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Zu viele offene Fragen im Basler Geothermie-Projekt

Werkhof Kleinhüningen bei Basel: Die Bohrungen werden wohl frühestens in vier Jahren wieder aufgenommen.

(Keystone)

Die Basler Regierung will noch dieses Jahr über die Risiken einer Weiterführung des Geothermie-Projekts informieren. Ein allfälliger Wiederbeginn der Bohrungen finde frühestens in vier Jahren statt.

Seit Dezember bebte wegen des Projekts in Basel drei Mal die Erde. Nach der ersten grösseren Erschütterung am 8. Dezember 2006 wurden die Arbeiten vorerst eingestellt.

Danach ist es in der Region zu zwei weiteren deutlich spürbaren Erdbeben gekommen, die sich auf das Basler Erdwärmeprojekt zurückführen lassen.

Anfang Dezember hatte die Projektbetreiberin Geopower AG probeweise Wasser in die Erdtiefe gepresst. Dieses erwärmt sich im heissen Gestein und wird zum Energieträger.

Nach dem ersten Erdstoss wurden die Versuche sofort eingestellt – doch seither kommt das Projekt medial und politisch nicht mehr zur Ruhe.

Besonders kritisiert wird die Informationspolitik der Behörden und der Projekt-Betreiberin.

Fundierter Entscheid jetzt noch nicht möglich

Nach dem dritten Beben teilte die Basler Regierung Mitte Januar mit, dass sie Ende Januar über die Weiterführung des Projekts informieren werde.

Am Donnerstag sagte nun die Basler Regierungsrätin Barbara Schneider vor den Medien: "Es sind zu viele Fragen offen, um heute einen fundierten definitiven Entscheid für oder gegen das Geothermie-Projekt fällen zu können."

Barbara Schneider, die dem Baudepartement vorsteht, bescheinigte der Geopower AG, nach dem aktuellen Stand der Technik und Wissenschaft vorgegangen zu sein.

Nun soll laut Regierung eine Risikoanalyse in Auftrag gegeben werden. Damit dürfte das Geothermie-Projekt zunächst ein Politikum werden – denn der Kredit dafür muss vom Grossen Rat gesprochen werden.

Wann im Rat darüber verhandelt wird, ist noch nicht klar. Nur schon das Erstellen der Analyse brauche rund ein bis zwei Jahre.

Klarheit schaffen für Bevölkerung

Trotzdem ist es Ziel des Regierungsrats, der Bevölkerung noch in diesem Jahr sagen zu können, welcher Art und wie hoch die Risiken sind, die mit einer Weiterführung des Projekts verbunden wären.

"Ein Abbruch wäre angesichts der mit der Technologie verbundenen Chancen verfrüht", schreibt der Regierungsrat in einer Mitteilung. "Ebenso verfrüht wäre aber auch die sofortige Wiederaufnahme der Arbeiten in Kleinhünigen."

Sistiert und eingemottet

Damit bleibt das Projekt sistiert. Von einer Einmottung "auf mindestens vier Jahren" sprach Marc Keller vom Baudepartement im Dezember.

"Man sollte vorerst eine Verschnaufpause einlegen und die Auswirkungen wissenschaftlich abklären", riet Mitte Januar Geologie-Professor Stefan Schmid in der Basellandschaftlichen Zeitung.

"Wenn nach diesen Abklärungen grünes Licht gegeben werden kann, sollte das Projekt fortgesetzt werden."

Mitte Januar hatte die nationalrätliche Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie das Fazit gezogen, dass Erdstösse in Folge des Projekts "von den Verantwortlichen im Vorfeld erwartet worden waren" (Mitteilung vom 17. Januar).

Mangelnde Informationspolitik

Ob sich das Baudepartement in Basel des Risikos bewusst gewesen war? "Im Rahmen des Bewilligungsverfahrens war eine Umweltverträglichkeits-Prüfung erstellt worden, sagte Marc Keller.

In verschiedenen Mitteilungen hatte das Baudepartement zudem darauf hingewiesen, dass es zu Erschütterungen kommen könne, aber dass sie nicht spürbar sein würden.

Doch diese Information sei in den Medien wohl etwas untergegangen. "Vermutlich wurde von Behördenseite zu wenig auf diesen Punkt aufmerksam gemacht", gab Keller zu.

Erdbeben-Experten nicht überrascht

Im Rahmen des Bewilligungsverfahren dagegen nicht konsultiert worden war der Schweizerische Erdbebendienst (SED), laut Nicholas Deichmann vom SED.

Der SED dokumentiert die vom Basler Erdwärme-Projekt ausgelösten Beben und ist für die Kommunikation zuständig.

Laut dem Geologen Schmid seien jene Experten, die das Projekt verfolgt haben, nicht vom Beben überrascht worden.

Das Deep Heat Mining-Verfahren ist als Methode zwar schon oft angewendet worden, meint Deichmann, aber bei anderer Bodenbeschaffenheit als jener unter Basel.

So werde bei Öl- und Gasvorkommen oft Wasser in den Boden gepumpt, um Druck zu erzeugen. Das kristalline Gestein jedoch, wie das Granit, auf dem Basel liege, sei ganz anders beschaffen.

swissinfo, Alexander Künzle und Agenturen

Fakten

Erdwärme-Bohrung: Anfang Dezember waren 12'000 Kubikmeter Wasser 5 km tief gepresst worden
Erstes dadurch verursachtes Beben in Basel: 8. Dezember (3,4 Punkte auf der Richterskala)
2. Beben: 6. Januar (3,1 Punkte)
3. Beben: 16. Januar (3,2 Punkte)
Dazu kommen häufige, aber nicht spürbare Beben
Epizentrum: Nähe des Bohrlochs in Kleinhüningen

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Akteure im Basler Beben

Projektbetreiber Geopower AG (Investoren aus der Energie- und Strombranche)

Behörden: Bauinspektorat, Baudirektion, Baudepartement Basel

Regierung: Die Basler Regierungspräsidentin, Barbara Schneider, ist auch Baudirektorin

Schweizerischer Erdbebendienst: Zuständig für die Dokumentation der Beben und der Information darüber

Bundesamt für Energie (UVEK): initiierte 1996 das geothermische Projekt "Deep Heat Mining"

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Erdwärme

Die Geothermie ist die Erdwärme des Gesteins der Erdkruste.

Geothermische Energie gilt als einzige erneuerbare und CO2-freie Energiequelle ohne Lagerungskosten.

Durch das doppelte Nutzen von eingepresstem Wasser, das heiss und unter Druck wieder an die Oberfläche drängt, lässt sich gleichzeitig Strom produzieren und heizen.

Standort Basel: Einerseits reicht die Erdwärme hier höher hinauf als anderswo in der Schweiz, andererseits besteht bereits ein ausgebautes Fernwärmenetz.

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