Direkt zum Inhalt springen
Your browser is out of date. It has known security flaws and may not display all features of this websites. Learn how to update your browser[Schliessen]

Nati wohnt weitab der südafrikanischen Realität



Abgeschirmt vom südafrikanischen Alltag: Das Hotel der Schweizer Nati. (swissinfo.ch)

Abgeschirmt vom südafrikanischen Alltag: Das Hotel der Schweizer Nati.

(swissinfo.ch)

Ein luxuriöser Hotelkomplex, eine Autostunde von Johannesburg entfernt, dient der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft als Basis für die Weltmeisterschaft. Ein Augenschein in Vanderbijlpark vier Monate vor dem Anpfiff.

"Ich habe soeben die Schweizer Fahne erhalten, die im Juni auf dem Dach unseres Hotels wehen wird": Linda de Caires, die Marketingverantwortliche von Emerald Resort & Casino, fühlt sich wie im siebten Himmel.

Sie hat guten Grund: vom 31. Mai bis zum 30. Juni ist ihr Haus bereits ausgebucht, denn der Schweizer Fussballverband (SFV) hat alle verfügbaren 77 Zimmer reserviert.

Das 4-Sterne-Hotel, eine Stunde vom Flughafen Johannesburg entfernt, bietet den Schweizer Nationalspielern für einen bestmöglichen Aufenthalt alle nur erdenklichen Annehmlichkeiten: weitläufige Grünflächen zum Auftanken, einen Zoo, einen Wasserpark, eine Minigolf- und Bowlinganlage und sogar ein Casino, das zu den angesehensten des Landes zählt.

Hier haben Alex Frei & Co. die Möglichkeit, ihre Prämien aufzubessern.

Eine Nacht in dieser ruhigen und luxuriösen Umgebung kostet durchschnittlich 1700 Rand (rund 240 Franken). Die Rechnung für den SFV wird sich auf nahezu 500'000 Franken belaufen, auch wenn Linda de Caires diese Zahl nicht bestätigen möchte.

"Viele andere Mannschaften, darunter einige Topshots wie Brasilien und Argentinien, waren ebenfalls interessiert. Doch wir sind sehr glücklich, die Schweizer empfangen zu dürfen – anspruchsvolle und professionelle Leute. Dies ist ein schöner Beweis für das hohe Niveau und die Qualität unserer Einrichtungen."

Keine abgelegene Festung

Die vier Konferenzsäle des Hotels werden in Sitzungs- und Presseräume umgewandelt. Nahezu hundert Schweizer Journalisten werden in Bungalows wohnen, die im riesigen Hotelpark verstreut sind.

Entgegen den Befürchtungen gewisser Medien werden sich die Schweizer Spieler während der WM in absoluter Sicherheit befinden, versichert Linda de Caires.

"In Zusammenarbeit mit der FIFA und den lokalen Autoritäten wurden alle nötigen Massnahmen getroffen. Das Emerald Resort wird sich nicht in eine Festung verwandeln. Der Zutritt zum Hotel wird sich natürlich auf die Mitglieder der Schweizer Nationalmannschaft und ihre Familienangehörigen beschränkt, das Casino und die andern Attraktionen bleiben jedoch auch während dieser Zeit für das Publikum offen."

Die Spieler werden rund einen Kilometer entfernt im Stadion des Campus der Universität Vaal trainieren. Der Rasen ist zur Zeit noch nicht bespielbar und die Tribüne braucht noch eine Auffrischung.

Doch Hannes Hattingh, Verantwortlicher für die Einrichtungen, versichert mit einem starken Afrikaans-Akzent, dass die Arbeiten bald losgehen werden. "Für die WM wird alles bereit sein. Rund eine Million Rand (150'000 Franken) wurden von der Stadt und der FIFA in dieses Trainings-Terrain investiert."

Zahlreiche Zuschauer

Die Trainings sind für das Publikum offen, ausser wenn die Leitung der Schweizer Mannschaft anders entscheidet. Die Regierung hat während der Weltmeisterschaft die Schliessung der Schulen angeordnet, damit die jungen Südafrikaner die Wettkämpfe mitverfolgen können, aber auch um das Verkehrssystem zu entlasten. Man rechnet mit grossen Menschenansammlungen rund ums Trainingsgelände.

Im Moment wissen die wenigsten der 220'000 Einwohner zählenden Stadt Transvaal, dass die Schweizer Nationalmannschaft bei ihnen Quartier beziehen wird.

Auch nicht Daniel, der für 100 Rand (15 Franken) pro Tag als Gärtner im Emerald Resort & Casino arbeitet. Weder ihm noch seinen Kollegen ist etwas zu Ohren gekommen, wie sie bestätigen.

"Ich versuche zu sparen und möchte einen Match der 'Bafana Bafana' im Soccer City Stadium in Johannesburg besuchen. Die billigsten Karten kosten 500 Rand. Ich weiss noch nicht, ob ich das Geld zusammen kriege", bedenkt Daniel.

Er ist Anhänger der Sundowns, die momentan den zweiten Tabellenplatz in der südafrikanischen Meisterschaft belegen. Eine Karte für ein Spiel dieser Liga kostet weniger als 20 Rand (3 Franken).

Elfenbeinküste, nicht Schweiz

Im Township von Sharpeville, im Norden der Stadt, ist die Information auch noch nicht durchgesickert.

An einem gewöhnlichen Nachmittag mitten in der Woche hängen in der "Rock Bar" ein gutes Dutzend flegelhafter Jungs herum, weg von der täglichen Misere und der Arbeitslosigkeit.

