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Koordiniertes Vorgehen


Italien und Schweiz wollen Italienisch gemeinsam fördern




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In der Förderung der italienischen Sprache wollen die Schweiz und Italien künftig die Kräfte bündeln. Dieser wichtige Schritt ist am 24. Oktober in der italienischen Botschaft in Bern erfolgt. Italienisch ist in der Schweiz eine offizielle Landes- und Amtssprache. Deshalb stellt die Eidgenossenschaft ein fruchtbares Terrain für die Sprache Dantes dar.

"Hier spricht man jetzt Italienisch". Orakelhafte Botschaft der Arbeiter an der Baustelle von 2006 zum Umbau des Parlamentsgebäudes, Sitz von Regierung und Schweizer Parlament, wo Italienisch selten verwendet wird, auch wenn es sowohl eine National- wie auch Amtssprache des Bundes ist. (swissinfo.ch)

"Hier spricht man jetzt Italienisch". Orakelhafte Botschaft der Arbeiter an der Baustelle von 2006 zum Umbau des Parlamentsgebäudes, Sitz von Regierung und Schweizer Parlament, wo Italienisch selten verwendet wird, auch wenn es sowohl eine National- wie auch Amtssprache des Bundes ist.

(swissinfo.ch)

Der Zeitpunkt war keineswegs zufällig gewählt. Der italienische Botschafter in der Schweiz, Marco Del Panta, nahm die "Weltweite Woche der italienischen Sprache" zum Anlass, um in Bern im Rahmen eines Podiumsgesprächs über gemeinsame Strategien zur Förderung der italienischen Sprache nachzudenken. Als Diskussionsgrundlage diente der "Bericht über das Italienische in der Schweiz: Kontext, Gesetzgebung, Initiativen".

Dieser sehr informationsreiche Bericht wurde von der italienischen Botschaft in der Schweiz ausgearbeitet. Erstmals wurden die Verbreitung der italienischen Sprache in der Schweiz und die Instrumente zu ihrer Förderung detailliert erfasst. Dabei wird festgestellt, dass diese Förderung in dreifacher Hinsicht dienlich ist, "einerseits für Italien, um die eigene Sprache und Kultur zu promoten, zum anderen für die Schweiz, um die Mehrsprachigkeit des Landes und die Wichtigkeit der verschiedenen Nationalsprachen zu unterstreichen".

Dazu kommt als dritter Faktor das Interesse der italienischsprachigen Schweizer Gebiete, Tessin und Italienisch-Graubünden, um ihre Sprache ausserhalb des eigenen Territoriums bekannt zu machen. Der Bericht listet Möglichkeiten auf, wie diese Ziele erreicht werden könnten.

"Wir wollen das Italienische nicht fördern, um der englischen Sprache Konkurrenz zu machen, sondern um das Italienische als Kultursprache bekannt zu machen", sagt Botschafter Del Panta. Denn für die Kultur ist Italien weltweit anerkannt, wovon auch die Schweiz profitieren kann, "das einzige Land der Welt ausserhalb Italiens, in dem Italienisch eine Nationalsprache ist".

Vital, aber nicht erfasst

Obwohl die italienische Sprache in der Schweiz ausserhalb ihrer Stammlande – Tessin und Italienisch-Graubünden – gemäss offiziellen Statistiken an Bedeutung verliert, ist das Interesse an dieser Sprache immer noch gross. Dies spiegelt sich in der Nachfrage nach Sprachkursen, die vom italienischen Aussenministerium beziehungsweise von Partnerinstitutionen organisiert werden, wie Roger Nesti anlässlich des Podiumsgesprächs erklärte. Er ist Koordinator dieser Sprachkurse.

Allerdings ist die Zahl der Kurse rückläufig, besonders weil der italienische Staat die Subventionen gekürzt hat. Neben den finanziellen Schwierigkeiten gibt es in einigen Kantonen und Gemeinden auch Schwierigkeiten, geeignete Räumlichkeiten zu finden.

Trotzdem: Es gibt nach wie vor eine "vitale Italienischsprachigkeit" in der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz, die sich aber nicht auf Anhieb erschliesst. Auf diese komplexe Realität weisen die Autoren des Buchs "Italiano per caso" (Zufällig Italienisch) hin. Unter die Lupe genommen haben sie die unterschiedlichen Formen der "Italianità" in der Eidgenossenschaft.

