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Lara Gut: Trotz Sommerhitze den Skisport im Visier

Lara Gut präsentiert ihren neuen Schriftzug.

(Keystone)

Die junge Schweizer Skirennfahrerin Lara Gut plant ihr grosses Comeback im Herbst. Dafür muss sie auch im Sommer hart trainieren. Ihre Verletzungspause und Rehabilitation nutzte sie zur Arbeit an ihrem Image. Auch das gehört zum heutigen Profisport.

32 Grad im Schatten. Hochsommer in Lugano. Wer mag da an Skifahren denken?

Lara Gut tut es. Und sie muss es tun. Denn sie hat ein klares Ziel: Am 23. Oktober will die Tessinerin im österreichischen Sölden beim ersten Weltcup-Rennen der Saison dabei sein.

"Es geht mir sehr gut, ich fühle keinerlei Schmerzen mehr in der Hüfte", meint die 19-jährige Skifahrerin, zweifache Vize-Weltmeisterin von Val d’Isère 2009 und eine der grossen Hoffnungen des Schweizer alpinen Skisports.

Bei einem Unfall im Training am 29.September letzten Jahres hatte sie sich eine Luxation der rechten Hüfte zugezogen und musste operiert werden. Auf die olympischen Winterspiele in Vancouver musste sie verzichten.

Das ist nun Geschichte. "Nur Wetterumschläge kann ich irgendwie spüren", sagt sie.

Neues Image

Seit ihrem Unfall ist Lara Gut sichtlich gereift. Aufgestellt und braungebrannt trat sie dieser Tage in Lugano vor die Presse. Etliche Sponsoren-Schriftzüge zieren ihr Leibchen. Als Neuigkeit sieht man eine Zahnspange.

"Ich habe in der Zeit seit der Verletzung auch einen inneren Weg zurückgelegt – ich habe gemerkt, dass die Leute mich nicht nur als Athletin gesehen haben, sondern sich auch ein Bild von mir machen", so Lara Gut. Sie habe daher intensiv daran gearbeitet, ihr eigenes Image zu verstehen und zusammen mit Profis auszuarbeiten.

Entstanden sind ein Logo (LG), ein Farbdesign (grüne Schrift auf schwarzem Grund) und eine Homepage, sozusagen das Markenzeichen von Lara Gut im Sinne eines positiven Images. Lara, die lacht und fröhlich ist, und die einen gewissen Sex-Appeal ausstrahlt.

Operation Marketing? "Nein, es ist so, wie ich bin, und so, wie ich sein will", behauptet Gut. Auch in fünf Jahren noch und auch dann, wenn sich vielleicht keine sportlichen Erfolge mehr einstellen sollten.

Und doch überrascht die Frage eines Journalisten nicht: Ob sie schon an ein eigenes Parfum gedacht habe? Lachend verneint sie.

Athleten-Management und Rolex

Die Markengestaltung – entwickelt von der Firma Moser in Lausanne – zeigt indes klar auf, dass das Team um Lara Gut die Professionalisierung und Vermarktung des grossen Nachwuchsstars gezielt vorantreibt. Offenbar geht daran kein Weg vorbei, um heute im Profisport auf oberster Ebene mithalten zu können.

Dies spiegelt sich auch im Vertrag mit dem Sportvermarkter und Athleten-Management IMG, der mit Luxus-Uhrenhersteller Rolex zusammenarbeitet und bei dem die junge Sportlerin neuerdings unter Vertrag steht – "neben Roger Federer die einzige Schweizer Athletin", wie Lara Gut stolz betont.

Häufiger werden auch ihre Auftritte bei Sponsorenanlässen. So nahm sie kürzlich an den Feierlichkeiten zum ersten Jahrestag der Eröffnung der Tamina Therme in Bad Ragaz teil und amüsierte sich an der Pool-Party.

Dazu kommt Freiwilligenarbeit: Am 6. Juni war sie Patin beim Fussballspiel in Chiasso zwischen der Nationalmannschaft der italienischen Sänger, die seit 20 Jahren für wohltätige Zwecke spielt, und der Auswahl des "Progetto Amore Schweizer Stars" – initiiert vom Sänger Paolo Meneguzzi.

Familie steht hinter Erfolg

Getragen fühlt sich die Skifahrerin von ihrer Familie und ihrem Team, das mittlerweile sechs Personen zählt, darunter Konditionstrainer und eigener Physiotherapeut.

Eine wichtige Rolle spielt auch ihr jüngerer Bruder Ian, mit dem sie gerade 10 Tage gemeinsam trainiert hat.

Zuoberst stehen aber Vater und Teamchef Pauli Gut sowie Mutter Gabriella, die das Talent der jungen Lara stets mit natürlichem Ehrgeiz gefördert haben. Schon mit eineinhalb Jahren war Lara auf Skiern gestanden.

Pauli Gut, aufgewachsen in Airolo als Sohn von Deutschschweizern, ist nach dem Weggang von Mauro Pini zu Swiss Ski sogar Cheftrainer des Familienbetriebs geworden.

Denn auch wenn Lara zum Kader von Swiss Ski gehört, hat sie mit Billigung des Verbandes einen privaten, durch Sponsoren finanzierten Stab. "Wer alle vier Disziplinen fährt, braucht diese individuelle Betreuung", verteidigt Papa Gut dieses Modell.

Der Vater als Trainer? "Es gibt positive und negative Aspekte, denn man sieht sich ständig. Und eine junge Frau mit 19 Jahren will auch ihre Freiheit. Aber wir haben keine Probleme", so Pauli Gut.

Fest steht: Lara und ihr Team sind klar gewillt, in der kommenden Saison an die grossen Erfolge anzuknüpfen. Dafür wird hart gearbeitet. Und die mentale Verfassung der Rennfahrerin scheint sehr gut. Der Unfall hat offenbar kein Trauma hinterlassen. "Wenn man Angst hat vor Verletzungen, sollte man gar nicht Skifahren", meint sie selbstbewusst.

Gerhard Lob, Lugano, swissinfo.ch

Die Tessinerin

Lara Gut wurde am 27. April 1991 geboren und begann bereits als kleines Kind, in Airolo Ski zu fahren. Sie war gerade mal eineinhalb Jahre alt.

Die junge Skirennfahrerin (160 cm, 57 kg) lebt in Comano bei Lugano, zusammen mit Mutter Gabriella – einer Sportlehrerin – und Vater Pauli, der ebenfalls Lehrer ist, sowie dem jüngeren Bruder Ian.

Die Mutter von Lara Gut stammt aus dem Jura. Zuhause sprach Lara daher stets Italienisch und Französisch.

Durch ihre internationale Tätigkeit spricht Lara Gut inzwischen auch Deutsch (Schweizerdeutsch), Englisch und Spanisch.

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Die grössten Erfolge

Lara Gut gilt als eines der grössten Talente unter den Schweizer Skirennfahrerinnen.

Ihre grössten Erfolge waren die beiden WM-Medaillen von Val d'Isère (Abfahrt und Super-Kombination) im Februar 2009.

In der Saison 2008/2009 errang sie auch ihren ersten und bisher einzigen Weltcupsieg beim Super-G in St. Moritz.

Im September 2009 stürzte die zweifache Vize-Weltmeisterin beim Training in Saas-Fee schwer: Sie zog sich eine Luxation der rechten Hüfte zu und musste im Oktober operiert werden.

Aus diesem Grund konnte sie bei den Olympischen Winterspielen von Vancouver im Februar 2010 nicht antreten.

Im gleichen Monat begann sie erst wieder mit dem Training auf Ski in Andermatt, Uri.

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