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"Auslandschweizer sind die besseren Politiker"

Erich Grübel lebt seit elf Jahren in Lettland. Der Gründer des Schweizervereins Baltikum kandidiert für die Christlichdemokratische Volkspartei des Kantons Bern für den Nationalrat.

Im Parlament will sich der 66-Jährige besonders für die junge Generation einsetzen. Die "Rosinenpickerei" der Schweiz im Umgang mit der Europäischen Union ist ihm ein Dorn im Auge.

"Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer müssen immer wieder von vorne anfangen", sagt Erich Josef Grübel gegenüber swissinfo.

"Man hat gelernt, einzustecken und die Ellenbogen zu benutzen." Aus diesem Grund hat Grübel das Gefühl, Auslandschweizer seien "die besseren Politiker als Einheimische".

Zudem könnten Auslandschweizer dem Heimatland zeigen, wie gewisse Probleme andernorts angegangen würden.

Er habe ein breiteres Spektrum, als wenn er immer in der Schweiz geblieben wäre. "Ich glaube, ich kann etwas mitbringen, indem ich einen Vergleich zu dem Land ziehen kann, wo ich heute wohne."

Seit 1996 lebt er im lettischen Kekava, das rund 15 Kilometer südlich der Hauptstadt Riga liegt.

Einziger CVP-Kandidat

Grübel will daher für die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) auf der liberalsozialen Liste des Kantons Bern ins Parlament einziehen.

Er ist der einzige Auslandschweizer Kandidat der CVP und im Kanton Bern der einzige Kandidat der Auslandgemeinde überhaupt, der zur Wahl antritt.

Die Politik ist für ihn nichts Neues, er fühle sich wohl in diesem Gebiet. "Ich habe in der Verwaltung der Stadt Kloten gearbeitet. Mit der Politik habe ich immer direkt oder indirekt zu tun gehabt", erklärt Grübel.

Für Junge und Alte

Falls Grübel gewählt wird, möchte er sich besonders für die Anliegen der Jungen stark machen. "Ich finde es traurig, dass die Schweiz - ein so reiches Land - den Jungen nicht mehr Möglichkeiten für eine Ausbildung bietet."

Für Luxuslösungen werde in der Schweiz viel Geld zum Fenster hinaus geworfen. "Da muss doch für die Jungen auch etwas übrigbleiben."

Doch nicht nur für die Jungen will sich der Auslandschweizer einsetzen, auch die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) liegt ihm am Herzen. "Sie ist das Sparbuch der älteren Leute", betont Grübel.

"Was passieren kann, wenn die AHV nicht mehr funktioniert, sehe ich tagtäglich hier in Lettland. Die Pensionäre mit ihren etwa 80 Franken Rente wissen nicht mehr, wie es weitergehen soll."

Keine "Rosinenpickerei"

Eine klare Meinung hat Erich Grübel auch, was die Europäische Union (EU) betrifft. Die Schweiz müsse solidarisch sein mit ganz Europa, sagt er.

"Es ist höchste Zeit, diesem Verbund aktiv beizutreten und nicht nur als 'echt schweizerisch' die Rosinen aus dem Kuchen zu picken."

Für ihn ist klar, dass die Schweiz früher oder später der EU beitreten wird. "Nur die ewig gestrigen Schweizer wissen es noch nicht."

Gesunde Distanz

Was Grübel an der Schweiz aus seiner Sicht von Lettland aus schätzt, ist ihre Demokratie. "Hier im Ausland weiss ich, wie hoch deren Stellenwert ist", betont der Rentner.

Der Bezug zum Heimatland habe sich in den Jahren aber etwas relativiert. "Früher war ich ein 150-prozentiger Schweizer." Heute beobachte er die Schweiz "aus einer gewissen Distanz und mit einer gesunden Einstellung".

Regelmässiger Kontakt

Trotz der geografischen Distanz zur Schweiz ist Grübel immer informiert über die politischen Vorgänge im Land. Dank der modernen Kommunikationsmittel. Und er kommt dann und wann vorbei.

"Wann immer es geht, fahre ich mindestens einmal jährlich in die Schweiz", sagt er. "Ich habe eine Tochter und zwei Enkelkinder in Zürich."

swissinfo, Christian Raaflaub

Fakten

Kandidierende Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer für den Nationalrat:
Schweizerische Volkspartei (SVP): 33
Freisinnig-Demokratische Partei (FDP): 6
Christlichdemokratische Volkspartei (CVP): 1
Grüne Partei: 1

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Der Kandidat

Erich Josef Grübel wurde am 14. Mai 1941 in Betschwanden (Kanton Glarus) geboren.

Er absolvierte die Lehre bei der PTT und arbeitete später bei der Polizei.

Dann war er in verschiedenen Sparten der Sicherheit tätig, u.a. als Sicherheitsbeamter gegen Flugzeugentführungen bei der Swissair.

Schliesslich arbeitete Grübel während 22 Jahren vor der Pension in verschiedenen Funktionen auf einer Stadtverwaltung, so als Chef der Einwohner- und Fremdenkontrolle, Leiter Arbeitsamt und Stadtkassendienst und Sektionschef.

Während 8 Jahren war er Präsident des Welt-Minigolfverbandes mit 70'000 Mitgliedern.

Seit 1996 lebt Grübel in Lettland, wo er 2005 den Schweizerverein Baltikum gründete, dessen Präsident er gegenwärtig ist.

Er ist verheiratet und hat eine Tochter und zwei Enkelkinder in der Schweiz.

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