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Schulbildung Schweizerschulen im Ausland im harten Wind der Konkurrenz

Children line up at the Swiss school in Mexico ahead of a ministerial visit in 2018

Achtung, der Bundesrat kommt! Schülerinnen und Schüler der Schweizer Schule in Mexico 2018.

(educationsuisse)

Schulbildung ist ein international hartumkämpfter Markt. Hat die Schweiz eine Chance, mit ihren Auslandschulen hier vorn mitzumischen? Ja, ist Barbara Sulzer Smith, Direktorin von educationsuisse, den Schweizerschulen im Ausland, überzeugt. Ein Problem sei aber die Suche nach guten Lehrkräften.

Offiziell gibt es 18 Schweizerschulen im Ausland mit insgesamt rund 7500 Schülerinnen und Schülern. Das Zielpublikum sind Kinder der einheimischen Bewohner und sowie von Expats. Dabei machen Kinder mit Schweizer Pass nur rund 20% aus.

Damit ist das schulische Auslandnetz der Schweiz überschaubar: Das benachbarte Deutschland betreibt 140 Schulen im Ausland, Frankreich gar deren 522. Zudem gibt es an den Standorten harte Konkurrenz: In Peking, dem Standort der jüngsten Schweizer Schule, können Eltern aus einem Angebot von rund 50 internationalen Schulen wählen.

+ Schweizerschulen im Ausland gehen in die Offensive

Schweizerschulen im Ausland hätten heute vor allem Botschafter-Funktion, um die Kultur und die Bildung der Schweiz bekannt zu machen, sagt Barbara Sulzer Smith im Gespräch am Hauptsitz von educationsuisse externer Linkin Bern.

swissinfo.ch: Wie sind die Schweizer Schulen in diesem kompetitiven Markt positioniert?

Barbara Sulzer Smith: Wir sind gut positioniert, aber der Wettbewerb hat massiv zugenommen und es kommen immer mehr neue Akteure auf den Markt. Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Privatschulen und anderen grossen Bildungskonzernen, die auch finanziell sehr stark sind.

(Kai Reusser / swissinfo.ch)

Schweizer Schulen sind laut Gesetzexterner Link Non-Profit-Organisationen. Rund ein Drittel bis ein Viertel der Budgets stammen aus Subventionen. Das Gesetz besagt auch, dass die Mehrzahl der Lehrerinnen und Lehrer Schweizerinnen und Schweizer sein müssen. Denn Schweizer Lehrerinnen und Lehrer sind für die Qualität des Schweizer Unterrichts verantwortlich. Wir kommen aus einem Hochlohnland – ein grosser Teil der laufenden Kosten der Schweizer Schulen sind die Lehrergehälter.

swissinfo.ch: Wie tragfähig wird dieses gemeinnützige Geschäftsmodell in Zukunft sein?

B.S.S.: Die Struktur der Schulen wird auch in Zukunft gleichbleiben: Das Bildungswesen ist in der Schweiz föderalistisch aufgebaut. Jede Schule wird also weiterhin unabhängig sein und durch staatliche Subventionen unterstützt, während die pädagogische Unterstützung durch jenen Kanton geschieht, der das Patronat externer Linküber die Schule innehat. 

Wir wollen aber die Effizienz und Effektivität des Netzwerkes steigern. So entwickeln wir zum Beispiel ein gemeinsames Ausbildungskonzept für Lehrpersonal, Schulleiter und Schulleitungen.

Musikunterricht in der jungen Schweizer Schule in Peking.

(educationsuisse)

swissinfo.ch: Ist es schwierig, genügend Schweizer Lehrer für die Schulen zu finden?

B.S.S.: Es gibt nicht genügend Lehrer in der Schweiz. Deshalb ist der Markt sehr eng und es ist schwierig, Lehrerinnen und Lehrer zu finden, die im Ausland unterrichten wollen. Sehr oft sind die Gehälter dort auch niedriger als in der Schweiz. Andere ausländische Schulen, so jene Deutschlands und Frankreichs, werden stark subventioniert und es sind die Regierungen, die das Lehrpersonal in die Länder schicken.

Wir kennen kein solches System. Alle unsere Lehrer sind entweder bei uns oder bei den Schulen vor Ort angestellt, und das kann viele Probleme verursachen. Zum Beispiel mit den Sozialversicherungen und den Steuern. 

Wir versuchen nun, ein System zu entwickeln, bei dem eine öffentlich-rechtliche Institution auch Lehrerinnen und Lehrer als Angestellte des öffentlichen Sektors an Schweizer Schulen im Ausland entsenden kann. Mit diesem neuen System werden die Anstellungsbedingungen attraktiver.

swissinfo.ch: Was passiert mit Schulen, die das Label "Swiss" verwenden, aber nicht offizielle Schweizerschulen sind, wie jene in Dubai?

B.S.S.: Das ist ein grosses Thema. Aber in Ländern, in denen wir keine offiziellen Schweizerschulen haben, sehe ich es nicht als grosses Problem. Denn wir haben nicht die Ressourcen, um Schweizerschulen auf der ganzen Welt zu führen. Wir überlegen uns, wie wir diese Schulen in unser Netzwerk integrieren können. Eine mögliche Lösung sind Partnerschaften. Dazu müssen sie aber bestimmte "Swissness"-Kriterien erfüllen.

