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Trainieren ist zwar gesund, doch auch soziale Faktoren wirken sich auf die Gesundheit aus.

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Soziale Faktoren bestimmen einen Grossteil der Gesundheit. Doch wie kann dies nachhaltig verändert werden? Diese Frage wurde an der Nationalen Gesundheitsförderungs-Konferenz diskutiert, die kürzlich in Pfäffikon durchgeführt wurde.

Verschiedene Studien zeigen: Schwangerschaftsverlauf und Kindheit sind entscheidend für die Gesundheit des ganzen späteren Lebens. Dies hält der Nationale Gesundheitsbericht 2008 fest. Darum ist es wichtig, schon früh im Leben etwas für die Gesundheit zu tun.

Wer aber in sozial schwachen Schichten aufwächst, hat dabei geringere Chancen als jemand aus besseren Verhältnissen. Der Gesundheitsbericht bestätigt damit Angaben der Weltgesundheits-Organisation (WHO).

"Wir haben heute in der Schweiz, wenn wir von Armut reden, damit auch ein Gesundheitsproblem verbunden", sagt Hugo Fasel, Chef des Hilfswerks Caritas, an der Konferenz gegenüber swissinfo.

Als sehr wichtig erachtet Fasel die Chancengleichheit unter Kindern als Faktor für eine bessere Gesundheit: "Wir müssen dafür sorgen, dass die Möglichkeit, eine gute Ausbildung zu bekommen und gefördert zu werden, der allgemeine Ansatz ist - und damit ein wesentlicher Teil der Chancengleichheit darstellt."

Schon lange widerlegt

Die Vorstellung, jeder sei allein für seine Gesundheit verantwortlich, sei bereits vor 200 Jahren widerlegt worden. "Damals hat man schon bemerkt, dass es viel wichtiger ist, beispielsweise am Arbeitsplatz für gesunde Verhältnisse zu sorgen", so Fasel.

Statt also das Verhalten zu beeinflussen, bringe es viel mehr, die Verhältnisse zu verbessern. "Wir müssen dafür sorgen, dass in der Schweiz bessere Verhältnisse bestehen in Bezug auf Zugang zu Bildung und Weiterbildung."

Als Beispiel nannte Fasel in diesem Zusammenhang die "Kulturlegi". Diese ermöglicht es auch sozial Schwächeren, gratis oder zu stark reduzierten Preisen an Kultur-, Sport- und Bildungsveranstaltungen teilzunehmen und sich damit besser zu vernetzen.

Gesetz in Vorbereitung

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt der Christlichdemokrat Urs Schwaller, Präsident der Gesundheitskommission des Ständerats: "Die Armutsbekämpfung hat im Bereich der Sozialpolitik im weitesten Sinne stattzufinden", betonte er. Hier seien in erster Linie Gemeinden und Kantone gefordert, und erst in zweiter Linie der Bund.

"Wenn wir die Schweizer Verhältnisse mit jenen in anderen Ländern vergleichen, stellen wir fest, dass wir eigentlich in sehr guten Verhältnissen leben", so Schwaller.

In seinem Referat setzte er einen Schwerpunkt auf das Präventionsgesetz, das voraussichtlich auf Ende Jahr ins Parlament zur Beratung kommt. Dieses hat zum Ziel, Prävention und Gesundheitsförderung zu stärken, aber auch Koordination und Kompetenzen in diesem Bereich zu verbessern.

Die Kosten für die Gesundheit in der Schweiz würden stetig höher. Heute sei es bereits ein Markt von 60 Milliarden Franken, Tendenz steigend. "Ich glaube, dieser Faktor wird wahrscheinlich auch die Politik dazu bringen, sich vermehrt um das Thema Prävention und Gesundheits-Vorsorge zu kümmern."

Der Blick nach Norden

Auch Deutschland stehe derzeit davor, ein neues Präventionsgesetz zu verabschieden, erklärt Professor Rolf Rosenbrock vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

"In Deutschland haben wir eine breite Debatte darüber, dass die primäre Prävention unter dem Ziel stehen soll, einen Beitrag zur Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen zu leisten."

Um diese Ungleichheit zu verringern, sei in Zukunft eine gesundheitsfördernde Gesamtpolitik nötig. Will heissen: die gesundheitlichen Aspekte sollen in allen Politikbereichen thematisiert werden.

"Deutschland und die Schweiz sind beides Länder, die voneinander gut lernen könnten. Weltweit bekannt ist die hervorragende Ausgestaltung der Aids-Prävention in der Schweiz", betont Rosenbrock.

"In Deutschland ist die betriebliche Gesundheitsförderung unser Flaggschiff, wo wir in den Methoden und der Qualitätssicherung am weitesten sind."

Arbeitsumfeld verbessern

In diesem Bereich hat die Schweizerische Gesundheitsförderung, Organisatorin der zweitägigen Konferenz, ein erstes Programm zusammen mit der Wirtschaft entwickelt. Denn die meiste Zeit verbringen die Menschen an ihrem Arbeitsplatz.

"Es geht um freiwillige Standards des betrieblichen Gesundheits-Managements, die sich die Unternehmen in Zusammenarbeit mit uns gesetzt haben", sagt Direktor Thomas Mattig.

Wenn Firmen diese Standards erfüllen, erhalten sie das Label "Friendly Work Space". "Wir sind jetzt so weit, dass wir im Verlauf des Frühjahrs die ersten Labels vergeben können."

Für Mattig hat die Konferenz vor allem gezeigt, "dass der Dialog mit der Politik wichtig ist, damit die bestimmenden sozialen Faktoren der Gesundheit tatsächlich verändert werden können - und zwar nachhaltig".

swissinfo, Christian Raaflaub, Pfäffikon

Präventionsgesetz

In der Schweiz ist derzeit ein Bundesgesetz über Prävention und Gesundheitsförderung (Präventionsgesetz) in Arbeit.

Im letzten Herbst wurde das entsprechende Konsultations-Verfahren (Vernehmlassung) abgeschlossen.

Bis Ende Oktober 2008 haben zahlreiche Kantone, Parteien, Wirtschaftsverbände, Städte und andere Organisationen Stellung genommen.

Nun ist das Bundesamt für Gesundheit (BAG) daran, die Stellungnahmen auszuwerten.

Es wird erwartet, dass es dem Bundesrat im ersten Quartal dieses Jahres einen entsprechenden Bericht unterbreitet, damit dieser über das weitere Vorgehen entscheiden kann.

Ins Parlament dürfte das Gesetz voraussichtlich Ende Jahr kommen.

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Thema Gesundheit

Das Thema Gesundheit wird in nächster Zeit an verschiedenen Tagungen in der Schweiz weiter diskutiert.

Am 9. Juli an der Nationalen Tagung für betriebliche Gesundheitsförderung in Zürich.

Am 27. und 28. August findet in Zürich die Swiss Public Health Conference 2009 zum Thema "Gesundheitskompetenz" statt.

Und in Genf ist 2010 vom 11. bis 15. Juli die Weltkonferenz der Gesundheitsförderung (IUHPE) geplant.

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