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Uhrenexporte Schweizer Luxusuhren sind attraktiv wie eh und je

Im Unterschied zu den Luxusmodellen waren die Exporte der Uhren des unteren Preissegments - hier eine Auswahl der bekannten Swatch - im letzten Jahr rückläufig.

(© Keystone / Peter Klaunzer)

Die Schweizer Uhrmacher exportierten im vergangenen Jahr Uhren im Wert von mehr als 21 Milliarden Franken und erzielten damit das drittbeste Jahresergebnis ihrer Geschichte. Die günstige Wirtschaftslage kam auch den fast 60'000 Beschäftigten der Branche zugute.

Die Uhrenindustrie ist – hinter der Pharma- und Werkzeugmaschinen-Industrie – die drittgrösste Exportindustrie der Schweiz. Sie exportiert fast 95% ihrer Produktion, hauptsächlich in asiatische Märkte.

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Die gute Nachricht vorweg: Die Schweizer Uhrenindustrie beendet das Jahr 2019 mit einem positiven Ergebnis. Dies, obwohl die Nettoverkäufe in Hongkong, der führenden Destination für Zeitmesser mit dem Label "Swiss Made", rückläufig waren.

Der Wert der Exporte ist im dritten Jahr in Folge gestiegen: Er erreichte 21,7 Milliarden Franken und näherte sich dem Rekordniveau von 2014, einem Jahr der absoluten Referenz für die Branche seit seiner Neuausrichtung auf den Luxussektor Anfang der 2000er-Jahre.

Säulendiagramm der Uhrenexporte 2000 bis 2019

Hier sind die endgültigen Zahlen des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH)externer Link für die wichtigsten Exportmärkte, die heute Dienstag vorgelegt wurden: Hongkong (-11,4%, insgesamt 2,7 Milliarden Franken), USA (+8,6%, 2,4 Milliarden), China (+16%, 2 Milliarden), Japan (+19,9%, 1,6 Milliarden) und Grossbritannien (+10,8%, 1,3 Milliarden). 

Sinkende Volumen

Die beunruhigende Nachricht ist, dass die Schweizer Uhrmacher im vergangenen Jahr etwas mehr als 20 Millionen Uhren über die Landesgrenzen verschickten, 3 Millionen weniger als im Jahr 2018. "Dieses historisch niedrige Niveau, sogar niedriger als jenes im Krisenjahr 2009, ist vergleichbar mit dem Exportvolumen während des Tiefpunktes der 1980er-Jahre", ist die FH besorgt.

Die Zunahme der Exporte betrifft fast ausschliesslich Uhren, die mehr als 3000 Franken kosten. Die unteren Preissegmente verzeichneten 2019 alle einen Rückgang. Dies ist auf die Konkurrenz durch Smartwatches, insbesondere Apple Watch, zurückzuführen, aber auch auf die Einführung strengerer Vorschriften zur Erlangung des "Swiss Made"-Labels.

In der Branche gibt es zwei entgegengesetzte Strömungen. Die eine basiert auf der Annahme, dass das Heil der Schweizer Uhrenindustrie im Hoch- oder Höchstpreis-Segment liege, also im Geschäft mit Uhren im Wert von mehreren Tausend oder gar mehreren Zehntausend Franken. Diese Zeitmesser ziehen eine wohlhabende Kundschaft auf der ganzen Welt und insbesondere in den Schwellenländern an.

Die andere geht von der Annahme aus, dass der ständige Volumenrückgang die industrielle Basis in der Schweiz untergrabe und dem gesamten Sektor schaden könnte.

1300 zusätzliche Arbeitsplätze

Die insgesamt hohen Exporte wirkten sich aber auch positiv auf die Beschäftigung in der Schweiz aus. Innerhalb eines Jahres hat die Uhrenindustrie fast 1300 neue Arbeitsplätze geschaffen, was einem Anstieg von 2% gegenüber 2018 entspricht.

Der Arbeitgeberverband der Uhrenindustrieexterner Link (CPIH) zählt heute mehr als 59'000 Personen, die in der Herstellung von "Swiss Made"-Uhren arbeiten. Ein Niveau, das praktisch identisch ist mit jenem von 2014, ein Referenzjahr in Bezug auf die Beschäftigung. 

"Nach einer erheblichen Erhöhung der Zahl der in der Produktion tätigen Mitarbeitenden im Jahr 2018 sind fast alle neuen Anstellungen im Jahr 2019 im Verwaltungsbereich zu verzeichnen. Dies ist eine klassische Situation in guten Zeiten", sagt Ludovic Voillat, Sprecher der CPIH.

"Fast alle neuen Anstellungen im Jahr 2019 sind im Verwaltungsbereich zu verzeichnen. Dies ist eine klassische Situation in guten Zeiten."

Ludovic Voillat, Arbeitgeberverband der Uhrenindustrie

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Stagnation in Sicht

Die Befürchtung, dass in der Uhrenbranche immer mehr Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich – also Verkauf, Marketing, Kommunikation – geschaffen würden, und zwar zu Lasten der Produktion, lässt sich nicht bestätigen. "In den letzten zehn Jahren ist das Verhältnis von 70% der Arbeitsplätze in der Produktion gegenüber 30% im Verwaltungssektor relativ stabil geblieben", sagt Voillat.

Trotz zunehmender Automatisierung bleibt manuelles Know-how unverzichtbar, insbesondere für Uhrenfirmen, die im oberen oder obersten Preissegment tätig sind. "Trotz Tests mit Robotern, werden Montagearbeiten immer noch hauptsächlich von Hand ausgeführt", sagt Voillat.

Für das laufende Jahr prognostiziert der CPIH aufgrund der instabilen wirtschaftlichen und politischen Lage in den Exportmärkten eine Stagnation der Beschäftigtenzahl. Aber rückläufige Volumen könnten sich mittelfristig auch negativ auf die Beschäftigung auswirken.

"Die Marken und Lieferanten von Uhren aus dem unteren Preissegment tun vorerst alles, um ihre Beschäftigten und ihr Know-how im eigenen Betrieb zu erhalten. Aber wenn dieser Trend anhält, sind Entlassungen voraussehbar."


(Übertragung aus dem Französischen: Peter Siegenthaler)

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