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Friedliche Koexistenz der islamischen Konfessionen

Am Jahreskongress der Liga der Schweizer Muslime im Juni 2001.

(Keystone)

Im Irak droht derzeit ein Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten. Die Schweizer Muslime jedoch arbeiten eng zusammen. Migrationserfahrungen wiegen stärker als Minderheitenprobleme.

Seit dem Tod des Religionsstifters Mohammed im Jahr 632 wird die islamische Welt durch den Streit zwischen Sunniten und Schiiten geprägt.

Von einem "intensiven Austausch" spricht Farhad Afshar, der Präsident der Koordination islamischer Organisationen in der Schweiz (KIOS). "Schiiten beten in sunnitischen Moscheen und umgekehrt." In der Schweiz leben rund 330'000 Muslime.

"Das Lebensgefühl ist weit weniger differenziert als zwischen Katholiken und Protestanten." In der Schweiz seien alle Muslime gleichermassen von der Migrationserfahrung in ihrer Familie geprägt, betont Afshar.

Differenzen ergäben sich denn auch weit eher aus der Herkunft als aufgrund der Konfession: "Zwischen Sunniten aus Somalia und aus Indonesien gibt es grössere Unterschiede als zwischen Sunniten und Schiiten aus demselben Land."

Afshar selbst präsidiert als Schiite den Islamischen Kantonalverband Bern (Umma), in dem 13 Vereine zusammengeschlossen sind, 12 davon sunnitisch. Insgesamt sind gemäss Afshar rund 15% der Schweizer Muslime Schiiten - dies entspricht ihrem Anteil in der islamischen Welt.

Ouardiri: Westen schürt Gegensätze

Die Kulturelle Islamische Stiftung in Genf sei "offen für alle", erklärt ihr Sprecher Hafid Ouardiri. Auch er bezeichnet die Beziehungen zwischen den islamischen Konfessionen in der Schweiz als "exzellent".

Gleichzeitig wirft er westlichen Medien und Politikern vor, die Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten im Nahen und Mittleren Osten zu verstärken. Die USA würden im Irak einen Bürgerkrieg heraufbeschwören und damit ihre Besatzung des Landes rechtfertigen.

Schon in der Kolonialzeit hätten die Briten die konfessionellen Gegensätze im Islam geschürt. "Die Geschichte wiederholt sich", sagt Ouardiri. Er betont, dass Sunniten und Schiiten in den meisten Ländern während Jahrhunderten friedlich zusammengelebt hätten.

Experte: Wachsende Ressentiments

Laut Reinhard Schulze, Professor für Islamwissenschaft an der Universität Bern, sind innerstaatliche Konfessionskriege in islamischen Ländern tatsächlich ein Phänomen des 19. und 20. Jahrhunderts - und damit der Kolonialzeit.

Allerdings hätten das sunnitische Osmanische Reich und das schiitische Persien ihre Kriege ohne Zutun westlicher Kolonialmächte teilweise konfessionell begründet. Und im Irak trage Ex-Diktator Saddam Hussein einen bedeutenden Teil der Schuld für den heutigen Hass zwischen Sunniten und Schiiten.

Vom Irak ausgehend befürchtet Schulze künftig wachsende Ressentiments zwischen den zwei grössten islamischen Konfessionen. Ein Überschwappen der Streitigkeiten auf westliche Länder mit beiden Bevölkerungsgruppen sei aber nicht zu erwarten.

Konfessionsfrieden in der Schweiz

"Die Umfeldbedingungen sind hier ganz anders. Die Gefahr, dass sich die Minderheit der Schiiten von der sunnitischen Mehrheit unterdrückt fühlt, besteht nicht", sagt Schulze.

Es seien einzelne Sekten wie die sunnitischen Taliban in Afghanistan, die Schiiten nicht als wahre Muslime anerkannten, erklärt Afshar vom Islamischen Kantonalverband Bern. Mit dieser Position seien sie in der islamischen Welt isoliert: "Und in der Schweiz spielen sie gar keine Rolle."

swissinfo und Serge Kuhn, sda

In Kürze

Die religiöse Landkarte der Schweiz hat sich in den vergangenen 30 Jahren entscheidend verändert.

Noch in den 1970er-Jahren gehörten rund 90% der Bevölkerung einer der christlichen Landeskirchen (Katholisch, Protestantisch) an.

Als Folge der Migration und der Globalisierung hat der Anteil von Menschen aus anderen Religionskreisen zugenommen.

Ein wichtiger Grund für die Zunahme der Moslems waren die Kriege auf dem Balkan, welche Hunderttausende von Menschen auf die Flucht in den Norden getrieben hatten.

Das Zusammenleben der Religionen gestaltet sich auch in der Schweiz nicht ohne Probleme.

Stichworte sind: Schleierdiskussion, der Bau von Minaretten und die Diskussionen um die Mohammed-Karikaturen im Spannungsfeld von Religions- und Meinungsfreiheit.

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Religionen in der Schweiz

Katholisch: 41,8%
Protestantisch: 35,3%
Christkatholisch 0,2%
Christlich Orthodoxe: 1,8%
Andere christliche Gemeinschaften: 0,2%
Juden 0,2%
Muslime: 4,3%
Andere Religions-Gemeinschaften: 0,8%
Keine Religions-Zugehörigkeit: 11,1%
Keine Angaben: 4,3%

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