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Art Basel Hong Kong


Wirtschaftskrise beunruhigt die Aussteller


Von Clément Bürge, Hong Kong



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Eine Besucherin betrachtet das Werk "Man with a Monkey Head" des deutschen Künstlers Stephan Balkenhol. Die Skulptur wird von der Schweizer Galerie Mai 36 ausgestellt.  (Clément Bürge)

Eine Besucherin betrachtet das Werk "Man with a Monkey Head" des deutschen Künstlers Stephan Balkenhol. Die Skulptur wird von der Schweizer Galerie Mai 36 ausgestellt. 

(Clément Bürge)

Die Art Basel Hong Kong, die zum vierten Mal stattfindet, steht dieses Jahr im Zeichen der asiatischen Künstlerinnen und Künstler. Doch die Galerien befürchten einen Verkaufseinbruch wegen der wirtschaftlichen Flaute in China.

Art Basel Hong Kong

Die Art Basel Hong Kong findet von Donnerstag, 24. März bis Samstag, 26. März 2016 im Kongress- und Ausstellungscenter von Hongkong statt. Die internationale Kunstmesse findet zum vierten Mal in Asien statt. Sie wurde 2012 vom Besitzer der Art Basel, MCH Swiss Exhibition, ins Leben gerufen, als Folge der Übernahme der ART HK, einer lokalen Veranstaltung. Es werden mehr als 60'000 Besucher erwartet.

239 Galerien sind an der Art Basel Hong Kong präsent; 267 sind es an der Art Basel in Miami und 286 in Basel. Die Messe deckt die Kunstepochen vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute ab.

Die Art Basel Hong Kong hat in den letzten Jahren an Wichtigkeit gewonnen. "Die Messe vereint nicht mehr nur Sammler und Galerien aus China, sondern aus ganz Asien", sagt Victor Gisler von der schweizerischen Galerie Mai 36, die ebenfalls Kunstwerke ausstellt." Die Verkäufe an der Art Hong Kong sind mit jenen an der Art Basel Miami vergleichbar, obwohl die Messe in Hongkong viel jünger ist. Ihr finanzielles Potenzial ist enorm und wird in den nächsten Jahren noch wachsen."

Auf der einen Seite sieht man hohe Farbbilder des koreanischen Künstlers Choi Jeong Hwa. Sie bilden konfuzianische Gottheiten ab, deren Kopf durch eine Iron-Man-Maske oder Roboter aus der Manga-Welt ersetzt wurden. Der Künstler versucht damit, die Wichtigkeit der Medien in der Gesellschaft zu versinnbildlichen.

Auf der anderen Seite findet man eine Reihe silberner Skulpturen von Arbeitern, die von Raben attackiert werden. Diese Werke des aus Peking stammenden Künstlers Zhang Dali stehen für die schlimmen Arbeitsbedingungen in chinesischen Fabriken.

Etwas weiter stösst man auf Cola-Flaschen und Bananenschachteln aus Keramik. Diese Werke der Japanerin Kimiyo Mishima symbolisieren den übermässigen Konsum der Japaner in den 80er-Jahren.

Alle diese Künstler werden vom 24. bis 26. März 2016 an der Art Basel Hong Kong ausgestellt, der asiatischen Version der gleichnamigen schweizerischen Veranstaltung. Die vierte Ausgabe der Veranstaltung räumt der Kunst aus dem asiatischen Raum besonderen Stellenwert ein. Die Hälfte der Ausstellungsobjekte ist asiatischer Herkunft; für sie werden die besten Ausstellungsplätze reserviert.

Das ist eine Premiere. "Früher bevorzugte diese Messe vor allem grosse westliche Galerien sowie europäische und amerikanische Künstler", sagt Süreyya Wille, die für die Region Asien verantwortliche Schweizerin beim Startup Artsy, gegenüber swissinfo.ch. "Es ist heute der einzige Ort auf der Welt, wo man so viele asiatische Werke an einem Platz vereint sieht."

Chinesen wollen die besten Stücke

Nicht nur asiatische Galerien sind angereist, auch mehrere schweizerische sind präsent. Im dritten Stock der Messe macht Mathias Rastorfer, Geschäftsführer der Zürcher Galerie Gmurzynska, die Runde von einem Kunden zum nächsten. Der Mann mit pechschwarzen, zurückgebundenen Haaren und im eleganten nachtblauen Anzug zeigt in Hongkong eine Bilderserie von Picasso, Werke des kubanisch-chinesischen Malers Alfredo Lam sowie Gemälde und Skulpturen von Fernando Botero.

Der Geschäftsfüher der Zürcher Galerie Gmurzynska Mathias Rastorfer spricht mit einem potenziellen Kunden. (Clément Bürge)

Der Geschäftsfüher der Zürcher Galerie Gmurzynska Mathias Rastorfer spricht mit einem potenziellen Kunden.

(Clément Bürge)

"Dieses Stück ist einzigartig", erklärt er einem chinesischen Paar, das sich für ein Bild von Alfredo Lam mit drei verschwommenen Figuren interessiert. "Wir stellen es zum ersten Mal aus. Dieses Werk könnte in einem Museum stehen." Der Mann in einer feinen, weissen Daunenjacke hört ihm aufmerksam zu, während seine Frau ein Bild betrachtet und dabei lächelt. Aber sie gehen schliesslich mit leeren Händen weiter.

