Vergoldete Schweizer Campingplätze

Camper auf der Bernina-Passhöhe im Kanton Graubünden. Keystone / Martin Ruetschi

Camping ist in der Schweiz ein Trend. Willkommen sind allerdings nur begüterte Gäste. Schweizer Campingplätze sind die teuersten Europas. Da erstaunt es kaum: Die besten Gäste sind die Schweizer selbst.

Dieser Inhalt wurde am 03. Juli 2019 - 10:00 publiziert

Wir widmen dem Thema "Camping in der Schweiz" eine Serie. Waren Sie schon mal in der Schweiz campen? Dann schicken Sie uns Fotos und Erlebnisberichte!

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Camping hat sein spiessbürgerliches Image abgelegt. Camping ist cool – und beliebt.  Das zeigt sich an den Zahlen: 2018 registrierten die Campingplätze 3,6 Millionen Logiernächte, 12,8% mehr als im Vorjahr. Schon im Vorjahr war ein Rekord gebrochen worden.

Michael Sterk von Bantam Camping, einer der führenden Campingfachmärkten der Schweiz spürt das bei den Verkäufen: "Die haben sich in den letzten zehn Jahren verzweieinhalbfacht." Bei Reisemobilen gebe es in den ersten fünf Monaten 2019 einen Zuwachs von 20% und mehr.

Sterk erzählt, dass sich viele Personen kurz vor dem Ruhestand den Traum eines Campers erfüllen. Weil jetzt die geburtenstarken Jahrgänge in Pension gehen, wirke sich das möglicherweise auf die Verkaufszahlen aus. "Wir rechnen damit, dass der positive Trend noch einige Jahre andauern wird", so Sterk.

Ganzjährig campen

Schweizer und Schweizerinnen gehen immer häufiger auch im Winter campen. "Beim Fahrzeugkauf achten deshalb viele Kunden auf die Wintertauglichkeit, sie wollen also beispielsweise beheizte Tanks, Isoliermatten für die Aussenfenster oder eine Dieselheizung", so Sterk. Aber auch Klimaanlagen werden aufgrund der heissen Sommertemperaturen vermehrt nachgefragt.

Wintercamping wird immer beliebter. Campingplatz in Les Mosses. © Keystone / Leo Duperrex

Offenbar suchen Schweizerinnen und Schweizer die Nähe zur Natur – aber bitte komfortabel.

Glamping: Glamourös Campen

Den Trend zum komfortablen Campen bestätigt auch Oliver Grützner, Leiter Tourismus und Freizeit beim Touring Club Schweiz (TCS), der viele Campingplätze betreibt. Viele Schweizer Campingplätze bauen "Glamping-Unterkünfte", also Übernachtungsmöglichkeiten in Bungalows, Jurten, Fässern oder Zirkuswagen.

"Glamping entspricht der Weiterentwicklung vom Outdoor-Bedürfnis der Kunden bei gleichzeitigem Komfort", erklärt er. "Viele Schweizer und Schweizerinnen haben zwar Geld, aber wenig Zeit. Sie schätzen es, dass sie kein Zelt schleppen müssen und spontan anreisen können."

Schweizer Campingplätze sind stark auf Schweizer Gäste ausgerichtet. "75% unserer Kunden sind Inländer", so Grützner. "Wir profitieren von der Flugscham. Es ist klimafreundlicher, in der Schweiz zu campen als nach Bali zu fliegen."

Über alle Schweizer Campingplätze gesehen sind es 67%. Besonders beliebt sind laut Grützner bei Schweizerinnen und Schweizern Kurzurlaube an Wochenenden oder Spontanferien.

Vergoldete Campingplätze

Trotz des Camping-Trends gibt es in der Schweiz nur wenige Wohnmobilstellplätze oder Entsorgungsstellen für Grauwasser und Chemietoiletten. Grützner führt das auf die hohen Bodenpreise in der Schweiz zurück. "Für private Betreiber rentiert sich eine solches Angebot nicht. Und die Gemeinden haben Angst vor Littering, Lärm oder Fahrenden."

Zudem könne man in der sicheren Schweiz auf jedem gewöhnlichen Parkplatz übernachten, gibt Grützner zu bedenken.

Bleibt also das Betreiben eines klassischen Campingplatzes. Das ist laut Grützner ein hartes Geschäft. "Es ist intensiv an Investitionen, man braucht genügend Fläche, Kanalisation, Strom und Sanitäranlagen." Dazu kommen die starke Arbeitsbelastung und die hohen Boden- und Pachtpreise. Viele Betreiber hören auf, erzählt Grützner.

Andere setzen auf begüterte Gäste und stellen luxuriöse Anlagen zur Verfügung. Schweizer Campingplätze sind europaweit die teuersten.

Die neuen Sanitäranlagen auf dem TCS Camping in Buochs, Nidwalden. Ppr Media Relations

Grützner bestätigt, dass viele Schweizer Campingplätze über einen hohen Ausbaustandard verfügen. Das liege an den strengen Schweizer Bauvorschriften, aber auch an den hohen Ansprüchen der Kunden. "Es gibt aber ein paar einfache Plätze, die rentabel sind, weil sie an einem attraktiven Standort stehen, zum Beispiel in den Bergen oder direkt an einem See."

Konkrete Beispiele kann Grützner spontan allerdings keine nennen. Aber vielleicht kennen unsere Leser und Leserinnen empfehlenswerte Plätze? Schreiben Sie uns in den Kommentaren.

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Wild campieren in der Schweiz

Weil die Schweiz ein sicheres und sauberes Land ist, bietet sich wild campieren an. Das ist allerdings nicht in allen Gemeinden erlaubt.

Am ehesten sind einzelne Übernachtungen auf Autobahnraststätten, Parkplätzen oder im Gebirge oberhalb der Waldgrenze möglich – sofern nicht in einem Naturschutzgebiet gelegen.

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