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Fromme Gesänge, Pferdewagen und Schweizerfahnen

Erwachsenentaufe im Film "Im Leben und über das Leben hinaus".

Sie leben streng nach der Bibel und lassen sich als Erwachsene taufen. Der Berner Dokumentarfilmer Peter von Gunten hat sich auf die Spur der Amischen und Mennoniten gemacht.

Der Film "Im Leben und über das Leben hinaus" porträtiert Täufer aus dem Schweizer Jura und aus Adams County im US-Gliedstaat Indiana.

"Gott hät mir plenty zyt gä", erzählt ein älterer Amischer in einer merkwürdigen Mischung aus Schweizerdeutsch und Amerikanisch in die Kamera. Bescheiden gekleidet, berichtet er über sein einfaches Leben in Adams County (Indiana, USA) auf dem Weg zu Gott. Hier trägt man keinen Schmuck und fährt kein Auto.

"Wünschten Amische, nicht gefilmt zu werden, habe ich das respektiert", sagt Peter von Gunten gegenüber swissinfo. So durfte er in einer amischen Schule das Klassenzimmer nur mit leeren Schulbänken zeigen, die Schüler sind nicht im Bild.

Das Abbildungsverbot bei den Amischen basiert auf der Idee, dass der Mensch als Gottes Nachbildung nicht dargestellt werden dürfe. "Ausserdem lehnen diese streng Gläubigen jegliche Eitelkeit ab", ergänzt von Gunten. Sich filmen oder fotografieren zu lassen, wäre Ausdruck von Eitelkeit.

Daher habe er die Aufnahmen mit Schülern für den Film nicht verwendet, sagt der Filmemacher: "Das wären gestohlene Bilder gewesen."

Leben wie im 17. Jahrhundert

Dabei hat sich Peter von Gunten für den Film viel Zeit genommen. Zwei Jahre für die Recherchen und drei Jahre für die Dreharbeiten. "Bilder drehen war jedoch meist tabu, dafür blieben viele freundschaftliche Beziehungen", sagt er.

"Doch gibt es auch unter den Amischen unterschiedliche Ausprägungen", sagt von Gunten und erzählt von einer Gruppe Frauen, die sich noch so gerne beim Singen filmen liess.

Die Mehrheit der Amischen leben noch heute wie ihre Vorfahren im 17. Jahrhundert, als sich diese von den eher fortschrittlichen Emmentaler Mennoniten abspalteten und unter der Leitung von Jakob Ammann ins Elsass zogen. Viele ziehen mit dem Pferdewagen übers Land und leben ohne Telefon.

Bekenntnisse von jungen Gläubigen

Der Film "Im Leben und über das Leben hinaus" beginnt mit stimmungsvollen Bildern der Landschaften, wo die Täufer heimisch sind - etwa die Mennoniten-Gemeinde Sonnenberg im jurassischen Tramelan.

Auf hohen schlanken Eisenstangen in der grünen Hügellandschaft drehen sich Windräder. Eine Gruppe junger Mädchen vergnügt sich am Wasser. In einer weiteren Szene erklärt ein junger Mennonit: "Man wird nicht als Christ geboren, sondern kann es aus freiem Willen, durch das Glaubensbekenntnis werden."

Der Film schliesst mit einer Tauf-Zeremonie. Die junge Celina hat sich nach reiflicher Überlegung zu diesem Schritt entschlossen. Zusammen mit einem Prediger und einer Predigerin steht sie bis zu den Hüften im Wasser und taucht dann rückwärts unter.

Vom Umgang mit religiösen Minderheiten

Bei seinen Recherchen in der vor über 150 Jahren von Schweizer Mennoniten gegründeten Kleinstadt Berne im US-Staat Indiana ist Peter von Gunten auch auf seinen eigenen Namen gestossen. "Ich habe nachgeforscht, aber bis ins Jahr 1750 zurück keine von Guntens von meiner Seite gefunden", sagt er.

Auf die Thematik der Täufer kam von Gunten indirekt durch einen Film, den er zuvor über sudanesische Christen gedreht hatte, die vor fundamentalistischen Muslimen geflohen waren. "Ich fragte mich dann, wie wir in der Schweiz mit religiösen Minderheiten umgehen", erklärt der Filmemacher.

Geschlossene Gesellschaft

Der Film "Im Leben und über das Leben hinaus" weckt mit seinen ruhigen Aufnahmen singender Gläubiger, unberührter Landschaften und nachdenklicher Menschen Neugier auf diese Glaubens-Gemeinschaften, die offenbar mit sich und Gott im Frieden leben.

Missionierung kennen sie nicht. "Die Amischen sind eine geschlossene Gesellschaft, die sich nur über die Familien fortpflanzt", so von Gunten. Auch die Mennoniten werben nicht um Mitglieder, doch ganz so isoliert von der Aussenwelt wie die Amischen leben sie nicht.

So fragt etwa ein kritischer Mennonit aus Berne, Indiana, im Film: "Warum sagt Präsident Bush eigentlich bei jeder Gelegenheit 'God bless America'? Soll die übrige Welt etwa nicht gesegnet sein?"

swissinfo, Susanne Schanda

Fakten

Peter von Gunten wurde 1941 in Bern geboren.
1970 realisierte er seinen ersten Dokumentarfilm "Bananera – Libertad" über Produktionsverhältnisse in Paraguay, Peru und Guatemala.
Es entstanden weitere Dokumentarfilme, mehrere in Lateinamerika.
Mit "Die Auslieferung" (1976), "Kleine frieren auch im Sommer" (1978) und "Pestalozzis Berg" (1988) machte sich Peter von Gunten auch als Spielfilmautor einen Namen.
2006 erhielt er den Filmpreis der Berner Filmförderung.

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In Kürze

Peter von Gunten zeigt in seinem Dokumentarfilm "Im Leben und über das Leben hinaus" Taufgesinnte, die heute in der Evangelischen Mennoniten-Gemeinde Sonnenberg im Schweizer Jura leben, und Mennonites und Amish schweizerischer Herkunft in Berne, Adams County Indiana, in den USA.

Der Film wird während des Täuferjahrs an verschiedenen Orten vorgeführt und kann als DVD in Buchhandlungen oder bei CINOV Filmproduktion bezogen werden (www.artifar.com/clients/vogu/)

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DIE TÄUFER

Zu den Täufern gehören unterschiedliche Glaubensgemeinschaften. Weltweit gibt es etwa eine Million Mennoniten (benannt nach dem niederländischen Täuferführer Menno Simons).

1693 spalteten sich die Amischen von den Mennoniten ab und verfolgen seither eine konservative Lebensweise. Ihr Name geht auf Jakob Amman aus dem Simmental zurück. Heute leben sie in 26 Staaten der USA in 1200 Siedlungen.

Die Mennoniten oder Alttäufer in der Schweiz umfassen rund 2500 Mitglieder. Ihre 14 Gemeinden befinden sich im Emmental, im Jura, sowie in den Regionen Bern, Biel und Basel. Die Alttäufer sind in der "Konferenz der Mennoniten der Schweiz" vereint.

Die Neuteufer spalteten sich 1834 von der Landeskirche ab. Die rund 2000 Personen in 20 Gemeinden im Kanton Bern und im östlichen Teil der Schweiz sind im "Bund Evangelischer Täufer" organisiert.

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