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Abstimmung vom 27. November


Atombefürworter und -gegner liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen




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Momentan ist noch unklar, ob die Kontrollbildschirme der Schweizer Atomkraftwerke spätestens bis 2029 nicht mehr gebraucht werden. (Keystone)

Momentan ist noch unklar, ob die Kontrollbildschirme der Schweizer Atomkraftwerke spätestens bis 2029 nicht mehr gebraucht werden.

(Keystone)

Die Abstimmung über die Atomausstiegs-Initiative bleibt spannend: Auch knapp zwei Wochen vor dem Abstimmungssonntag ist es nicht möglich, den Ausgang des Urnengangs vorherzusagen. Befürworter und Gegner eines raschen Atomausstiegs liegen gleichauf. Experten halten ein Nein aber für wahrscheinlicher.

48 Prozent der befragten Personen möchten die Initiative "Für den geordneten Ausstieg aus der Atomenergie" annehmen. Das zeigt die zweite Umfrage des Instituts gfs.bern im Auftrag der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR), zu der auch swissinfo.ch gehört. Das Lager der Gegner liegt mit 46 Prozent praktisch gleichauf. 6 Prozent der Befragten haben sich noch nicht entschieden, ob sie am 27. November ein Ja oder ein Nein in die Urne legen werden.

Auch wenn das Ja- und das Nein-Lager im Moment praktisch gleich gross sind, zeigt die allgemeine Tendenz doch, dass eher die Gegner den Wind im Rücken haben. Seit der letzten Umfrage Ende Oktober haben diese denn auch um 10 Prozentpunkte zugelegt, während die Befürworter der Initiative deren 9 verloren.

 (swissinfo.ch)
(swissinfo.ch)

Das sei eine durchaus normale Entwicklung, betonen die Verfasser der Umfrage: Praktisch alle Volksbegehren würden im Lauf der Kampagne an Boden verlieren. Am Abstimmungstag stünden in der Regel die Gegner der Initiative als Sieger da.

Ablehnung aus Prinzip

Das Volksbegehren der Grünen Partei verlangt, dass die Schweizer Atomkraftwerke 45 Jahre nach der Betriebsaufnahme abgeschaltet werden müssen. Für die Schweiz bedeutet das konkret, dass der letzte der insgesamt fünf Atomreaktoren im Land 2029 stillgelegt würde. Die Regierung ihrerseits hatte vorgeschlagen, frühestens 2050 aus der Atomenergie auszusteigen. Dem stimmte das Parlament zu.

Die Umfrage

Die Umfrage wurde durchgeführt vom Institut gfs.bern im Auftrag der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR), zu der auch swissinfo.ch gehört.

Zwischen dem 2. und 9. November wurden 1400 Personen (repräsentatives Panel) per Telefon befragt. Der Stichprobenfehler beträgt +/- 2,7 Prozentpunkte.

Aus datenschutzrechtlichen Gründen haben die Befrager keinen Zugang zu den Koordinaten der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer.

Besonders stark ist der Widerstand gegen einen raschen Atomausstieg im politisch rechten Lager, in der Deutschschweiz, in den ländlichen Regionen und in der Bevölkerungsschicht ohne Hochschulabschluss. Die breite Unterstützung der Initiative im urbanen, lateinischen, gut gebildeten und eher linken Milieu der Schweiz könnte sich als unzureichend erweisen. Claude Longchamp vom Institut gfs.bern ermuntert die Journalisten denn auch, das Büro zu verlassen, um den Puls, der in der Schweiz wirklich schlägt, besser zu fühlen.

Das gewichtigste Argument der Gegner ist, ein zu früher Ausstieg aus der Atomenergie werde dazu führen, dass die Schweiz mehr ausländischen Strom kaufen muss. Dessen Herkunft sei aber nicht unbedingt "sauberer". Argumente sind bei diesem emotionalen Thema aber manchmal gar nicht mehr nötig: "Viele lehnen die Initiative einfach aus Prinzip ab, weil sie aus dem Lager der Umweltschützer kommt", stellt Longchamp fest.

Zurückhaltung ist angebracht

Obwohl eher mit einem Nein zur Initiative zu rechnen ist, will das Institut gfs.bern noch keine endgültige Prognose machen. Longchamp sagt, "zwei Dinge sind eher ungewöhnlich": So unterstütze einerseits eine Mehrheit der Sympathisanten der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) die linke Initiative weiter, obwohl sich die Parteispitze dagegen aussprach.

Andererseits sei die Unterstützung der Initiative bei den sprachlichen Minderheiten weiter sehr gross. "Angesichts dieser beiden Faktoren ist es besser, mit Blick auf das Endresultat vorsichtig zu bleiben", so der Politologe. Dennoch: Es sei wohl am wahrscheinlichsten, dass das Nein-Lager weiter zulegen werde, um das Rennen am Wahltag schliesslich zu gewinnen.

Der Verlag Tamedia veröffentlichte am Mittwoch ebenfalls eine Umfrage zum Ausgang des Urnengangs. Das Medienhaus sagt einen viel grösseren Vorsprung der Befürworter der Initiative voraus. Unter den 15'000 Befragten hätten sich 57 Prozent für einen raschen Atomausstieg ausgesprochen. Nur 42 Prozent seien dagegen. Von den Medien dazu befragt sagte Longchamp vom Institut gfs.bern, es sei nicht seine Aufgabe, eine konkurrierende Umfrage zu kommentieren.

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(Übertragen aus dem Französischen: Kathrin Ammann)

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