Ihre Gesichter sind mit Narben übersät, da und dort fehlt ein Zahn und ihr Gehabe ist wenig vertrauenserweckend.

Sie alle versichern, dass sie grosse Fussballfans sind. "Die Elfenbeinküste und Didier Drogba werden hier sein", rufen sie begeistert. Genauer gesagt im Riverside, dem andern luxuriösen Hotelkomplex der Stadt.

Vielleicht wird die Präsenz der Schweiz nun doch die Runde machen im Township, denn die Anwesenheit eines westlichen Journalisten ist ziemlich ungewöhnlich.

"Ihr könnt den Schweizer Fans sagen, dass sie keine Angst haben müssen. Wir sind keine Kriminelle", versichern sie, und einer beschwört die Vergangenheit: "Wissen Sie, was 1960 hier geschah? Vergessen Sie nicht, das zu erzählen!"

Vor 50 Jahren wurde eine friedliche Demonstration gegen die diskriminierenden Passgesetze von der Polizei blutig niedergeschlagen. Es gab in Sharpeville 69 Tote. Dieses Massaker löste eine Welle des Entsetzens und internationale Proteste aus.

Das Ende des Apartheidregimes mit der Freilassung von Nelson Mandela vor 20 Jahren, das grosse Fussballfest und die Präsenz der Nationalmannschaften der Schweiz und der Elfenbeinküste lassen für einige Wochen den harten Alltag vergessen.

Denn im Land, wo fast die Hälfte der Bevölkerung mit weniger als zwei Dollar im Tag lebt, trennt ein Graben das Emerald Resort & Casino vom Township von Sharpeville.

Samuel Jaberg, Vanderbijlpark, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Französischen: Christine Fuhrer)

SCHWEIZ AN DER WM

16. Juni, Durban (16h): Spanien-Schweiz

21. Juni, Port Elizabeth (16h): Schweiz-Chile

25. Juni, Bloemfontein (20h30): Schweiz-Honduras

Markante Unterschiede

43% der südafrikanischen Bevölkerung lebt mit weniger als zwei Dollar pro Tag.

Die Arbeitslosenrate liegt offiziell bei 24,5%. In der Realität liegt sie aber über 40%.

2009 gingen offiziell 260'000 Arbeitsstellen verloren, davon betroffen waren vor allem junge Schwarze im informellen Sektor.

13 Millionen Südafrikaner sind von der Sozialhilfe abhängig.

Seit 1995 hat das monatliche Einkommen der Schwarzen um 37,3% zugenommen, bei den Weissen um 83,5%.

Nach Angaben der Weltbank leben 13% der Bevölkerung unter Bedingen der ersten Welt, 50% leben in einem Entwicklungsland.

37% der Bevölkerung hat weder Strom noch fliessendes Wasser und 25% hat keinen Zugang zu einer schulischen Grundausbildung.

Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt heute 50 Jahre. In den letzten zehn Jahren ist sie um zehn Jahre gesunken. 18,1% der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren ist HIV-positiv.

LUXUSHOTEL

Etwa 100 km vom internationalen Flughafen Johannesburg entfernt, befindet sich der Hotelkomplex Emerald Resort & Casino.

Hier wird die Schweizer Nationalmannschaft während der WM in Südafrika wohnen.

Wenn sie in Durban, Port Elizabeth und Bloemfontain spielt, wird die Mannschaft in von der FIFA zugelassenen Hotels logieren.

Die Stadt Vanderbijlpark im Transvaal liegt auf 1400m und bietet ideale Trainingsbedingungen für die Fussballer.

Mehr als die Hälfte der qualifizierten Mannschaften haben das Hochplateau um Johannesburg herum als Basis gewählt.

Mehr als 500 Personen arbeiten im Resort. 43 sind für die Sicherheit verantwortlich.

Während der WM werden sie von Experten der FIFA und der südafrikanischen Polizei unterstützt.



Links

Urheberrecht

Alle Rechte vorbehalten. Die Inhalte des Web-Angebots von swissinfo.ch sind urheberrechtlich geschützt. Sie dürfen nur zum Eigengebrauch benützt werden. Jede darüber hinausgehende Verwendung der Inhalte des Web-Angebots, insbesondere die Verbreitung, Veränderung, Übertragung, Speicherung und Kopie darf nur mit schriftlicher Zustimmung von swissinfo.ch erfolgen. Bei Interesse an einer solchen Verwendung schicken Sie uns bitte ein Mail an contact@swissinfo.ch.

Über die Nutzung zum Eigengebrauch hinaus ist es einzig gestattet, den Hyperlink zu einem spezifischen Inhalt zu verwenden und auf einer eigenen Website oder einer Website von Dritten zu platzieren. Das Einbetten von Inhalten des Web-Angebots von swissinfo.ch ist nur unverändert und nur in werbefreiem Umfeld erlaubt. Auf alle Software, Verzeichnisse, Daten und deren Inhalte des Web-Angebots von swissinfo.ch, die ausdrücklich zum Herunterladen zur Verfügung gestellt werden, wird eine einfache, nicht ausschliessliche und nicht übertragbare Lizenz erteilt, die sich auf das Herunterladen und Speichern auf den persönlichen Geräten beschränkt. Sämtliche weitergehende Rechte verbleiben bei swissinfo.ch. So sind insbesondere der Verkauf und jegliche kommerzielle Nutzung unzulässig.

×