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Wahlabstinenz


"Um die Jungen abzuholen, braucht es die gleiche Sprache"




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Die jungen Schweizer nehmen weniger an den Eidgenössischen Wahlen teil als die Älteren. Mehrere Initiativen haben zum Ziel, das zu ändern, unter ihnen die Plattform "easyvote". Diese setzt auf politisch engagierte Junge, die ihre wenig interessierten Kollegen zu motivieren versuchen. Überraschung: Social Media gehört nicht zu ihren Prioritäten.

Es ist nicht immer leicht, die junge Generation von der Politik zu begeistern. (Keystone)

Es ist nicht immer leicht, die junge Generation von der Politik zu begeistern.

(Keystone)

"Ich möchte die Jungen von der Politik überzeugen und erkläre ihnen, dass es nicht so kompliziert ist, wie es scheint. Aber man muss sich ein wenig dafür interessieren", sagt die 17-jährige Delphine Grangier. Sie engagiert sich seit einigen Jahren im Jugendparlament der Stadt Lausanne. "Ich interessiere mich schon lange für Politik, denn so kann man seine Meinung zur Zukunft des Landes kundtun", sagt sie.

Grangier möchte ihre Begeisterung auch anderen Jugendlichen weitergeben. Deshalb macht sie bei easyvote als Wahlassistentin mit. Das Projekt der schweizerischen Jugendparlamente hat zum Ziel, bei den Wahlen vom 18. Oktober mehr Junge an die Urne zu bringen.

Ziel: 5 bis 10 Personen

Easyvote ist aus der Sorge um die hohe Wahlabstinenz der jungen Generation entstanden. Laut einer Studie hatten 2011 lediglich 32% der 18- bis 24-Jährigen an den Eidgenössischen Wahlen  teilgenommen. 2007 waren es 35% gewesen. Bei den 55-64-Jährigen betrug die Wahlbeteiligung vor vier Jahren 60%.

"Es ist eine Aktion von Jungen für Junge", sagt Barry Lopez, der Projektverantwortliche für die Westschweiz. Das Projekt stützt sich auf die 17% der engagierten Jungen, die regelmässig stimmen und wählen gehen. Sie sollen die jungen Gelegenheitswähler überzeugen. Das langfristige Ziel ist eine Stimmbeteiligung von 40% bei den jungen Wählern.

Die Politbox findet ihr Publikum

Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR, zu der auch swissinfo.ch gehört, hat ebenfalls eine Plattform lanciert, um die Jungen für die Wahlen zu interessieren.

Politbox ist eine Applikation für Smartphones. In einem Quiz in den vier Nationalsprachen plus Englisch geht es um Fragen zur Schweiz und ihren Bewohnern. Ein Bus tourt seit Wochen durch die Schweiz mit dem Ziel, mit der Aktion ein möglichst breites Publikum zu erreichen.

Konrad Weber, Chefredaktor der Politbox, zieht eine positive Zwischenbilanz. "Es ist uns gelungen, die Jungen, denen wir auf unserer Tour begegnen, zu interessieren. Sie schätzen es, dass wir uns für sie interessieren, stellen Fragen und sagen ihre Meinung."

Jede Wahlassistentin und jeder Wahlassistent hat die Aufgabe, zwischen fünf und zehn andere Jugendliche zu überzeugen, dass sie wählen gehen. "Jeder kann seine eigene Strategie zur Erreichung des Ziels entwickeln. Wir stellen ihnen die Mittel zur Verfügung. Wir haben Videos produziert, die sie an ihre Freunde versenden können. Eine Internet-Plattform erlaubt es ihnen auch, ihre Erfahrungen und ihre Standpunkte auszutauschen", sagt Lopez.

Diskussion statt Facebook und Twitter

Trotz der zunehmenden Bedeutung der sozialen Medien scheinen die Assistenten den persönlichen Kontakt zu bevorzugen. "Ich spreche vor allem mit meinen Mitschülern", sagt Delphine Grangier. Sie veröffentlicht ihre Informationen zu den Wahlen auf Facebook, aber das ist nicht ihr wichtigstes Kommunikationsmittel. "Es gibt sehr viele Informationen in den sozialen Netzwerken. Man schaut sie an, ohne sich wirklich dafür zu interessieren. Das ist eine gute Lösung, um eine Party anzukünden, aber nicht, um ein Thema anzusprechen, das Mühe hat, Interesse zu wecken", sagt sie.

Auch der 22-jährige Johan Cattin, Student an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne, setzt auf direkte Kontakte und Diskussionen. Als Optimist versucht er auch jene Jungen zu überzeugen, die gar nie an die Urne gehen. "Die Jungen müssen sich bewusst werden, dass die Politik auch ihr Alltagsleben beeinflusst, und das unabhängig von ihrem Beruf und ihrer Ausbildung."

Auch die Animatoren von easyvote teilen diese Haltung. Sie sind überzeugt, dass die sozialen Medien nicht entscheidend sind, wenn es darum geht, die Jungen von der aktiven Ausübung der Bürgerrechte zu überzeugen. "Eine Kampagnen-Analyse, die wir zusammen mit dem Institut gfs.bern durchgeführt haben, zeigte, dass direkte Kontakte, Broschüren und Diskussionen mehr Wirkung erzielen", sagt Barry Lopez.

Muss die Sprache "jung" sein?

"Die Sprache der Politik ist eher kompliziert und erzeugt den Eindruck, sie drehe sich im Kreis. Um jemanden zu überzeugen, muss man dieselbe Sprache sprechen wie er", sagt Cattin. Auch Grangier teilt diese Überzeugung. "Ich habe den Eindruck, dass die Debatten im TV sehr oft komplex sind."

Die Nichtwähler kritisieren in der Tat oft, die zur Abstimmung gelangenden Vorlagen seien zu kompliziert. Die von easyvote durchgeführte Studie bestätigt diese Kritik. Um dem entgegenzutreten, setzt easyvote für die Broschüren und die Diskussionen in den Schulen auf eine vereinfachte, populäre Darstellung der Sachverhalte. "Wir machen alles, damit die Jungen nicht sagen können, sie verständen nichts", sagt Lopez. Er ist zudem der Meinung, die Politiker sollten für die Neulinge eine verständlichere Sprache sprechen.

Politische Bildung überdenken

Aber auch die Jungen müssten Anstrengungen unternehmen, sagen die Wahlassistenten. "Wenn mehr Junge ihr Interesse an der Politik haben, werden sich die Politiker vielleicht anpassen", hofft Delphine Grangier. Auch der Politologe Pascal Sciarini vertritt eine ähnliche Haltung: "Die Politik ist, was sie ist. Sie wird sich nicht ändern, aber wenn sich mehr Junge engagieren, muss sie sich ihnen anpassen."

Der Experte schlägt vor, die politische Bildung in der Schweiz zu überdenken. Zurzeit ist das System von Kanton zu Kanton und sogar von Schule zu Schule oder von Lehrer zu Lehrer verschieden. "Wenn Sie den Schülern das Funktionieren der Institutionen erklären wollen, wird es Ihnen nicht gelingen, sie zu packen. Wenn Sie hingegen von der Abstimmung vom 9. Februar ausgehen und ihnen erklären, was auf dem Spiel steht, haben Sie grössere Chancen, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen."


(Übersetzt aus dem Französischen: Andreas Keiser)

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