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Der Arbeitskonflikt im Baugewerbe eskaliert

Keine einfache Konstruktion: Die Mediation bei den LMV-Verhandlungen.

(Keystone Archive)

Der Streit auf dem Bau spitzt sich zu. Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) macht die Gewerkschaften für das Fiasko verantwortlich.

Wegen einer Streikankündigung auf der NEAT-Baustelle in Sedrun wollen die Baumeister nicht weiter verhandeln. Die Gewerkschaften weisen die Vorwürfe zurück.

Statt Mediation herrscht Krach zwischen Gewerkschaften und Baumeistern, die sich gegenseitig mit Vorwürfen eindecken. Der Vermittler Jean-Luc Nordmann bedauert die Entwicklung bei den Verhandlungen um einen neuen Landesmantelvertrag (LMV).

Zunächst warf die Spitze des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV) den Gewerkschaften Unia und Syna Vertragsbruch, Verhandlungsabbruch und Erpressung vor.

Ob es nächsten Freitag weitere Verhandlungen gibt, liess SBV-Präsident Werner Messmer ausdrücklich offen. "Wie es weiter geht und ob wir überhaupt noch verhandeln, ist offen", sagte er.

SBV-Direktor Daniel Lehmann betonte, der SBV habe letzten Freitag die Vermittlung weder unterbrochen noch sistiert. Die Unia habe die Vermittlungsvereinbarung gekündigt. Sie habe auch die im Mandatsvertrag für die Mediation enthaltene Schweigepflicht verletzt und sei an die Medien getreten.

Streikaufruf

Komme hinzu, dass noch während der Mediationsverhandlungen mit einem Flugblatt zu einem Streik am kommenden Donnerstag in Sedrun aufgerufen worden sei. Dies verletze das Mediationsmandat abermals, sagte Messmer.

Den Vorwurf der Erpressung begründete der Baumeister-Präsident damit, die Unia habe letzten Freitag eine sofortige und vollständige Einigung gefordert. Die von der Unia ebenfalls ins Spiel gebrachten Schadenersatzklagen von Firmen wegen eines Streiks hätten mit der Mediation nichts zu tun. Die Firmen verklagten Unia auf 1,4 Mio. Franken Schadenersatz.

Gewerkschaften sprechen von Manipulation

Unia und Syna warfen dem SBV am Nachmittag ihrerseits den mehrfachen Bruch der Mediationsvereinbarung vor. Zwischenergebnisse vom vergangenen Freitag würden unter den Tisch gewischt. Mit seiner Verzögerungstaktik verstosse der SBV gegen Artikel 3 der Mediationsvereinbarung, die als Ziel eine möglichst rasche Einigung und eine Bilanz per Ende November vorsehe.

In einer am Morgen den Medien ausgehändigten SBV-Dokumentation fehlt dieser Passus. Der SBV habe ihn "in manipulativer Weise ausgespart", schreiben die Gewerkschaften.

GAV

Ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) gilt für ein Unternehmen oder einen gesamten Wirtschafts-Sektor und wird zwischen Gewerkschaften und dem ...

Streikbegründung

Der Konflikt in Sedrun habe mit dem LMV nichts zu tun. Es gehe darum, dass 275 Mineure die Gleichbehandlung mit ihren Kollegen in Bodio und Faido forderten und auf die Barauszahlung von Spesengeldern pochten.

Die in Sedrun tätigen Unternehmungen unter Führung von Implenia seien aber nicht zu Verhandlungen bereit. Unia und Syna hätten zu Beginn der Mediation ausdrücklich auf Kampfmassnahmen verzichtet, die "im Zusammenhang mit dem LMV (inkl. Anhängen)" stünden.

Durchbruch dank Einzelgesprächen?

Mediator Jean-Luc Nordmann, der von beiden Seiten für seine Arbeit gelobt wurde, bedauerte die neuerliche Eskalation: "Es hilft nichts, wenn sich die Parteien gegenseitig mit Vorwürfen überhäufen."

Der ehemalige Direktor für Arbeit im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hält am Verhandlungstermin vom kommenden Freitag fest. Bis dahin will Nordmann durch Einzelgespräche versuchen, "das Ganze in vernünftige Bahnen zu lenken".

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Der Landesmantelvertrag (LMV), wie der Gesamtarbeitsvertrag in der Baubranche heisst, ist vom Schweizerischen Baumeisterverband im vergangenen Mai gekündigt worden. Ende September ist er ausgelaufen.

Im Bauhauptgewerbe arbeiten rund 80'000 Beschäftigte.

Die Sozialpartner finden keine gemeinsame Lösung. Die Baumeister möchten eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, um die saisonale Unterbeschäftigung im Winter zu vermeiden (Minusstunden-Regelung).

Die beiden Gewerkschaften Unia und Syna sehen darin eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, gegen die sie sich stemmen.

Die Arbeitsbedingungen seien ohnehin im Bau besonders hart.

Nach Warnungen wurden Mitte Oktober die NEAT-Baustelle am Gotthard und Baustellen in Bern, Genf und Neuenburg bestreikt.

In mehreren Schweizer Städten fanden seither Grossdemonstrationen statt.

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