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Flughafen Unique Kloten will Anwohner beruhigen

Josef Felder musste sich am Dienstag harten Fragen stellen.

(Keystone)

Unter teilweise massiver Kritik hat die Flughafenbetreiberin Unique das neue Flughafen-Betriebsreglement präsentiert. Über das Gesuch wird das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) im November entscheiden.

Laut Unique sollen die Anwohner geschont werden, doch diese reagierten empört.

Die Wichtigkeit der neuen Regelungen wurde am Dienstag unterstrichen, als der Vorsteher des Bundesamts für Verkehr für die Verhandlungen nach Zürich reiste.

"Sogar wenn wir über die grossen Alpen-Tunnels sprechen, bleiben wir normalerweise in Bern", betonte Max Friedli zur Eröffnung der Gespräche.

Friedli war nach Zürich gereist, um das neue Flughafen-Betriebsreglement für den Flughafen Zürich Kloten zu besprechen. Dieses war kurz zuvor den Medien präsentiert worden.

Kritik von allen Seiten

Der Direktor von Unique, Josef Felder, hatte in den letzten Tagen viel Kritik einstecken müssen betreffend Verspätungen - doch hauptsächlich wegen des Beinahe-Zusammenstosses vom letzten August.

Wegen dieses Zwischenfalls hatte das BAZL am 12. Dezember grössere Distanzen zwischen den Flugzeugen in der Luft verordnet und damit die Kapazitäten des Flughafens verringert. Diese Information hatte Unique allerdings der Öffentlichkeit vorenthalten.

"Wir haben nichts versteckt und akzeptieren die Kritik gegen uns nicht. Wir sind die Infrastruktur, die Flugkontrolle ist Skyguide, und die Aufsicht ist das BAZL", betonte Felder am Dienstag.

Plädoyer für "seinen" Flughafen

Auf die diversen Übernamen angesprochen, die der Flughafen und seine Betreiber in der Region geniessen ("Lughafen", "die Lügenbarone von Kloten"), begann Felder ein regelrechtes Plädoyer für den Flughafen, den er seit Ende 1998 leitet.

"Es fehlt eine klare politische Linie. Es wäre eine grosse öffentliche Diskussion nötig, ob die Schweizer einen Hub, einen internationalen oder einen regionalen Flughafen wollen." Felder freut sich jedoch, dass Bern vor dem Europäischen Gerichtshof Rekurs gegen die einseitigen Massnahmen Deutschlands eingelegt hat.

Wir sind eine "KMU"

Eine weitere Schwierigkeit liegt laut Felder im Unterschied der Natur des Flughafens, einer "KMU", und den internationalen Aktivitäten. (Die "KMU" Unique zählt immerhin etwas über 1000 Angestellte).

Wenn es um Zahlen geht, hat Felder jedoch eine Bitte: "Schreiben Sie bitte nicht, wie ich es schon verschiedentlich lesen musste, dass ich von 350'000 Flugbewegungen in Kloten träume. Die 350'000 sind ein Rahmen, den wir uns im Betriebsreglement gegeben haben. Sie sind weder ein Wunsch noch ein Ziel."

Wartezonen verschieben

Ausser dem generellen Rahmen sind doch einige Neuerungen in diesem Reglement vorhanden. Die wichtigste: Die Warteräume, die sich gegenwärtig noch zum Teil über Deutschland befinden, sollen nur noch über der Schweiz geflogen werden, wie dies Berlin fordert. Diese Änderungen sollen ab Februar 2005 umgesetzt werden.

Die Mindesthöhen der Warteräume bewegen sich zwischen 2100 und 3950 Metern über Meer. Deshalb sind gemäss den Verantwortlichen des BAZL "keine relevanten Immissionen" zu erwarten.

Europäischer Vergleich

Warteräume zu verschieben wird kein schwierige Aufgabe sein. Andere Änderungen in Kloten hätten den Betrieb auf dem Unique-Airport stärker betroffen, so das Management.

