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Transparency International erhöht Druck auf Fifa

Die Fifa soll nicht mehr länger ausserhalb des Schweiz stehen (Hauptsitz in Zürich).

(Reuters)

Der Weltfussballverband soll die Korruptionsvorwürfe durch einer unabhängige Kommission untersuchen lassen, fordert Transparency International. Diese und weitere Reformen sollen im grössten und reichsten Sportverband der Welt Transparenz schaffen.

Die Anti-Korruptions-Organisation hat Anfang Woche seine detaillierten Reformempfehlungen in einem achtseitigen Dokument aufgelistet. Dazu gehören unter anderen eine Begrenzung der Amtszeit für Führungspositionen und die Offenlegung der Einkünfte des Führungspersonals.

Fifa-Präsident Joseph Blatter "begrüsste" den Vorstoss und erklärte, die besten Vorschläge von Transparency International seien bereits teilweise umgesetzt oder würden "in den kommenden Monaten" weiter geprüft.

Im Gespräch mit swissinfo.ch äussert sich Sylvia Schenk, Sport-Expertin von Transparency International und Autorin des Reformpapiers, skeptisch.

swissinfo.ch: Glauben Sie an den Willen der Fifa und Sepp Blatter zu einem Wechsel? 

Sylvia Schenk: Herr Blatter weiss, dass er etwas tun muss. Wir werden aber sehen, wie weit die Fifa gehen wird. Es ist sehr wichtig, dass wir die Vorschläge öffentlich auf den Tisch legen. So lässt sich für alle überprüfen, welche umgesetzt werden.

So wird es für die Fifa sehr schwierig werden zu sagen, 'wir setzen Punkt 1 bis 3 um, nicht aber 4 bis 10'. Ich habe den Eindruck, dass Akzeptanz besteht für eine unabhängige Kommission, aber wir werden in ein paar Monaten mehr wissen.

Es ist aber schwierig, von der Fifa als einer Einheit zu sprechen, besteht sie doch aus mehreren Gruppen. Ich denke, dass auf Mitarbeiterstufe eine grosse Bereitschaft für Reformen herrscht. Auch in Sachen Rechnungsführung und Berichterstattung wurde dort viel gemacht.

Das Hauptproblem liegt auf Stufe der Entscheidungsträger, also bei den höchsten Fifa-Funktionären.

swissinfo.ch: Die signalisierte Offenheit für die von Ihnen ausgearbeiteten Vorschläge muss aber nicht bedeuten, dass diese tatsächlich auch umgesetzt werden.

S.S.: Diesen Eindruck habe ich nicht. Es ist ein Versuch zu zeigen, dass sie unseren Bericht verstanden haben und daran arbeiten, unsere Vorschläge umzusetzen.

So weiss ich aus unseren Gesprächen, dass sie sich mit unseren Vorschlägen betreffend Ethikkommission befassen. Wir müssen aber noch warten, denn der Beschluss muss erst noch vom Exektivkomitee abgesegnet werden.

swissinfo.ch: Sie verlangen unabhängige Untersuchen von Korruptionsvorwürfen, die auch die Vergangenheit betreffen. Welche genau? 

S.S.: Viele Vorwürfe tauchen wieder und wieder auf. Aktuell geht es um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022. Die Ethik-Kommission befasst sich auch mit den Wahlen am Fifa-Kongress vom 1. Juni.

Es geht aber auch um die Verbindungen des Brasilianers Ricardo Teixeira, Mitglied des Fifa-Exekutivrates und Präsident des brasilianischen Fussballverbandes, zum Organisationskomitee der WM 2014 in Brasilien sowie zu Unternehmen, die in die Vorbereitungsarbeiten involviert sind.

Dann gibt’s den Fall ISMM-ISL (Fifa-Marketingpartner mit Sitz in Zug, der 2001 Konkurs ging, die Red.). Wir haben der Fifa geraten, dass sie den Fall zu einem solchen von öffentlichem Interesse erklärt, damit die Schweizer Gerichte die Informationen freigeben können.

swissinfo.ch: Sie sandten das Dokument auch an nationale Verbände. Glauben Sie tatsächlich, dass diese Druck auf die Fifa-Spitze ausüben können? 

S.S.: Am Kongress vom Juni waren die meisten nationalen Verbände gegen eine wirksame Kontrolle des Exekutivkomitees. Eine solche wäre aber möglich, falls der Wille da ist.

