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Ärzte liebäugeln mit der Einheitskrankenkasse

Viele Ärzte versprechen sich von der Einheitskasse weniger Bürokratie.

(Keystone)

Die Schweizer Ärzte haben das heutige Krankenkassen-System satt und sprechen sich mehrheitlich für die Einheitskrankenkasse aus, über die am 11. März 2007 das Stimmvolk befindet.

Die hohe Zustimmung unter den Ärzten, namentlich in der Westschweiz, ist allerdings eher eine Trotzhaltung gegenüber dem heutigen System und keine echte Überzeugung für den Neuanfang.

Eine Mehrheit der Schweizer Hausärzte wird am 11. März höchstwahrscheinlich für die Einheitskrankenkasse stimmen.

Dies haben verschiedene Umfragen in Ärztegesellschaften ergeben.

Besonders in der Westschweiz haben sich Ärzte in hohem Mass für einen Systemwechsel ausgesprochen. So wollen in der Waadt 60% Ja stimmen, in Genf 75% und im Wallis sogar 88%.

Eine gesamtschweizerische Umfrage der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM) ergab eine Zustimmung von 55% für die Einheitskrankenkasse, wobei die Stimmen aus der Westschweiz den Ausschlag gegeben haben.

"Das ist Ausdruck einer Unzufriedenheit über den heutigen Zustand, über die vielen Kassen, über den administrativen Aufwand", sagt der Zürcher Arzt Hansueli Späth, Präsident der SGAM, gegenüber swissinfo.

"Wir spüren einfach das Misstrauen der Krankenkassen gegenüber ärztlichen Handlungen."

Westschweiz stärker betroffen

Diese Stimmung des Misstrauens sei vermutlich in der Westschweiz noch ausgeprägter, sagt Späth, angesprochen auf die hohen Zustimmungsraten in diesem Landesteil.

"Ich könnte mir vorstellen, dass die Romandie noch stärker betroffen ist von der Kassenwillkür."

Die französischsprachige Ärzteschaft betrachte die Zustimmung zur Einheitskrankenkasse "noch stärker als Signal für die unbefriedigende Position als die Deutschschweizer Ärztinnen und Ärzte".

In verschiedenen Publikationen von Westschweizer Berufsvereinigungen haben Ärzte über immer mehr Büroarbeit, fehlende Partnerschaft und unerfüllte Versprechen der Krankenkassen geklagt. Der Frust über das heutige System ist gross.

Krankenversicherung

Seit 1996 das Krankenversicherungs-Gesetz (KVG) in Kraft ist, muss sich jede in der Schweiz wohnhafte Person obligatorisch bei einer Krankenkasse ...

Ärzte erhoffen sich Mitsprache

Vom Systemwechsel zur Einheitskrankenkasse erhoffen sich die Ärzte einerseits weniger administrativen Aufwand. Andererseits erwarten sie, "dass die Betroffenen, also Patientinnen und Patienten, Ärzte und die Kantone, mitsprechen können bei der Führung einer solchen Kasse", sagt Späth.

Dass diese Mitsprache bei Tarifverhandlungen Probleme machen könnte, glaubt Späth nicht. "Es ist eigentlich nichts als recht, dass die Ärzte mitreden können, wenn es doch um eine grundsätzlich ärztliche Angelegenheit geht."

Dachverband sieht Gefahr

Gerade dieser Punkt aber ist santésuisse, dem Dachverband der Krankenkassen, ein Dorn im Auge, wie Pressesprecher Paul Rhyn gegenüber swissinfo erklärt.

"Das ist natürlich eine spezielle Situation, dass im Prinzip diejenigen, die auch die Abgeltung ihrer Leistungen erhalten, auch gleichzeitig die höhere Vergütung mitbestimmen könnten."

Für santésuisse besteht dabei die Gefahr, "dass der Anreiz zu einem kostenbewussten Verhalten auch in der Preisgestaltung nicht mehr im gleichen Masse vorhanden ist".

santésuisse

santésuisse heisst seit 2002 die Dachorganisation der Krankenkassen in der Schweiz. Der Vorläufer dieser Organisation, das Konkordat der ...

Mehr Kontrolle

Was die Ärzte Kassenwillkür und Misstrauensstimmung nennen, ist für den Dachverband eine verstärkte Kontrolle der Ärzte. "Man vergleicht, ob ein Arzt kostengünstig arbeitet oder weit über dem Durchschnitt Kosten verursacht", sagt Rhyn.

Diese Tatsache sei für viele Ärzte schwierig zu akzeptieren. Und in der Westschweiz sei diese Abneigung vermehrt zu beobachten - Zeichen des Wandels seit dem neuen Krankenversicherungs-Gesetz, so Rhyn.

"Früher wurde einfach bezahlt; heute wird kritisch geschaut, weil das Gesundheitswesen von Jahr zu Jahr teurer wird."

Daher sei es wichtig, gewisse Mechanismen in der Geschäftsbeziehung zwischen Ärzten und Krankenkassen auch anzuwenden, "damit diese Kostenspirale nicht ständig weitersteigt".

Ärztelobby will Druck machen

Die Schweizerische Ärztevereinigung (FMH) glaubt zwar auch nicht, dass die Einheitskasse eine Garantie zur Kostensenkung sei. Doch die Vereinigung hat ihren Mitgliedern für die Abstimmung keine Empfehlung gegeben.

Damit soll Druck auf die Krankenkassen ausgeübt werden, um von ihnen mehr Transparenz und Demokratie einzufordern.

Denn ein Nein der Ärzte zur Einheitskasse könnte in der Öffentlichkeit als Ja zum heutigen System gedeutet werden. Etwas, was eine Mehrheit der Ärzte unbedingt verhindern möchte.

swissinfo, Christian Raaflaub

In Kürze

55% von über 1200 Schweizer Hausärzten, die an einer verbandsinternen Umfrage im ganzen Land teilgenommen haben, befürworten die Einheitskrankenkasse. In der deutschsprachigen Schweiz erreichten beide Lager je 50%.

Weitere Berufsverbände für die Einheitskrankenkasse: Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK), Verband des Personals der öffentlichen Dienste (VPOD), Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen (VSAO), Vereinigung unabhängiger Ärztinnen und Ärzte (VUA).

Der Dachverband Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) hat bereits im Dezember Stimmfreigabe beschlossen.

Nein zur Volksinitiative sagen die Schweizerische Belegärzte-Vereinigung (SBV), der Dachverband der chirurgisch tätigen Ärztinnen und Ärzte (FMCH) und die Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft (SSO).

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Einheitskrankenkasse

Die Volksinitiative "für eine soziale Einheitskrankenkasse" verlangt für die Grundversicherung eine einzige Krankenkasse.

Weiter will die Initiative, dass die Prämien in der Grundversicherung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Versicherten festgelegt werden.

Die Krankenversicherung ist für alle in der Schweiz lebenden Personen obligatorisch. Dies ist seit 1996 im Krankenversicherungs-Gesetz (KVG) vorgeschrieben.

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