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Der Papst ist in der Schweiz

Papst Johannes Paul II. auf dem Weg von Payerne nach Bern.

(Keystone)

Eine dreiköpfige Bundesratsdelegation hat Papst Johannes Paul II. auf dem Militärflughafen Payerne empfangen.

Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche nahm am Abend an einem Treffen mit katholischen Jugendlichen teil. Am Sonntag ist eine Messe unter freiem Himmel vorgesehen.

Bundesrat Joseph Deiss hiess den Papst zu seinem ersten Besuch in der Schweiz seit 20 Jahren willkommen. Neben Deiss waren auch die Bundesräte Micheline Calmy-Rey und Samuel Schmid anwesend.

Deiss unterstrich in seiner Ansprache, dass der Besuch des Papstes eine Ehre für die Schweiz sei. Insbesondere die Friedensförderung sei ein gemeinsames Anliegen der Aussenpolitik der Schweiz und des Vatikans.

Deiss gab auch offiziell bekannt, dass der Bundesrat den Besuch des Papstes zum Anlass genommen hatte, die diplomatischen Beziehungen mit dem Vatikan anzupassen und den heutigen Botschafter der Schweiz beim Vatikan, Hansrudolf Hoffmann, zum ausserordentlichen und bevollmächtigten Botschafter zu ernennen.

In einem Land der Demokratie und der kulturellen Vielfalt wie der Schweiz sei es natürlich, dass Lehrmeinungen und Gebote des Papstes intensive Diskussionen auslösten, sagte Deiss im Hinblick auf die aktuelle Debatte in der Schweiz weiter.

Päpstlicher Segen

Der Papst sagte in seiner Begrüssungsansprache, die Schweiz sei ein schönes Land, in dem sich verschiedene Sprachen und Kulturen begegnen. Das Ziel seiner apostolischen Pilgerfahrt seien die katholischen Jugendlichen der Schweiz. Er freue sich auf das Treffen mit ihnen in Bern.

Er entbot allen den guten Wunsch des Friedens mit dem Satz: "Gott segne die Schweiz".

Insgesamt bemühen sich mehr als 1000 Polizisten und Sicherheitsleute für einen ruhigen Ablauf des Besuchs.

Demonstrationsverbot missachtet

Rund 70 Personen hatten sich am Nachmittag auf dem Berner Breitenrainplatz trotz eines Demonstrationsverbotes des Berner Gemeinderates zu einer Kundgebung gegen den Papstbesuch versammelt.

Die Kundgebung des "Antipäpstlichen Bündnisses" (ApB) verlief während der ersten halben Stunde friedlich. Einige der weitgehend jungen Teilnehmer verteilten Kondome an die Bevölkerung.

Die Polizei war präsent, hielt sich abgesehen von zahlreichen Personenkontrollen zurück. Dann versuchten jedoch einige der Demonstranten, sich in einen der vier Sternmärsche einzuschleusen, was zu einer Anspannung der Lage führte. Mindestens zwei Personen wurden festgenommen.

Dem ApB gehört unter anderem die Antifa Bern an, die bereits mehrfach mit unbewilligten Demonstrationen in Erscheinung getreten ist. Das AbP wirft der katholischen Kirche eine lange Tradition der Unterdrückung Andersdenkender vor.

Jugendtreffen auf der Allmend

Tausende von Jugendlichen bewegten sich von vier Orten aus in einem
Sternmarsch zum ersten Nationalen Katholischen Jugendtreffen ins
Allmendstadion. Unter den Teilnehmenden waren viele Ausländerinnen und Ausländer.

Bei zunehmend sonnigem Wetter besammelten sich die deutschsprachigen Jugendlichen um 11.00 Uhr auf der Grossen Schanze. Auf der Kleinen Schanze bereiteten sich die Italienisch sprechenden Jugendlichen auf den Sternmarsch vor, auf dem Helvetiaplatz die Französischsprachigen.

Mehr als 12'000 Jugendliche wurden fürs katholische Jugendtreffen erwartet. Dieses wird auf der Berner Allmend stattfinden. Höhepunkt soll der Auftritt des Papstes während der Eröffnungs-Zeremonie sein. Zur Messe unter freiem Himmel am Sonntag werden dann bis zu 100'000 Menschen erwartet.

Das Motto des zweitägigen Anlasses heisst "Steh auf". Es soll junge Katholikinnen und Katholiken ermuntern, zu ihrem Glauben zu stehen. Das Treffen soll durch Musik, Tanz und eine Serie Workshops geprägt sein.

Neue Impulse für Katholiken

Agnell Rickenmann, Generalsekretär der Schweizer Bischofs-Konferenz (SBK) gibt zu, dass ihm die Organisation des Riesen-Anlasses Kopfschmerzen bereitet habe. Die Arbeit habe sich aber gelohnt. "Wir sind sehr froh, dass er kommt", sagt er gegenüber swissinfo. "Ich denke, es wird dem Katholizismus in der Schweiz neue Impulse verleihen."

Rickenmann betont aber, dass der Anlass zu aller erst ein Treffen junger Menschen sei, der erste solche Anlass mit nationalen Dimensionen überhaupt. "Weil die Schweiz vier Sprachen hat, ist das aufwändiger zu organisieren."

Positive Grundstimmung

Rickenmann von der SBK gestand ein, dass, während sich die Bischöfe und die jugendliche Katholiken auf den Besuch freuten, nicht jedermann "dieselbe Beziehung zum Heiligen Vater" hat.

"Offensichtlich gibt es bei uns auch Priester, die vielleicht etwas kritischer sind", sagte er. "Aber ich denke trotzdem, dass die grunsätzliche Stimmung eine sehr positive ist."

swissinfo

Fakten

Der Papst besucht am ersten Juni-Wochenende die Schweiz.

Es ist sein dritter offizieller Besuch in der Schweiz.

Zum katholischen Jugendtreffen werden mehr als 12'000 Menschen erwartet.

Zur Messe am Sonntag 50'000 - 100'000 Personen.

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