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Bundesratswahlen 2018 Karin Keller-Sutter: Eine Fleissige will endlich gestalten

Porträt-Aufnahme von der neuen Bundesrätin Karin Keller-Sutter.

Nun hat es geklappt: Karin Keller-Sutter ist die neunte Bundesrätin der Schweiz.

(Keystone)

Karin Keller-Sutter ist die neunte Bundesrätin der Schweiz. Sie ist fleissig, bescheiden und hat ihre politischen Ziele ebenso beharrlich verfolgt wie ihre Karriere. Ein Porträt.

Bis ins höchste Amt, das die Schweiz zu vergeben hat, war es nun doch ein längerer Weg. "Ich bin froh, wenn der Tag der Entscheidung durch ist. Irgendwann ist man müde und froh, wenn man weiss, wo man steht", sagte Karin Keller-Sutter am Abend vor der Wahl. Ihre Ambition war längst offenbar. Schon 2010 kandidierte Karin Keller-Sutter für den Bundesrat. Damals unterlag sie dem nun abtretenden Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann.

Radiogespräch

Radiogespräch

Aus drei Gründen hat es für die 54-Jährige nun geklappt:

1.   Ihr gelang ein perfekter Image-Wechsel, der sie für alle Parteien wählbar machte. Als St. Galler Regierungsrätin war sie schweizweit bekannt als Hardlinerin in Asylthemen. Als Ständerätin setzte sie vor allem auf Wirtschafts- und Sozialpolitik. 

2.   Sie erfüllte die Kriterien: Eine Frau aus der Ostschweiz mit Exekutiverfahrung – und zudem bestens vernetzt: Karin Keller-Sutter hat in den letzten sieben Jahren als Ständerätin ein Netzwerk aufgebaut und sich im Bundeshaus einen Ruf als Konsenspolitikerin erarbeitet.

Anne Seydoux-Christe, Ständerätin CVP: "Karin Keller-Sutter ist eine Frau, die immer die Kontrolle behält, aber grosse menschliche Qualitäten in sich trägt. Sie kann Kompromisse finden. Eine vernünftige, intelligente Person, die nach Lösungen zur Erhaltung unserer Aussen- und humanitären Politik sucht."

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3.   Karin Keller-Sutter hat zudem das gewisse Etwas, eine Mischung aus Bodenhaftung, Esprit und Tüchtigkeit. In ihren liberalen Überzeugungen ist die langjährige Vertreterin der Freisinnig-demokratischen Partei (FDP) gefestigt. Diese kommuniziert sie klar, aber nicht laut, auch nicht aufdringlich. Das macht sie lesbar statt streitbar – nahbar und angenehm im Umgang, zugleich verlässlich in der Sache.

Arbeit bis in die Nacht

Wenig betont wurde bisher der enorme Fleiss der Frau aus dem st. gallischen Wil. In Ihrer Zeit als Regierungsrätin im Kanton St. Gallen war sie durchaus in der Lage, einem recherchierenden Journalisten ihre private Telefonnummer zu geben mit den Worten: "Sie können mich heute auch nach Feierabend noch anrufen, ich arbeite sowieso bis 23 Uhr."

Raphaël Comte, Ständerat FDP: "Ich empfinde grosse Genugtuung darüber, dass die Frauenquote zunimmt. Es ist uns wichtig, dass die FDP in der Regierung durch einen Mann und eine Frau vertreten ist. Sie hat Erfahrung in einer Exekutive und im Parlament, wo sie ihre Fähigkeiten als Mediatorin unter Beweis stellen konnte."

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Damals musste sie das Justiz- und Polizeidepartement übernehmen – ihr Wunschdepartement war es nicht, betont sie heute. Doch ihre Arbeit erledigte sie gründlich. Sie war die erste Justizdirektorin in der Schweiz, die deutlich auf Schwächen im Asylwesen hinwies, wohl wissend, welches Image sie dadurch auf sich zog. Das suchte sie nicht, sie nahm es in Kauf. "Es war damals wichtig, dass man Massnahmen gegen die Kriminalität ergreift. Nicht ohne eine gewisse Befriedigung stelle ich fest, dass die Arbeit, die wir geleistet haben, heute allgemein anerkannt ist", sagt Keller-Sutter heute zu Radio SRF.

"Ich möchte nicht einfach nur die Frau sein"

"Wie mein Hund lasse auch ich mir ­keinen Maulkorb anlegen!". Das stand laut "NZZ" auf ihrem allerersten Wahlplakat. Keller-Sutter wurde 1992 als 28-Jährige in den Wiler Gemeinderat gewählt. 2000 wurde sie mit 36 St. Galler Regierungsrätin. 2011 entsendet sie der Kanton St. Gallen nach Bern in den Ständerat. Sie ist längst Vollblutpolitikerin und verschafft sich auch in Bern – zielstrebig, dossiersicher und engagiert – Respekt.

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"Ich möchte nicht einfach nur die Frau sein", sagte sie vor kurzem zu Radio SRF auf ihre künftige Rolle angesprochen. Die ausgebildete Dolmetscherin offenbarte bereits in der Diskussion um die Rentenreform einen ausgeprägten Gestaltungswillen, der ihr gepaart mit einer gewissen Zähigkeit auch im Ständerat zu einigen Erfolgen verhalf.

Jacques-André Maire, Nationalrat SP: "Karin Keller-Sutter ist im liberalen Flügel rechts positioniert, aber ihre Positionen sind klar. Sie hat dem Ständerat gezeigt, dass sie konsensfähig ist und dass sie sich einem sozialen Gefüge verpflichtet fühlt. Sie ist wirklich eine Staatsfrau."

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Bereicherung für den Bundesrat

Aus ihrer Ausbildung als Dolmetscherin geblieben ist Karin Keller-Sutter dennoch eine für Berufspolitiker auffällige Bescheidenheit. Dolmetscher sind Dienstleister. Am besten sind sie dann, wenn ihre Person hinter der Sache verschwindet. Dies und Trittsicherheit in der Kommunikation kann Karin Keller-Sutter als kleine Bereicherung in den Bundesrat mitbringen.

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