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Ökumene in der "einzig wahren Kirche"?



Der Bischof des Bistums Basel, Kurt Koch, wird Päpstlicher "Ökumenemininster".

Der Bischof des Bistums Basel, Kurt Koch, wird Päpstlicher "Ökumenemininster".

(Keystone)

In seiner 2000-jährigen Geschichte hat sich das Christentum in diverse Richtungen gespalten. Der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen, dessen Präsident nun Bischof Kurt Koch ist, berät den Papst im Umgang mit andern Konfessionen.

Die Anfänge dieses Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen sind mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil verbunden. Papst Johannes XXIII war es ein Anliegen, dass sich die katholische Kirche an der ökumenischen Bewegung beteiligte. Er schuf deshalb 1960 ein "Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen".

Es war das erste Mal, dass der Heilige Stuhl ein Amt errichtete, das ausschliesslich ökumenische Fragen behandeln sollte. 1989 wurde das Sekretariat umgetauft in "Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen".

Der nun zum Präsidenten dieses Päpstlichen Rates ernannte Bischof Kurt Koch schrieb in seinem 2006 erschienenen Werk "Dass alle eins seien" zum Thema Ökumene: "Es gibt keine Einheit der Christen, solange Katholiken, Reformierte, Lutheraner, Anglikaner und Orthodoxe keine Einigkeit haben, wie Kirche geleitet werden soll."

Die Protestanten

Damit liegt er auf der Linie von Benedikt XVI. Was der heutige Papst unter Ökumene versteht, machte dieser verschiedentlich deutlich.

2007 veröffentlichte die Päpstliche Glaubenskongregation ein Schreiben, in dem stand, dass die Protestanten keine Kirche seien, sie seien lediglich als "kirchliche Gemeinschaften" zu betrachten. Das Dokument sei von Benedikt XVI gutgeheissen und genehmigt worden.

Der Grund dafür sei, dass Protestanten und andere christliche Gemeinschaften, die den Papst nicht anerkannten, sich nicht auf die "apostolische Sukzession" berufen könnten. Die katholische Lehre meint damit, dass sich Päpste und Bischöfe darauf berufen, Nachfolger der Apostel zu sein. Daher sei die römisch-katholische Kirche die einzig wahre Kirche.

In einem Communiqué schrieb der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) darauf, dass diese Haltung des Vatikans den Dialog zwischen den Konfessionen in Frage stelle.

Mit diesem "Rückzug auf sich selbst" schlösse sich die katholische Kirche aus der weltweiten Gemeinschaft der Kirchen selbst aus. Die Reformierten könnten die römisch-katholische Kirche ohne Weiteres als Schwesterkirche anerkennen.

Wie Koch gegenüber der Sendung Echo der Zeit des Schweizer Radios sagte, habe der Papst festgehalten, es sei ihm wichtig, dass jemand das Amt des Präsidenten des Rates zur Förderung der Einheit der Kirche übernehme, "der die aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften nicht nur aus der Literatur kennt."

Weiter sagte Koch, dass es diesbezüglich missverständliche Aussagen des Papstes gegeben habe. Diese habe Benedikt XVI aber korrigiert. "Wenn man sich auf diese Sätze stützt und alles andere vergisst, kann man von einem Scherbenhaufen sprechen. Aber dann liegt die Ursache nicht beim Papst."

Für den neuen Präsidenten des Päpstlichen Einheits-Rates ist die Einstellung von Papst Benedikt XVI nicht anti-ökumenisch: "Die anti-ökumenische Haltung, die man ihm [Anmerk. der Red. dem Papst] andichtet, haben mit der Dichtung zu tun, aber nicht mit ihm."

Die Piusbrüder

Entgegenkommen zeigte Benedikt XVI gegenüber einer anderen christlichen Gruppierung, den so genannten Piusbrüdern. Anders als die Protestanten sehen sie sich als Teil der katholischen Kirche und anerkennen den Papst als Oberhaupt der Kirche.

Letztes Jahr hob der Papst die Exkommunikation gegen vier Bischöfe der Piusbruderschaft auf. Die Öffentlichkeit empfand dies als Skandal, denn unter ihnen befand sich der Holocaust-Leugner Richard Williamson.

Die zuständigen Räte des Vatikans sagten später, sie seien darüber nicht informiert gewesen und Williamson entschuldigte sich halbherzig für seine Äusserungen.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X war 1970 von Erzbischof Marcel Lefevre gegründet worden. 1975 wurde ihr die Anerkennung als katholische Organisation entzogen. 1988 wurden 6 Bischöfe wegen illegaler Priesterweihen exkommuniziert.

Schon 2007 hatte sich Benedikt XVI einen Schritt auf die Piusbrüder zu bewegt, als er die alte Liturgie, die so genannte tridentinische Messe, wieder zuliess. Die Piusbrüder zelebrieren ihre Gottesdienste nach diesem Ritus. Dieser war während dem 2. Vatikanischen Konzil beschränkt worden.

Der alte Ritus entstand zur Zeit der Gegenreformation, zur Abwehr von Lutheranern und anderen Protestanten. Er enthält zudem auch Gebete, an deren Inhalte Gläubige nichtchristlicher Religionen und auch Juden Anstoss nehmen.

Die Anglikaner

Letztes Jahr suchte der Papst das Gespräch auch mit einer anderen christlichen Glaubensgemeinschaft, mit den Anglikanern. Er bot ihnen an, wie die NZZ am Sonntag schrieb, zu "Sonderkonditionen" in die katholische Kirche einzutreten.

Diese Konditionen sehen vor, dass auch verheiratete anglikanische Geistliche die katholische Priesterweihe empfangen und als Priester im Rahmen des neu geschaffenen Ordinariats tätig sein können.

Die bereits bestehenden Diskussionen zwischen konservativen und progressiveren Ausrichtungen der Glaubensgemeinschaft erhielten damit Auftrieb. In progressiven Anglikanischen Kirchenprovinzen werden neben verheirateten Männern auch Frauen zu Priesterinnen geweiht.

Die Ordination von Frauen, für die der Theologe Kurt Koch in den 90er-Jahren eintrat, ist für Benedikt XVI ungeachtet der ökumenischen Annäherung kein Thema.

Eveline Kobler, swissinfo. ch

Päpstliche Räte

Die Römische Kurie, damit gemeint sind die Leitungs-und Verwaltungsorgane des Heiligen Stuhls hat eine komplexe Struktur.

Neben dem Staatssekretariat und den Kongregationen, den nach Sachgebieten aufgeteilten Verwaltungsorganen existieren die Gerichtshöfe, die Päpstlichen Räte, die Päpstlichen Kommissionen und weitere Institutionen, die den Papst bei seinen Entscheidungen unterstützen.

Zur Zeit exisiteren 11 Päpstliche Räte.

Heute ist der Rat in zwei Teile gegliedert, eine östliche Sektion, die sich mit den Orthodoxen Kirchen der byzantinischen Tradition und den orientalischen und assyrischen Kirchen befasst, und eine westliche Sektion, die sich mit den verschiedenen Konfessionen im Westen auseinandersetzt.

Daneben wurde noch die Kommission für die religiösen Beziehungen mit den Juden geschaffen, die mit dem Päpstlichen Rat zur Einheit der Christen verbunden ist.

Unter Ökumene versteht der Vatikan "Tätigkeiten und Unternehmungen, die zur Förderung der Einheit der Christen ins Leben gerufen und auf dieses Ziel ausgerichtet sind" (Ökumenismusdekret Nr.4).

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