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Trockenheit verursacht tiefe Wasserstände

Möwen kreisen über einer normalerweise unter Wasser liegenden Sandbank im Bodensee.

(Keystone)

Hohe Temperaturen und sehr spärliche Niederschläge sind für die in dieser Jahreszeit aussergewöhnlich tiefen Wasserstände verantwortlich. Bleibt der Regen weiterhin aus, könnte es zu Problemen kommen. Vielerorts herrscht akute Waldbrandgefahr.

Um das Defizit der Wasserstände, das sich in den letzten Wochen und Monaten in Seen, Flüssen und Grundwasser angesammelt hat, auszugleichen, wäre ein tagelanger Dauerregen nötig, sagen Fachleute.

Laut einem Bericht des Bundesamts für Umwelt (Bafu) sind die Wasserstände von Murten-, Bieler- und Neuenburgersee viel geringer als normalerweise im April. So ist der Pegelstand des Bielersees rund 40 Zentimeter tiefer als normal. Er liegt sogar 10 Zentimeter unter dem früheren Allzeittief vom 3. April 1923.

Auch die Grundwasserstände und die Wassermenge aus Quellen im Jura oder dem Schweizer Mittelland sind niedriger als im April üblich. Verantwortlich dafür ist der vergangene relativ milde Winter mit viel weniger Schnee dafür mit mehr Sonnenschein als üblich. Auch Anfang April sonnte sich die Schweiz in überraschend warmem Wetter.

"Die Temperaturen waren wirklich aussergewöhnlich – vor allem im Kanton Tessin, wo es über 30 Grad warm war", sagte die Schweizer TV-Meteorologin Christine Jutz.

Aber trotz des unüblichen Wetters wird die Trockenheit bislang nicht als ernsthaftes Problem betrachtet.

"Aus hydrologischer Sicht ist die Situation im Moment nicht kritisch", erklärt Edith Oosenbrug, Sprecherin der Bafu-Abteilung Hydrologie gegenüber swissinfo.ch. "Etwaige Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere sind abhängig von den Entwicklungen in den nächsten Wochen."

Während die Pegelstände einiger Schweizer Seen relativ niedrig sind, sind jene anderer Seen etwas höher – wegen der raschen Schneeschmelze in den Alpen – wie Thuner- und Brienzersee zeigen.

Glutheiss

Das sommerliche Wetter an den beiden ersten Aprilwochenenden inspirierte viele Menschen, den Grill auf dem Balkon oder im Garten anzufeuern. Zudem gibt es in Parks und Wäldern viele öffentliche Grillplätze.

Infolge der Trockenheit ist das Entfachen von Feuern in vielen Kantonen verboten (Vgl. rechte Spalte). Das Bafu fordert zu besonderer Sorgfalt im Umgang mit Feuer auf, auch wenn keine Verbote in Kraft seien.

Tatsächlich gibt es vermehrt Brandmeldungen wegen unvorsichtigem Umgang mit Feuer. Kürzlich wurde auch ein 2000 Quadratmeter grosser Teil eines Moorgebiets im Luzernischen ein Raub der Flammen. Zur Löschung des Brandes standen zwei Dutzend Feuerwehrleute im Einsatz.

"Wäre es in letzter Zeit nicht so trocken gewesen, wäre die Fläche nicht in Flammen aufgegangen. Es gab da viel trockenes Schilf und so war es für das Feuer ganz einfach", sagte Urs Wigger, Luzerner Polizeisprecher gegenüber swissinfo.ch. Die Polizei vermutet, dass der Brand von jemandem verursacht wurde, der Raucherabfälle unvorsichtig weggeworfen hatte.

Trockene Äcker

Das Wetter hat auch Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Tätigkeit in der Schweiz. "So können zum Beispiel frisch gesäte Zuckerrüben-Felder nicht keimen. Das bedeutet, dass die Landwirte zum Teil erneut aussäen müssen", sagt Sandra Helfenstein, Sprecherin des Schweizerischen Bauernverbandes gegenüber swissinfo.ch.

Auch Gemüsepflanzen müssten möglicherweise zusätzlich bewässert werden – ein Zusatzaufwand – und das Gras auf den Weiden wachse langsamer. "Ideal wären zwei oder drei Regentage gefolgt von Sonnenschein",  sagte Helfenstein weiter.

Aus der Perspektive einer Bauernfamilie hat das trockene Wetter aber auch Vorteile. Pflug und Egge haben es bei relativ trockener Erde einfacher. Dies verursacht weniger Druckschäden. Zudem kann eine feuchte Witterung zu Pilzbefall oder bakteriell hervorgerufenen Krankheiten führen – das ist besonders schlecht für Obstbäume.

"Und natürlich arbeiten auch die Bauern lieber bei schönem Wetter", schmunzelt Helfenstein.

Super-Sommer?

Das schöne Wetter hält in den nächsten Tagen an. Beim Bafu würde man sich über einzelne Regengüsse freuen. Diese wären hilfreich für das Wachstum der Vegetation und würden kurzfristig zur Verhütung von Waldbränden beitragen.

Ein mehrtägiger Dauerregen wäre nötig um die niedrigen Wasserstände wieder zu beheben. Doch bis mindestens nach Ostern sind langanhalte starke Regenfälle laut Meteorologen nicht zu erwarten.

Die derzeitigen Wetterbedingungen lassen keine Vorhersagen für den Sommer zu. Das gilt auch für die Wassertemperaturen. "Mit einer Wetteränderung mit Dauerregen könnte die Situation in ein paar Wochen ganz anders aussehen", sagte Oosenbrug vom Bafu.

Wenn es nach dem Zürcher Sechseläuten-Böög geht, kann sich die Schweiz auf einen tollen Sommer freuen.

Je schneller dessen Kopf explodiert, desto besser wird nach der Tradition der Sommer: Der Kopf des Böögen explodierte nach knapp 11 Minuten – der Durchschnitt beträgt 14 Minuten.

Kein Feuer im Freien!

Die anhaltende Trockenheit hat in weiten Teilen der Schweiz zu grosser Waldbrandgefahr geführt. Mehrere Kantone haben Feuerverbote erlassen.

Absolute Feuerverbote im Freien gelten neu in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Solothurn und St. Gallen. Im Kanton Bern ist es in den Regionen Berner Jura, Oberaargau, nördliches Emmental, Thun sowie Aare- und Kiesental ab sofort verboten, in Wäldern Feuer zu entfachen.

Laut dem Schweizer Wetterdienst Meteo Schweiz haben Teile der Kantone Wallis und Graubünden hätten in den letzten zwei Monaten weniger als 20% ihrer normalen Niederschläge verzeichnet.

In den Regionen weiter nördlich und westlich hat es rund ein Drittel weniger geregnet.

Im Kanton Tessin sind alle Feuer im Freien verboten. Der Nachbarkanton hat das Feuer machen in der Nähe von Wäldern untersagt. Auch die Behörden des Kantons Wallis haben angesichts der Trockenheit hat offene Feuer in einigen Teilen des Kantonsgebietes verboten.

Laut Bafu kann die Brandgefahr in den besonders trockenen Regionen nur von langanhaltenden schweren Regenschauern gebannt werden. Kurze Schauer oder Gewitter seien nicht genug.

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Übertragung und Adaption aus dem Englischen: Etienne Strebel, swissinfo.ch


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