarbeit die Sicherung des Trinkwassers zu 50% mitfinanziert. 30% bezahlte die Gemeinde und 20% steuerten die Dorfbewohner mit ihrer Arbeit zum verbesserten Wassersystem bei.

Die DEZA versucht, Erkenntnisse und neue Techniken, die sie bei den einzelnen Wasserprojekten in El Salvador, in Nicaragua und in Honduras sammelt, grenzübergreifend anzuwenden. In El Salvador sind die Mittel für die Wasserprojekte bis Ende 2005 gesichert.

swissinfo, Erwin Dettling, Las Vueltas, El Salvador


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