Bern: Geiselnehmer konnten entfliehen

Eine Spezialeinheit stürmte das Generalkonsulat - geschossen wurde nicht. Keystone

Die drei Geiselnehmer im spanischen Generalkonsulat in Bern konnten entfliehen. Noch bevor die Polizei vor Ort war und das Quartier absperrte.

Dieser Inhalt wurde am 07. Februar 2005 - 15:36 publiziert

Eine Spezialeinheit der Berner Stadtpolizei stürmte das Konsulat um 13.35 Uhr. Von den Geiselnehmern fehlt jede Spur.

Am frühen Montag Nachmittag wirkt das Berner Botschafts-Quartier Kirchenfeld nach dem Ende der Geiselnahme gespenstisch ausgestorben: Mehrere verlassene Trams stehen leer auf den Schienen, keine Autos fahren durch die Strassen, man sieht praktisch keine Menschen ausser Polizisten und Journalisten.

Das ganze Botschaftsquartier ist weiträumig abgesperrt, Scharfschützen und Polizei-Panzer sind um das Konsulat in Stellung gegangen. Erst gegen 15 Uhr verkehrt wieder das erste reguläre Tram Richtung Ostring.

Spezialeinheit stürmt Konsulat

Nach dem Ablauf eines Ultimatums stürmte eine rund zwölf Mann starke Sondereinheit der Stadtpolizei Bern das spanische Generalkonsulat in Bern um 13.35 Uhr Ortszeit. Die Beamten durchsuchten das Gebäude. Es war jedoch leer.

Die drei mit Messern und einer Schusswaffe bewaffneten Geiselnehmer hatten am Morgen kurz vor 08.00 Uhr drei Angestellte des Konsulats in ihre Gewalt gebracht.

Einer der Konsularangestellten – laut spanischen Angaben handelte es sich um einen Sicherheitsbeamten - konnte sich selber befreien und wurde dabei verletzt. Die anderen beiden Geiseln, ein Mann und eine Frau, wurden von der Polizei befreit.

"Man ist erleichtert", sagte Polizeisprecher Jürg Mosimann. Es habe keine Todesopfer gegeben, und es seien auch keine Schüsse gefallen.

Motive unklar

Über Identität und Verbleib der Geiselnehmer lagen der Polizei keine gesicherten Angaben vor. Meldungen aus dem spanischen Aussenministerium in Madrid, wonach die Geiselnehmer das Konsulat verlassen haben sollen, wurden von der Berner Polizei nicht bestätigt.

Zu den möglichen Beweggründen der Geiselnehmer hiess es im spanischen Aussenministerium in Madrid, eine Verbindung zu terroristischen Kreisen sei eher unwahrscheinlich. Es sei wohl von kriminellen Motiven auszugehen. Möglicherweise, so Spekulationen in Bern, hätten die Täter Pässe stehlen wollen.

Kein Einzelfall

Letztmals hatte in Bern eine ähnliche Besetzung eines Diplomaten-Gebäudes im Februar 1999 stattgefunden. Damals besetzten Kurden im Zuge ihrer weltweiten Protestaktionen gegen die Festnahme von PKK-Chef Abdullah Öcalan die griechische Botschaft in Muri bei Bern. Nach einem Tag wurde die Aktion ohne Opfer beendet. Auch das griechische Konsulat in Zürich war damals besetzt worden.

Im Dezember 1988 besetzten unbewaffnete Regimegegner das iranische Konsulat in Genf und hielten vier Personen als Geiseln fest. Im Juli 1988 besetzten Kurden das Honorarkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Basel und nahmen zwei Geiseln.

Im September 1982 hatte ein bewaffnetes Kommando die polnische Botschaft überfallen, 13 Personen als Geiseln genommen und unter anderem die Freilassung aller politischen Gefangenen in Polen gefordert.

swissinfo, Christian Raaflaub und Agenturen

Fakten

Am frühen Montag morgen findet eine Polizeipatrouille einen Verletzten im Diplomatenquartier von Bern.
Später wird bekannt, dass im spanischen Generalkonsulat eine Geiselnahme im Gang ist.
Über die Motive ist nichts bekannt.
Das Gebäude wird von Sicherheitskräften umstellt.
Kurz vor Mittag erklärt das spanische Innenministerium die Geiselnahme als beendet.
Die Polizei in Bern hingegen bestätigt dies nicht.
Es folgt ein Ultimatum der Sicherheitkräfte an die anscheinend im Konsulatgebäude gebliebenen Geiselnehmer.
Um 13.35 Uhr erfolgt der Sturm des Gebäudes durch eine Sondereinheit. Verletzt wurde niemand.

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