So sei Zürich der einzige europäische Flughafen, der wegen der Lärmvorschriften auf einen Nachtbetrieb verzichten müsse. Zürich sei auch der Flughafen mit den wenigsten Betriebsstunden ohne Einschränkungen, von 7 bis 21 Uhr.

Laut neuem Betriebsreglement soll in Zürich Kloten noch von 6 bis 23 Uhr, bei Verspätungen aber bis 23.30 Uhr, geflogen werden. Die Nachtsperre wird dadurch um anderthalb Stunden verlängert. Im Gegenzug wird tagsüber eine flexiblere Pistennutzung angestrebt.

"Mehr Nachtruhe"

"Dies gibt unseren Anwohnern anderthalb Stunden mehr Ruhe", erklärte Felder.

Doch für die Bewohner der Südanflugs-Schneise, die wegen der deutschen Restriktionen den Fluglärm neu über sich ergehen lassen müssen, bedeutet dies keine Änderung. Aus südlicher Richtung darf schon heute kein Flugzeug vor 6 Uhr landen.

Grössere Abstände

Eine weitere Änderung, die aus dem Beinahe-Zusammenstoss vom letzten August resultiert, sind die Abstände zwischen startenden und landenden Flugzeugen.

Gemäss Unique sollen die auf Piste 16 in Richtung Süden startenden Flugzeuge statt kurz nach dem Abheben über Wallisellen erst etwas später über Dübendorf nach links abdrehen.

Diese Route wird als "wide left turn" bezeichnet. Maximal täglich 30 Starts sollen nach diesem Verfahren geflogen werden - um gefährliche Annäherungen von Flugzeugen zu verhindern.

Nun warte man auf den Bericht des Büros für Flugunfalluntersuchungen (BFU). Dann könnte das Projekt der grösseren Abstände angepasst werden, so die Flughafen-Betreiber.

Kleiner Protest

Das neue Betriebskonzept für den Flughafen Zürich stösst nicht nur in der Stadt Zürich auf massiven Widerstand. Auch die Gemeinden südöstlich des Flughafens fürchten sich vor mehr Lärm.

Eine Delegation von "Zürich-Nord gegen Fluglärm" bemängelte, Unique habe sein neues Betriebsreglement bereits vor dem Beginn der Mediation mit dem BAZL und betroffenen Akteuren betreffend den Lärmimmissionen eingereicht.

Das neue Reglement soll so lange gelten, bis das Mediationsverfahren eine definitive Lösung ergeben hat. Es handle sich um "ein Übergangsregime ohne präjudizierende Wirkung", betonte Max Friedli, Direktor des Bundesamtes für Verkehr und BAZL-Direktor ad interim.

swissinfo, Ariane Gigon Bormann, Zürich
(Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub)

In Kürze

Der Flughafen Zürich AG (Unique-Airport) hat am Dienstag ein neues Betriebsreglement präsentiert, das er dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) zur Prüfung unterbreitete.

Der Flughafen will eine Reduktion der vom Lärm betroffenen Anwohner erreichen. Von 50'000 im Jahr 2000 soll die Zahl bis 2010 auf 40'000 gesenkt werden.

Die Betreibergesellschaft schätzt, dass der Flughafen Zürich Kloten von allen europäischen Flughäfen den schärfsten Restriktionen wegen Lärmimmissionen untersteht.

Kloten habe ausserdem die kürzeste Zeit ohne Restriktionen, von 7 bis 21 Uhr. Diese Zeiten dauern in Paris Charles de Gaulle von 6 bis 23.15 Uhr und in Milano von 6.30 bis 23.30 Uhr.

Die Verantwortlichen des Flughafens hoffen, dass mit dem neuen Betriebsreglement Restriktionen des BAZL wegen eines Beinahe-Zusammenstosses im August 2003 verhindert werden können.

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