Navigation

"Es war wie eine Atombombe"

Luftaufnahme der verwüsteten Küste in der Provinz Aceh. Keystone

Die humanitäre Krise nach der Flutkatastrophe in Südasien ist laut dem Koordinator der Schweizer Hilfskräfte in Indonesien noch nicht unter Kontrolle.

Dieser Inhalt wurde am 05. Januar 2005 - 11:13 publiziert

Im Gespräch mit swissinfo erläutert Andreas Graf die Lage in der Provinz Aceh im Norden der Insel Sumatra, wo die Schweiz ihre Hilfe verstärkt hat.

Aceh liegt nahe beim Epizentrum des Seebebens vom 26. Dezember, das eine Stärke von 9 Punkten auf der Richter-Skala hatte.

Allein im nördlichen Teil Indonesiens wird mit gegen 100'000 Toten gerechnet, über 500'000 sind obdachlos. Hilfsorganisationen befürchten, dass sich die Zahl der Todesopfer noch erhöhen könnte.

Die Schweiz schickt mit Flugzeugen Nothilfe-Unterstützung nach Aceh. Das fünfköpfige Schweizer Hilfskontingent, das bereits auf Sumatra ist, soll in den nächsten Tagen durch ein Team von Experten für die Trinkwasser-Versorgung verstärkt werden.

Andreas Graf, der das Schweizerische Korps für humanitäre Hilfe (SKH) von der Hafenstadt Medan aus koordiniert, ist letzten Freitag in Indonesien eingetroffen.

swissinfo: Die UNO sagt, die Welt müsse das Ausmass der Katastrophe in Aceh erst noch verdauen...

Andreas Graf: Die Angehörigen des SKH sagen alle, dass es hier wie nach einem Atombomben-Angriff aussieht. Alles ist ausgelöscht. Nur in der Provinzhaupt Banda Aceh und in der Stadt Meulaboh stehen noch ein paar Gebäude.

Ganze Dörfer wurden total zerstört. Die Küste ist für immer verändert. Was hier geschah ist viel schlimmer als ein Erdbeben. Es ist die schlimmste Naturkatastrophe, die man sich vorstellen kann.

swissinfo: Wie laufen die Hilfsaktionen der Schweiz?

A.G.: Unser Team in Banda Aceh wartet verzweifelt auf die Ankunft der Flugzeuge mit den wesentlichsten humanitären Hilfsgütern. Wir haben auch Zelte für die Hunderttausenden von Menschen angefordert, die durch die Katastrophe intern vertrieben wurden.

Eines der grössten Probleme ist immer noch der Transport von Hilfsgütern ins Landesinnere. Wir hoffen aber, dass sich die Lage dank dem Einsatz von Helikoptern verbessert. Die Stadt Meulaboh wurde total zerstört. Man kann sie immer noch nicht auf der Strasse erreichen. Deshalb ist es schwierig, den Menschen dort zu helfen.

swissinfo: Was gibt es für weitere Schwierigkeiten für die Hilfsorganisationen und die indonesische Bevölkerung?

A.G.: Ein langfristiges Problem werden die vielen Waisenkinder sein, die der Tsunami hinterlässt. In vielen grossen Familien hat nur eine Person überlebt; das heisst, dass für zahlreiche Kinder ein Platz gesucht werden muss.

Die Zeitungen hier berichten bereits über erste Fälle von Kinderhandel. Ich weiss nicht, wie akut dieses Problem bereits ist, aber viele Leute fürchten sich davor.

Schwierig wird auch der Wiederaufbau der wesentlichsten Infrastruktur sein. In Banda Aceh zum Beispiel ist nicht nur das verschmutzte Trinkwasser ein Problem. Alle Pläne mit Angaben über den Grad der Verschmutzung wurden zerstört, so dass es schwierig und teuer ist, wieder eine saubere Trinkwasser-Versorgung herzustellen.

swissinfo: In der Provinz Aceh kämpfen Rebellen seit 1979 für die Unabhängigkeit von Jakarta. Hat dieser Konflikt Auswirkungen auf die Arbeit der Hilfsorganisationen?

A.G.: Ich habe von einigen kleineren bewaffneten Zwischenfällen gehört, aber sonst hat der Konflikt die Rettungsarbeiten nicht gross berührt. Ein Problem gab es, als die indonesische Zentralregierung unmittelbar nach der Katastrophe ausländische Hilfskräfte nur zögerlich in die Provinz Aceh einliess, weil diese Region militärisches Sperrgebiet war. Angehörigen von Nichtregierungs-Organisationen war der Zugang zur Provinz verweigert worden. Das hat die Rettungsarbeiten zu Beginn beeinträchtigt.

Es gibt aber auch Leute hier, die in der Katastrophe eine Möglichkeit sehen, dass Rebellen und Regierung einen Versöhnungsprozess beginnen könnten.

swissinfo-Interview: Ramsey Zarifeh
(Übertragung aus dem Englischen: Jean-Michel Berthoud)

In Kürze

Ein 5-köpfiges Team der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) arbeitet derzeit in Indonesien.

In den nächsten Tagen soll es mit weiteren Experten verstärkt werden, die sich um die Trinkwasser-Versorgung kümmern.

Die Schweiz schickt auf dem Luftweg auch humanitäre Hilfsgüter in die Provinz Aceh.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.