Die westlichen Galerien an der Art Basel Hong Kong mussten ihre Verkaufstechniken dem Geschmack der chinesischen Kunstliebhaber anpassen. "Ursprünglich dachten wir, dass wir speziell für den chinesischen Markt geeignete Werke mitbringen müssten, so wie den Mao von Andy Warhol", sagt Rastorfer. "Das war ein schwerer Fehler. Die chinesischen Kunden mögen es nicht, wenn wir die asiatischen Galerien imitieren, sie wollen einfach unsere besten Stücke sehen."

Der Ruf des Künstlers

Die asiatische Kundschaft legt besonderen Wert auf den Ruf eines Künstlers. "Ein chinesischer Kunde kauft sehr selten ein Werk, das noch nie an einer Biennale oder einer Ausstellung mit grosser Weitreiche gezeigt wurde", erklärt Victor Gisler von der schweizerischen Galerie Mai 36, die auch an der Art Basel Hong Kong präsent ist. "Sie kaufen eine Marke: Die des Künstlers und jene der Galerie."

Auch die Art der Kundenakquisition musste revidiert werden. "In Europa sollte man mit einem Kunden nur sprechen, wenn er eine Frage stellt", erklärt Urs Meile, Inhaber der gleichnamigen Schweizer Galerie, gegenüber swissinfo.ch. "Hier ist es umgekehrt. Man muss proaktiv mit dem Käufer diskutieren und ihm so viele Informationen wie möglich geben."

Dieses Jahr sind die Aussteller im Übrigen bereit, Konzessionen zu machen: "Es ist ein guter Moment, Kunstwerke zu kaufen, weil die Galerien offen für Preisverhandlungen sind", verrät Katie de Tilly von der Hongkonger Galerie 10 Chancery Lane. "Das wäre vor einigen Jahren nicht der Fall gewesen."

Kunstmarkt im freien Fall

Es herrscht eine spezielle Atmosphäre an der vierten Art Basel Hong Kong. "Der chinesische Kunstmarkt hat ein sehr schlechtes Jahr 2015 hinter sich", erklärt Clare McAndrew, Direktorin von Arts Economics, einer Kunst-Recherchefirma.

Im Jahr 2011 erreichten die Kunstverkäufe in China, Hongkong und Taiwan 19,5 Milliarden Dollar. Im Jahr 2015 waren es nur noch 11,8 Milliarden Dollar. China ist von der weltweiten Nummer eins bei den Kunstkäufen (30% aller Käufe im Jahr 2011) zur Nummer drei (19% im Jahr 2015) abgerutscht, hinter den Vereinigten Staaten (43%) und Grossbritannien (21%).

Dieser Absturz wurde durch die verlangsamte Konjunktur der chinesischen Wirtschaft im Jahr 2015 ausgelöst. Aber nicht nur: "Chinesische Sammler haben zwischen 2010 und 2011 zahlreiche sehr wertvolle Werke gekauft, sie aber bis jetzt nicht zurück auf den Markt gebracht", sagt McAndrew. "Auch die 2012 initiierte Anti-Korruptionskampagne des chinesischen Präsidenten Xi Jinping hat die Verkäufe gedrosselt."

Trotz allem Vertrauen

Doch die Organisatoren der Art Basel bleiben zuversichtlich: "Der Kunstmarkt erlebt nicht zum ersten Mal eine solche Krise", sagt die Verantwortliche der Art Basel Hong Kong, Adeline Ooi, anlässlich einer Pressekonferenz. "Wir haben nicht nur Käufer aus China, sondern auch aus anderen Ländern Asiens oder dem Rest der Welt."

Die Buddhas stammen vom chinesischen Künstler Zhang Yanzi. (Clément Bürge)

Die Buddhas stammen vom chinesischen Künstler Zhang Yanzi.

(Clément Bürge)

Das chinesische Paar ist an den Stand von Mathias Rastorfer zurückgekommen. Die Frau flüstert ihm einige Worte ins Ohr. Der Zürcher schaut sie ruhig an, greift nach einem Taschenrechner und überlegt einige Sekunden. "Sie sprechen von einem Rabatt von 20%", murmelt er. "Das ist eine gewaltige Differenz."

Die junge Frau mit anmutigem Aussehen schaut ihn an, sie wirkt entschlossen: "Ja, aber ich kann sofort bezahlen", sagt sie und zieht aus ihrem Portmonee eine schwarze American Express Centurion Kreditkarte (Die Karte ist für die reichsten Kunden reserviert, A.d.R.). Rastorfer wendet sich der Käuferin zu: "Herzliche Gratulation, es ist ein fantastisches Werk, Sie können stolz darauf sein."

Mini-Art Basels rund um den Globus

Art Basel hat am Mittwoch in Hongkong ein neues Projekt angekündigt: Art Basel Cities. Diese Initiative will in mehreren Partnerstädten Kunstprogramme lancieren.

"Wir organisieren dort Diskussionspodien, öffentliche Kunstinstallationen, Konferenzen sowie Ausstellungen", sagt Patrick Foret, Marketingdirektor der Art Basel und Verantwortlicher für das neue Projekt. "Wir werden versuchen, jeder dieser Veranstaltungen eine eigene regionale Identität zu geben."

Das Unternehmen wird von einem Direktionskomitee geleitet werden, in dem unter anderem der Schweizer Kunstsammler Uli Sigg und der Schweizer Architekt Jacques Herzog sitzen werden. Mit dem Projekt setzt die Art Basel ihren Expansionskurs fort, nachdem sie bereits 2002 in Miami und 2012 in Hongkong je eine Messe gegründet hat.


(Übertragung aus dem Französischen: Sibilla Bondolfi), swissinfo.ch



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