Verio Pini, Berater des Bundesrats für Sprachenpolitik und Ko-Autor dieses Buchs, erinnert beispielsweise daran, "dass von den 550'000 Italienischsprachigen in der Schweiz rund 300'000 auf der Nordseite des Gotthards leben". Dazu kommen noch sehr viele Personen, "die aus den unterschiedlichsten Gründen eine Beziehung zur italienischen Sprache und Kultur haben. Diese alle leisten einen Beitrag zur Vitalität des Italienischen, doch sie hinterlassen in den Statistiken keine grossartigen Spuren". Zu dieser Gruppe gehören auch viele Nachfahren von italienischen Auswanderern, von der zweiten bis zur vierten Nachfolge-Generation.

Kohäsion und Koordination

Es gibt folglich gemeinsame Interessen für ein sprachlich-kulturelles Erbe, das gehegt und gepflegt werden will. Die Schweiz besitzt auf Landes- und Kantonsebene gewisse Möglichkeiten zur Förderung, Italien kann dies über die Botschaft und seine Konsulate tun.

"Die Idee ist ganz einfach: Wir müssen zusammenspannen, die Kräfte bündeln, die Programme koordinieren, statt Ressourcen zu verschwenden, weil jeder nur seinen eigenen Garten bewirtschaftet", meint Botschafter Marco Del Panta.

Die Idee wurde von Politikern und Akademikern, die sich der Förderung des Italienischen verschrieben haben, mit Begeisterung aufgenommen. "Für Italien, die Schweiz, das Tessin und Graubünden ist es eine moralische und kulturelle Pflicht, das Italienische gemeinsam zu fördern und zu promoten", meint der Tessiner Ständerat Filippo Lombardi, zugleich Präsident der Delegation für die Beziehungen zum italienischen Parlament.

Der Christdemokrat Lombardi hat im Übrigen vorgeschlagen, eine Stiftung zu gründen, "um die humanen und finanziellen Ressourcen der beiden Länder – private und staatliche – zusammenzuführen". So könne man ein effizientes Instrument zur Förderung des Italienischen in der Schweiz schaffen.

"Wir müssen die Kräfte bündeln und an einen Finanzbeitrag koppeln", so Lombardi. Dieser Vorschlag kam bei den Vertretern aus dem Tessin gut an. Hingegen zeigten sich Botschafter Marco Del Panta und die sozialdemokratische Bündner Nationalrätin Silva Semadeni skeptisch. Sie sind überzeugt, dass ein bilaterales strategisches Abkommen zwischen den beiden Ländern ausreicht, um den nötigen rechtlichen Rahmen zu schaffen.

Chance für den Austausch

Auch diese unterschiedlichen Ansichten zu den Modalitäten der Zusammenarbeit haben der Initiative der italienischen Botschaft keinerlei Schaden zugefügt. Ganz im Gegenteil. "Ich kann mich an keine Veranstaltung dieser Art erinnern, bei der ein so starker Wille zur Zusammenarbeit spürbar war wie heute", freute sich Bruno Moretti, Professor am Institut für Italienische Sprache und Literatur der Universität Bern.

Der erste Schritt ist jedenfalls getan. Und nächsten Monat werden die Gespräche voraussichtlich im Rahmen des Forums für das Italienische in der Schweiz weitergeführt. Einfach wird die Durchführung des Gesamtprojekts aber nicht sein, denn es reicht nicht, dass sich der Bund sowie die Kantone Tessin und Graubünden einigen.

In Sachen Kultur, Bildung und Schule herrscht in der Schweiz der Föderalismus. Das bedeutet, alle 26 Kantone sind jeweils für ihr Territorium zuständig. Jeder Kanton kennt seine eigenen Regeln und Besonderheiten. Der italienische Botschafter Del Panta ist sich dieser Lage bewusst und bleibt gleichwohl zuversichtlich: "Wir haben Konsulate in allen wichtigen Regionen der Schweiz. Und ich habe die Konsuln bereits informiert, dass sie intensiv an diesem Projekt arbeiten müssen."

Der italienische Diplomat ist überzeugt, dass das Projekt auch eine grosse Chance darstellt, "um sich gegenseitig kennenzulernen und den bilateralen Austausch zwischen unseren beiden Ländern zu intensivieren".

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(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

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