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BMW zieht sich aus der Formel 1 zurück

2005 übergab Peter Sauber das Zepter an Mario Theissen von BMW.

(Keystone)

Der Rückzug des deutschen Autoherstellers BMW aus der Formel 1 kam überraschend. Nun stellt sich die Frage, was mit dem Design- und Testzentrum von BMW-Sauber im zürcherischen Hinwil geschieht, wo 430 Personen angestellt sind.

"Aus Imagegründen" ziehe sich der Münchner Rennstall aus der Formel 1 zurück, hiess es am Mittwoch.

Durch den Strategiewechsel soll das Hauptaugenmerk künftig auf neue Antriebstechnologien und Nachhaltigkeit gelegt werden.

Gemäss dem obersten BMW-Chef hätte die wirtschaftliche Entwicklung der letzten zwölf Monate bei diesem Entscheid ebenso keine Rolle gespielt, wie die enttäuschenden Leistungen von BMW-Sauber in dieser Saison.

In einer Mitteilung liess BMW verlauten, man könne Entlassungen in den Hauptbetrieben München und Hinwil nicht ausschliessen. Doch der Autohersteller erklärte, er werde Ausschau nach einem Partner für das Team halten.

Hanspeter Brack, Sprecher des Rennteams, sagte gegenüber swissinfo.ch, es sei zu früh zu sagen, ob das Team einen Weg in die Zukunft finde. Er wollte keinen Kommentar zum möglichen Überleben der Schweizer Tätigkeiten abgeben.

"Das Ziel ist es, mit dem Team irgendwie weiterzufahren. Der Entscheid fiel erst am Dienstag, also haben wir eben erst begonnen, unsere Optionen zu untersuchen", erklärte er.

Sauber völlig überrascht

Die persönliche Verbundenheit des Schweizers Peter Sauber, der nach dem Verkauf an BMW als Berater und 20%-Miteigentümer im Team verblieb, war offensichtlich.

"Die Ankündigung von BMW, sich zum Saisonende aus der Formel 1 zurückzuziehen, kam für mich völlig überraschend. Ich akzeptiere und respektiere den Entscheid, kann ihn allerdings persönlich nur schwer nachvollziehen", sagte er.

Er werde nun alles in seiner Macht stehende versuchen, um "eine Lösung zu finden, die den Fortbestand des Teams am Standort Hinwil in irgendeiner Form ermöglicht". Der 65-jährige frühere Teamchef betonte aber auch: "Die Ausgangslage ist sehr schwierig."

Beginn eines Traums

Der Schweizer Rennfahrer und Autofan hatte 1993 ein Rennteam mit seinem Namen gegründet und 12 Jahre später eine Mehrheit an BMW verkauft.

Bereits 1970 hatte er in Hinwil im Zürcher Oberland Rennwagen gebaut, zuerst unter dem Namen PP Sauber, später unter Sauber Motorsport.

Im Keller seines Elternhauses entwarf er den Sauber C1, benannt nach dem ersten Buchstaben des Vornamens seiner Frau Christiane, wie er 2005 gegenüber swissinfo.ch erklärte. Zuerst brachte er den Wagen nicht zur Türe hinaus. Noch im gleichen Jahr wurde er damit Schweizer Meister.

"Herber Verlust"

Für den Hinwiler Gemeindepräsidenten Walter Bachofen war die Nachricht ein Schock. "Das ist ein herber Imageverlust für unsere Gemeinde", sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Der Formel-1-Rennstall sei seit Jahren ein wichtiges Aushängeschild gewesen. "Wir haben den BMW-Rennstall bei jeder Gelegenheit erwähnt. So wurde die Gemeinde Hinwil weltbekannt."

Das Design- und Testzentrum in Hinwil beschäftigt 430 Personen und verfügt über einen hypermodernen Windkanal, der vor wenigen Jahren für 70 Millionen Franken erstellt wurde. In diesem testete BMW die Chassis der Rennboliden.

Die Zukunft dieser Anlage, zusammen mit der Schweizer Beteiligung in der Formel 1, hängt nun in der Luft. Bis Ende September sollen Lösungen für den Standort Hinwil vorliegen, hiess es.

Zeitungen: Kein Verständnis

Die Schweizer Zeitungen reagierten mehrheitlich mit Unverständnis auf den Entscheid. "Dass es mit BMW-Sauber jetzt eines der effizientesten Rennteams erwischt hat, ist doppelt bitter", schreibt die Neue Zürcher Zeitung.

"Gerade der Standort Hinwil war noch nie für Verschwendung bekannt. Wenn die Autoindustrie als finanzielles Rückgrat der Formel 1 nun auch noch wegfällt, droht der Serie der Verfall."

Die meisten Zeitungen hoffen jetzt auf eine Rückkehr von Peter Sauber. "Zum neuen Image von BMW mag die Formel-1-Fabrik nicht mehr passen. Doch Peter Sauber würde sie immer noch gut anstehen, schliesslich ist sie sein Lebenswerk", betont der Tages Anzeiger.

Auch der Blick legt den Fokus auf den Teamgründer: "Den 420 Mitarbeitern in Hinwil bringen jetzt die gefärbten BMW-Worte von einem schwer gefallenen Entscheid und einer neuen Strategieausrichtung wenig. Diese Menschen haben nur noch eine Hoffnung: Peter Sauber."

Matthew Allen, Zürich, swissinfo.ch und Agenturen
(Übertragen aus den Englischen: Christian Raaflaub, swissinfo.ch)

BMW Sauber

Der Schweizer Sportwagenbauer Peter Sauber gründete das Team 1993 unter seinem eigenen Namen.

Das Team Sauber gewann nie einen Grand Prix oder die Konstrukteuren-Wertung, schaffte aber sechs Podiumsplätze – den ersten am GP von Italien 1995.

Sauber war Startrampe für viele Fahrer, die später zu grossen Namen wurden, so etwa Heinz-Harald Frentzen, Felipe Massa und Kimi Räikönnen.

Mit dem vierten Platz in der Konstrukteuren-Wertung schaffte das Team 2001 die beste Platzierung.

Vier Jahre später übergab der damals 62-jährige Sauber die Schlüssel seines unabhängigen Teams an den bayrischen Autoriesen BMW – ein Unternehmen, das vorher mit Williams zusammengespannt hatte.

Das letzte Rennen für das Team Sauber Petronas war der GP von China 2005.

Sauber behielt einen Anteil von 20% am Rennstall und blieb als Berater, zog sich aber aus dem Tagesgeschäft zurück.

Die Motorenherstellung zügelte nach München, das Chassis-Design blieb in Hinwil.

Das neue Team wurde 2007 zweiter in der Konstrukteuren-Wertung.

Im Jahr darauf konnte BMW Sauber in Kanada den ersten Sieg bei einem GP verbuchen und wurde dritter in der Konstrukteuren-Wertung.

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"Schumi" zurück

Ebenfalls am Mittwoch gab der deutsche Rekordweltmeister Michael Schumacher nach drei Jahren die Rückkehr in die Formel 1 bekannt.

Der 40-Jährige gab auf seiner Homepage bekannt, dass er für den verunglückten Ferrari-Piloten Felipe Massa an den Start gehen werde.

Der siebenmalige Champion mit Wohnsitz in Gland am Genfersee wird sein erstes Rennen bereits beim nächsten GP am 23. August in Valencia bestreiten.

Schumacher hatte seine Karriere im Oktober 2006 nach sieben WM-Titeln, 91 Grand-Prix-Siegen und 250 Rennen beendet.

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