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Schweizer Botschafter in Tokio: "Wir bleiben"



Die Fukushima-Reaktoren nach der dritten Explosion.

Die Fukushima-Reaktoren nach der dritten Explosion.

(Keystone)

Trotz der Entwicklung im Kernkraftwerk Fukushima und steigender Strahlenbelastung bleiben Botschafter Urs Bucher und sein Team in Tokio. Nach dem Erdbeben und der anschliessenden Riesenwelle seien bis jetzt keine Schweizer Opfer zu beklagen.

swissinfo.ch: Nach der dritten Explosion im Kernkraftwerk Fukushima hat die japanische Regierung Strahlenalarm ausgerufen. Fühlen Sie sich noch sicher in Tokio?

Urs Bucher: Momentan ist die Entwicklung in den beschädigten Nuklearanlagen unvorhersehbar und Nachbeben sind möglich.

Wir empfehlen deshalb allen Schweizerinnen und Schweizern, die sich in den Krisengebieten im Nordosten Japans und im Grossraum Tokio/Yokohama befinden und deren Anwesenheit nicht dringend erforderlich ist, diese Gebiete vorübergehend zu verlassen, wo dies sicher erscheint.

Es besteht natürlich eine gewisse Unsicherheit. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Tokio verfolgen aber regelmässig die Lagebeurteilungen der japanischen Behörden. Und wir Schweizer natürlich jene von den schweizerischen Behörden.

swissinfo.ch: Treffen Sie Vorsichtsmassnahmen?

U.B.: Wir beobachten die Situation permanent und stehen im engen Kontakt mit den Behörden und informieren unsere Landsleute über Mailings, unsere Website und Direktgespräche.

Die Botschaft bietet schweizerischen Staatsangehörigen die Möglichkeit, sich mit Jodtabletten zu versorgen. Wir haben selbstverständlich auch Vorsichtsmassnahmen im Sinne einer Eventualplanung getroffen.

swissinfo.ch: Ziehen Sie nach den neusten Meldungen Botschaftspersonal ab?

U.B.: Nein, wir haben eine Aufgabe. Und wir werden die auch inskünftig wahrnehmen.

swissinfo.ch: Was sind im Moment Ihre grössten Sorgen auf der Botschaft?

U.B.: Wir haben im Moment zwei Hauptaufträge. Zum einen identifizieren wir die in Japan und insbesondere im Krisengebiet sich aufhaltenden Schweizerinnen und Schweizer und versorgen diese mit den notwendigen Informationen.

Wir konnten bisher glücklicherweise feststellen, dass keine schweizerischen Opfer zu beklagen sind.

Zum anderen unterstützt die Botschaft das Rettungsteam des Schweizer Korps für humanitäre Hilfe, welches im Moment im Hauptkrisengebiet im Einsatz ist.

swissinfo.ch: Die Schweizer Helfer konnten ihre Arbeit wegen einer Tsunami-Warnung aber noch nicht beginnen. Und das deutsche technische Hilfswerk hat seinen Einsatz bereits beendet, weil niemand mehr zu retten sei, wie es hiess. Können die Schweizer da noch etwas ausrichten?

U.B.: Es trifft zu, dass die Rettungsarbeiten am Montag zweimal unterbrochen wurden. Am Dienstag kam das Suchteam aber zum Einsatz. Und es wird voraussichtlich auch am Mittwoch einen Einsatz leisten.

swissinfo.ch: Mit welchen Problemen kontaktieren Schweizerinnen und Schweizer die Botschaft?

U.B.: Von Seiten der hier sesshaften schweizerischen Landesangehörigen werden uns nur wenige Probleme zugetragen und vor allem Fragen zur Sicherheitslage gestellt.

Wir haben bisher 1580 der insgesamt 1890 angemeldeten Landsleute kontaktieren können. Glücklicherweise konnten wir mit allen 100 bei uns registrierten Schweizern und Schweizerinnen, die direkt im Katastrophengebiet leben, Kontakt aufnehmen.

swissinfo.ch: Wie organisieren Sie sich auf der Botschaft? Ist die Botschaft 24 Stunden erreichbar?

U.B.: Die Botschaft arbeitet seit unmittelbar nach dem Beben am 11. März im 24-Stunden-Betrieb. Wir sind alle im Schichtbetrieb im Einsatz und die Botschaft ist rund um die Uhr erreichbar. Auch in den kommenden Tagen.

swissinfo.ch: Reisen viele Schweizerinnen und Schweizer heim?

U.B.: Wir haben dazu keine Zahlen, da sich wohl nur ein Teil der Ausreisenden bei uns abmeldet. Manche der hier sesshaften Schweizer Staatsangehörigen, die in vielen Fällen japanische Partner haben, bewegen sich an sicherere Orte, etwa im Süden des Landes.

swissinfo.ch: Nun wird überall Energie gespart. Züge verkehren seltener. Sparen Sie auch Strom auf der Botschaft?

U.B.: Selbstverständlich. Wir haben den Stromverbrauch auf das absolut notwendige beschränkt.

swissinfo.ch: Erdbeben und Tsunami sind im Westen wegen der Atomkatastrophe in den Hintergrund gerückt. Wie ist das in Japan?

U.B.: In der vom Erdbeben am stärksten betroffenen Region dürfte nach wie vor die Suche nach den Tausenden von Vermissten die Hauptsorge darstellen.

Glückskette sammelt

Ab sofort sind Spenden möglich auf das Postkonto 10-15000-6, Vermerk "Japan" oder online: www.glueckskette.ch

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Hamsterkäufe in Tokio

Die Eskalation der Atomkrise in Japan hat am Dienstag laut Agenturberichten in der Hauptstadt Tokio teilweise panikartige Reaktionen ausgelöst.

Bewohner deckten sich mit Überlebens-Utensilien und Lebensmitteln ein.

Mehrere Botschaften und internationale Konzerne riefen ihre Beschäftigten dazu auf, von Radioaktivität betroffene Gebiete zu verlassen.

Einige Unternehmen erwägten, ihren Sitz vorübergehend nach ausserhalb von Tokio zu verlegen.

Die Swiss-Flüge vom Dienstag und Mittwoch von Tokio nach Zürich sind ausgebucht.

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Nikkei-Index stürzt ab

Die neuen Hiobsbotschaften vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima I haben an der Börse in Tokio am Dienstag dramatische Kursstürze verursacht.

Der Nikkei-225-Index sackte um 10,55% auf 8605,15 Punkte ab, der grösste Kursverlust seit Oktober 2008.

Zwischenzeitlich lag der Leitindex sogar mit mehr als 14% im Minus.

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Japan in Not

Das Erdbeben der Stärke 9 und der darauf folgende Tsunami, eine Flutwelle von rund 10 Metern Höhe, zerstörten am Freitag, 11. März, weite Teile der Nordostküste Japans.  

Schätzungen sprechen von möglicherweise über 10'000 Toten.

Landesweit sollen mindestens 300'000 Menschen in Sicherheit gebracht worden, sein, rund 5,5 Millionen Menschen müssten vorerst ohne Strom auskommen.

Das Kernkraftwerk von Fukushima ist schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Nach drei Explosionen in Reaktorgebäuden wurde eine mögliche Kernschmelze befürchtet.

Die Strahlenbelastung soll auch in der Region Tokio zugenommen haben.

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swissinfo.ch


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