Unser Bericht ging nicht an alle 208 Mitgliederverbände. Wir haben unsere rund 100 Länderbüros von Transparency International gefragt, ob sie den jeweiligen Fussball-Landesverband anschreiben könnten mit der Bitte, die Reformvorschläge breit zu diskutieren und entsprechenden Druck auf die Fifa zu machen. 

Entscheidend ist, dass der Druck auf die Fifa von aussen, von der Zivilgesellschaft, verteten durch ehemalige Politiker, Sponsoren und Medien kommen muss. Aber auch von innen. Es gibt Fussballverbände, die gegen Blatter gestimmt haben und die einen Wechsel anstreben.

Und es die Kritik grosser Klubs, wie die jüngsten Äusserungen von Karl-Heinz Rummenigge zeigen, dem Präsidenten der European Club Association (die ECA nimmt die Interessen der europäischen Fussballklubs wahr, die Red.). 

swissinfo.ch: Das Bundesamt für Sport prüft eine Gesetzesänderung, dass auch internationale Sportverbände unter die Schweizer Antikorruptionsgesetzgebung fallen würden. Können die Schweizer Behörden die Fifa beeinflussen? 

S.S.: Bestimmt. Was in der Schweiz auch immer passieren wird, es bedeutet nicht nur direkten Druck auf die Fifa, sondern eine indirekte Verdoppelung oder Verdreifachung dieses Druckes durch andere Sportverbände mit Sitz in der Schweiz.

Denn diese sind von den Diskussionen direkt betroffen, welche die Fifa mit ihrer Krise in der Schweiz ausgelöst hat. Ich habe den Eindruck, dass einige nicht auf ihre Privilegien verzichten möchten.

Die Fifa steht unter Gruppendruck. Deshalb ist es so wichtig, dass die Diskussion in der Schweiz weiter geht. Das Gesetz muss dahingehend geändert werden, dass Sportverbände wie die Fifa gegenüber der Öffentlichkeit mehr Rechenschaft ablegen müssen.

Dies wird nicht alle Fälle verhindern. Ich zweifle, dass Schmiergeldzahlungen vor Wahlen unter das Gesetz gegen Privatbestechung fallen würde. Aber der Einschluss der Sportverbände in die Anti-Korruptionsgesetze würden ein starkes Signal aussenden, dass der Sport nicht ausserhalb des Gesetzes steht, wie es gegenwärtig der Fall ist.

Fifa-Skandale

Vor der Präsidentenwahl von Anfang Juni hatten sich Amtsinhaber Sepp Blatter und Herausforderer Mohamed Bim Hammam gegenseitig mit Vorwürfen eingedeckt, Stimmen gekauft zu haben.

Im Juli wurde der Katarer von der Ethik-Kommission der Fifa lebenslänglich gesperrt. Bim Hammam will den Entscheid anfechten. Blatter wurde freigesprochen.

Nach der Vergabe der WM-Endrunden an Russland (2018) und Qatar (2022) beschuldigten britische Medien Ende letzten Jahres mehrere Mitglieder des leitenden Fifa-Exekutivkomitees der Bestechlichkeit.

Schon vor der Vergabe der WM-Orte waren zwei Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees aufgeflogen: Gegenüber verdeckt arbeitenden britischen Journalisten hatten Amos Adamu aus Nigeria und Reynald Temarii (Tahiti) signalisiert, dass sie ihre Stimmen bei der Vergabe der WM-Austragungsorte 2018/2022 verkaufen würden. Die Gespräche waren gefilmt worden.

Die Fifa liess die Sachverhalte von ihrer internen Ethik-Kommission untersuchen und suspendierte die Beiden in ihrer Funktion.

Im Prozess gegen die 2001 Konkurs gegangene Vermarktungs-Agentur ISL war publik geworden, dass die ehemalige Zuger Firma knapp 140 Mio. Franken Bestechungsgelder u.a. an Fifa-Funktionäre überwiesen hatte.

Der Prozess wurde im Juni 2010 eingestellt, nachdem zwei angeschuldigte Fifa-Amtsträger je 5,5 Mio. Franken "Wiedergutmachung" bezahlt hatten.

1998 war schon Blatters Wahl an die Fifa-Spitze von Anschuldigungen des Stimmenkaufs begleitet gewesen. Dasselbe wiederholte sich 2002 bei seiner ersten Wiederwahl.

Bereits sein Vorgänger, der Brasilianer João Havelange, war in Zusammengang mit Korruption gebracht worden.

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(Übertragung aus dem Englischen: Renat Kuenzi), swissinfo.ch

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