Es ist aber sehr wichtig, dass eine Schule, die den Namen "Swiss" führt, dann auch tatsächlich "Swissness" bietet. Im Fall der Swiss International Scientific School in Dubai sind sowohl der Besitzer der Schule als auch der vorherige Direktor Schweizer Bürger. Der Lehrplan basiert auf dem schweizerischen Lehrplan, also ist das Swissness-Kriterium erfüllt.

Aber es gibt auch Schulen, wo es diese Swissness nicht gibt. Sie benutzen den Namen nur, weil er gut klingt. Das ist ein grosses Problem, denn es ist schwierig, rechtlich gegen sie vorzugehen. Manchmal mischt sich die Schweizer Botschaft ein und knöpft sich die Schule vor.

Gründung einer Schweizer Schule im Ausland

Die Initiative zur Gründung einer Schweizerschule muss im Ausland von einer Gruppe von Schweizer Eltern ausgehen. In anderen Ländern kommt der Anstoss von der Regierung. Eine solche Eltern-Initiative sei ein langer Prozess und koste viel Geld, sagt Barbara Sulzer Smith. 

Die Schule in Peking ist insofern speziell, weil deren Gründung auf die Initiative einer Schweizerin mit Hintergrund im Bildungsbereich zurückgeht. Generell blieben Expats heute weniger lange an einem Ort   Deshalb sei ihre Motivation im Vergleich zu früher geringer, eine Schule für ihre Kinder zu gründen.

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swissinfo.ch: Die Kinder und Jugendlichen müssen in Ihren Schulen auch eine Schweizer Sprache lernen. Aber sind die Leute nicht hauptsächlich an Englisch interessiert?

B.S.S.: Das ist eine grosse Frage und oft wünschen die Eltern mehr Englischunterricht. Alle Schweizerschulen im Ausland bieten eine lokale Sprache und zusätzlich eine Schweizer Landessprache im Lehrplan an. Englisch kommt normalerweise als dritte Sprache hinzu: Die Schüler erreichen schnell ein hohes Niveau.

Wenn man aufs Gymnasium will (Schweizer Maturitätsschule), braucht man Französisch oder Deutsch als zweite Schweizer Landessprache. Das ist normalerweise unsere vierte Sprache. Dann gibt es Schulen wie jene in Barcelona, an der man Katalanisch lernen muss.

Andere Schulen bieten zusätzliche Sprachen an, wie die in Mexiko City, wo auch Chinesisch unterrichtet wird. Wir haben also bis zu fünf Sprachen im Angebot. Mehrsprachigkeit ist ein USP, ein Alleinstellungsmerkmal der Schweizerschulen im Ausland.

swissinfo.ch: Kommt genügend Unterstützung aus dem Inland für Schweizerschulen im Ausland?

B.S.S.: Eine Schweizerschule im Ausland ist oft ein wichtiger Bezugspunkt. Deshalb besuchen Mitglieder der Schweizer Regierung und andere Politikerinnen und Politiker auf Auslandreisen oft eine Schweizerschule.

+ Wie Dubai zu einer Schweizerschule kam

Wir hatten dieses Jahr mehrere Jubiläen: 70 Jahre Schweizerschule in Bogota, 100 Jahre der Schulen in Mailand und Barcelona. Damit sind wir zwar gut aufgestellt, aber wir können nicht einfach stehen bleiben und von unserem guten Schweizer Ruf leben.

Vor 20 oder 30 Jahren reichte es vielleicht noch, eine Schweizschule zu sein, um Schüler anzuziehen. Das ist heute nicht mehr so. Trotzdem: Im Schweizer Bildungswesen ist viel los, man denke etwa an die Digitalisierung oder die neuen Lehrpläne (Lehrplan 21). 

Wir bringen diese neuen Trends auch in unsere Schulen im Ausland. So können wir eine moderne Schweizer Ausbildung anbieten, mit der wir der Konkurrenz stets einen Schritt voraus sind. Davon bin ich überzeugt.

Schweizerschulen im Ausland

Das Profil der Schulen gründet einerseits auf den Schweizer Lehrplänen, andererseits auf der Mehrsprachigkeit des Landes, so Barbara Sulzer Smith. Ihr Angebot zeichnet sich durch eine breite Gesamtbildung aus. Diese umfasst sowohl die akademischen Fächer als auch soziale Kompetenzen wie selbstständiges Lernen und die Selbstorganisation. Wichtig sind auch Musik, Werken und Sport.

Die meisten Schulen decken die Bereiche von Vorkindergarten bis zur Schweizerischen Matura oder dem International Baccalaureate ab. Die Matura wird mit 18 oder 19 Jahren abgelegt und berechtigt zum Studium an einer Hochschule. 

In der Schule in Peking – ihr Status ist noch provisorisch, wird aber voraussichtlich als offizielle Schweizer Schule bestätigt – gibt es nur den Kindergarten und die dritte Klasse der Primarstufe. Einheimische dürfen die Schule in Peking aufgrund lokaler Bestimmungen nicht besuchen. 

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(Übertragung aus dem Englischen: Renat Kuenzi)

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