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Der 4. Juli rückt die US-Politik ins rechte Licht

Karl Jauch, Präsident der Vererinigung American Citizens Abroad (ACA) in Genf.

(swissinfo.ch)

Die USA feiern zum 228. Mal ihren Unabhängigkeitstag. Viele US-Staatsangehörige in der Schweiz finden jedoch, es gebe dieses Jahr nicht viel zu feiern.

Im Interview mit swissinfo spricht Karl Jauch, Präsident der Vereinigung American Citizens Abroad (ACA) in Genf, über Irak und die anstehende Präsidentenwahl in den USA.

ACA ist eine parteilose, regierungsunabhängige Vereinigung, die sich für die Wahrung der Interessen der im Ausland lebenden US-Staatsangehörigen einsetzt, insbesondere im Zusammenhang mit der Staatsbürgerschaft und in Steuerfragen.

Laut Jauch haben viele Amerikanerinnen und Amerikaner im Ausland dieses Jahr gemischte Gefühle gegenüber ihrer Heimat.

Er betont jedoch, dass es am 4. Juli um Geschichte und Traditionen der USA geht. Der Tag sollte deshalb nicht von der Kontroverse um die Aussenpolitik der Regierung Bush überschattet werden.

swissinfo: Seit dem Terroranschlag vom 11. September sind fast drei Jahre vergangen. Wie sehen Sie und andere Amerikaner in Genf den von den USA angeführten "Krieg gegen den Terror"?

Karl Jauch: Wir haben gemischte Gefühle. Das, was damals geschah, war natürlich eine Katastrophe.

Aber die Reaktion der US-Regierung war oft etwas unangebracht. Wir, die wir im Ausland leben, stehen in viel engerem Kontakt zu den Entwicklungsländern und den Gefühlen der Menschen dort, und manchmal empfinden wir die offizielle Reaktion Washingtons als etwas verfehlt.

swissinfo: Sprechen Sie nun speziell von Afghanistan oder davon, dass Washington nach wie vor darauf beharrt, der gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein hätte Verbindungen zu Al Kaida gehabt?

K.J.: Es war natürlich gerechtfertigt, auf die Terroranschläge zu reagieren. Aber im Rückblick sehen wir, dass die Geheimdienste teilweise falsche Angaben machten. Die Reaktion der USA, insbesondere gegenüber dem Irak, galt bereits als verfehlt, bevor der Krieg begann, und jetzt sehen wir, dass das wirklich so war.

swissinfo: Im Vorfeld des Krieges gegen den Irak äusserten sich viele Amerikaner im Ausland gegen diesen Krieg. Sie zeigten sich auch besorgt, weil sie da einen zunehmenden Antiamerikanismus fühlten. Hat sich das im letzten Jahr geändert?

K.J.: Viele Leute, mit denen ich in der Schweiz und im übrigen Europa in Kontakt stehe, haben gemischte Gefühle gegenüber Amerika. Es ist für sie ein grossartiges Land, in dem individuelle Freiheit und Eigeninitiative grossen Wert haben, und sie möchten sogar dort leben.

Andererseits sehen sie, dass die US-Aussenpolitik irregeführt ist, und dass die Regierung Fehler macht. Deshalb sind ihre Gefühle gemischt.

swissinfo: Eine kürzlich erschienene Studie zeigte, dass die USA nach dem 11. September viel von der Sympathie verloren, die man ihnen zuvor in der Schweiz entgegengebracht hatte. Es wurde auch deutlich, dass eine überwältigende Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer gegen die Politik der Regierung Bush sind. Spüren Sie das auch?

K.J.: Das ist das allgemein vorherrschende Gefühl in der Schweiz, aber auch bei einigen Amerikanern. Die Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA hatten im Verlauf der Jahre ihre Höhen und Tiefen.

Aus historischer Sicht stellen wir fest, dass unsere Verfassungen sehr ähnlich sind und dass viele geschichtliche Ereignisse die beiden Staaten verbinden.

Aber gegenwärtig steht es um die Beziehungen wegen der Aussenpolitik der USA eher schlecht.

swissinfo: Dies ist ein Wahljahr. Glauben Sie, dass ein Regierungswechsel in den USA das Ansehen des Landes im Ausland wieder verbessern könnte?

K.J.: Ich denke nicht, dass ein Regierungswechsel am Image der USA im Ausland viel ändert. Wichtig ist, was nachher geschieht und wie eine neue Regierung sich verhält und in der Welt positioniert. Darauf werden die anderen Länder reagieren.

swissinfo: Hatten auch Sie als schweizerisch-amerikanischer Doppelbürger in den letzten Jahren gemischte Gefühle gegenüber der Politik der USA?

K.J.: Es ist für mich nicht schwierig, Stellung zu nehmen, aber meine Gefühle sind manchmal etwas widersprüchlich. Ich wurde in den USA geboren, mein Vater ist Schweizer und ich hatte immer zwei Pässe.

Dazu hatte ich nichts zu sagen. Es ist einfach eine Tatsache in meinem Leben, und das akzeptiere ich. Ich habe beschlossen, in Europa zu leben. Es geht nicht darum, ob ich das mag oder nicht, es ist einfach so.

swissinfo: Die USA wurden in den letzten paar Jahren scharf kritisiert. Gibt es aber ein paar positive Gründe, um den 4. Juli auch dieses Jahr zu feiern?

K.J.: Ja, in dem Sinne, dass man an einem Nationalfeiertag die Geschichte und Traditionen eines Landes feiert. Ich bin Amerikaner, also feiere ich den 4. Juli, aber ich feiere auch den schweizerischen Nationalfeiertag am 1. August. Und weil ich in Frankreich lebe, begehe ich auch den Tag, welcher der Stürmung der Bastille gedenkt, also den 14. Juli.

Das sind Gelegenheiten, um der eigenen Geschichte und des Nationalstolzes zu gedenken, aber ich sehe sie nicht in einem politischen Zusammenhang.

swissinfo-Interview: Anna Nelson in Genf

In Kürze

Insgesamt leben zwischen sechs und sieben Millionen US-Staatsangehörige ausserhalb der USA, davon einige Tausend in der Schweiz.

US-Staatsangehörige, die im Ausland leben, können an den Wahlen in ihrer Heimat teilnehmen. Ihr politisches Gewicht ist aus Sicht der ACA aber gering, da sich ihre Stimmen auf 435 Kongress-Distrikte verteilten.

Seit 1992 können auch Auslandschweizer an eidgenössischen Abstimmungen und Wahlen teilnehmen.

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