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"Die humanitäre Lage in Gaza ist unhaltbar"

Im Gazastreifen leiden die Kinder am meisten.

(Reuters)

Walter Fust, Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), ruft zu verstärktem internationalem Engagement für die Palästinenser auf.

Bei seinem mehrtägigen Aufenthalt in den Palästinensergebieten hat der DEZA-Chef an der feierlichen Eröffnung einer hebräisch-arabischen Schule in Jerusalem teilgenommen.

Der letzte Besuch von Walter Fust in den Palästinensergebieten liegt bereits sieben Jahre zurück. Seither habe sich die humanitäre Lage massiv verschlechtert, besonders im Gazastreifen, wie der DEZA-Chef im Interview sagt. Den Spitälern fehle es an Medikamenten und die Kinder würden an Unterernährung leiden.

swissinfo: Sie haben sich gerade vier Tage in den Palästinensergebieten aufgehalten. Wie hat sich Ihnen die Situation dort präsentiert?

Walter Fust: Man muss zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland unterscheiden. Im Gazastreifen gibt es unzählige Hindernisse bei der Fortbewegung. Das ist unhaltbar und schockierend.

Die Besatzungspolitik hat verhängnisvolle Auswirkungen. Eine substanzielle Erhöhung des internationalen humanitären Engagements scheint mir unabdingbar.

swissinfo: Werden Ihre Reise und die Eindrücke, die Sie gewonnen haben, einen Einfluss auf zukünftige Schweizer Hilfsprojekte haben?

W.F.: Man muss alles daran setzen, um mehr Geld für den Gazastreifen zu mobilisieren. Die Hilfsorganisation für die palästinensischen Flüchtlinge kann nicht einmal die Hälfte ihres Budgets decken. Wenn man keine zusätzlichen Mittel auftreibt, kann das dringend nötige Hilfsprogramm in den Schulen nie realisiert werden. Ich werde mich für weitere finanzielle Mittel einsetzen.

Unser Engagement für die jungen Leute im Gazastreifen und im Westjordanland werden wir sicher verstärken. 54% der Bevölkerung in den Gebieten sind jünger als 30 Jahre, und wir halten es für äusserst wichtig, dass diese Jungen eine Perspektive haben.

Dafür werden wir mit der Privatwirtschaft zusammen arbeiten. Wenn diese im Gazastreifen auch fast zusammengebrochen ist, existiert sie doch noch im Westjordanland. Hier werden noch gewisse private Investitionen getätigt, obwohl die Mobilität heute schlechter ist als noch vor einigen Jahren.

Ich glaube, dass man die Informationstechnologien als Zugang zum Wissen besser nutzen sollte, damit dieses besser verteilt wird.

swissinfo: Auf Ihrer Reise haben Sie an der feierlichen Eröffnung eines neuen Gebäudes für eine hebräisch-arabische Schule teilgenommen. Was ist das Ziel dieser Schule?

W.F.: Die Schule Max Rayne nimmt arabische und israelische Kinder auf und bietet eine Ausbildung in beiden Sprachen an. Dieses Schulmodell scheint mir eine grosse Chance, um die Kompetenz und das interkulturelle Verständnis zu fördern.

swissinfo: Warum unterstützt die Schweiz ein solches Projekt?

W.F.: Ich teile den Ansatz des Schweizer Philosophen Walter Robert Corti, Gründer des Pestalozzi-Dorfes, der sagte: "Wenn die Menschen Krieg führen können, muss es auch Mittel geben, Samen des Friedens zu säen."

Man muss enorm viel in die Ausbildung zum Frieden investieren. Die Schulen in der Art von Max Rayne können als Vorbild in der ganzen Region wirken.

swissinfo: Im welchem Umfang beteiligt sich die Schweiz an diesem Projekt?

W.F.: Die Schweizer Beteiligung macht rund 3,5 Mio. Franken aus. Das Gebäude hat 28 Zimmer. Jede Klasse trägt den Namen eines Schweizer Kantons. Damit wollen wir das Zusammenleben der Kulturen und den Willen zur Schaffung einer Nation symbolisieren.

swissinfo: Gibt es vergleichbare Projekte in anderen Regionen der Palästinensergebiete?

W.F.: Es existieren bereits drei andere Schulen dieses Typs, und die Organisation will sicher weiterfahren. Was uns angeht, so wollen wir uns auf unsere Programme im Westjordanland konzentrieren und die Nothilfe im Gazastreifen aufrecht erhalten.

Doch wir sind offen für eine Diskussion über andere Projekte, die das interkulturelle Verständnis fördern könnten.

swissinfo-Interview: Mohamed Cherif
(Übertragung aus dem Französischen: Susanne Schanda)

Schweizer Hilfe für Palästinenser

Die Schweizer Unterstützung in den von Israel besetzten Gebieten besteht vor allem aus Entwicklungshilfe für die Palästinenser. Die Direktion für Zusammenarbeit und Entwicklung (DEZA) ist seit 1994 dort tätig.

Das Engagement der Schweiz beschränkt sich zur Zeit auf die Unterstützung der Zivilbevölkerung.

Jährlich zahlt die Schweiz mehr als 10 Mio. Franken an humanitäre Organisationen. Weitere 10 Millionen fliessen jedes Jahr in die Entwicklungszusammenarbeit.

Ein von der Schweiz entwickelter Friedensplan – die Genfer Initiative – ist bis jetzt gescheitert und hat keine politische Unterstützung von den beiden Kontrahenten erhalten.

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Die Schule Max Rayne

Die Schule Max Rayne ist eine von drei zweisprachigen Schulen in Israel.

Sie wird von zwei Direktoren geführt, einem Araber und einem Juden. Die Lektionen werden von einer Gruppen aus arabischen und jüdischen Lehrern gegeben. Die Schüler sprechen fliessend arabisch und hebräisch.

Die Schule, die den Namen ihres britischen Mäzens trägt, wurde 1997 eröffnet. 2000 wurde sie vom israelischen Bildungsministerium offiziell anerkannt.

Die Schweiz hat sich finanziell am Bau eines neuen Gebäudes beteiligt, das eine Sporthalle, einen Kindergarten und Klassenzimmer umfasst.

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