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Hans Küng: "Die Spirale der Gewalt nicht hochdrehen."

Der Schweizer Theologe Hans Küng warnt vor unüberlegten Massnahmen. Keystone Archive

Ein militärischer Vergeltungsschlag der USA kann nach Ansicht des Schweizer Theologen Hans Küng die Wurzeln des internationalen Terrorismus und islamischen Fundamentalismus nicht beseitigen.

Dieser Inhalt wurde am 13. September 2001 - 18:17 publiziert

"Der gebotene Weg wäre, statt jetzt nur auf Rache zu sinnen, eine grundsätzliche Neubesinnung in der Weltpolitik nach ethischen Gesichtspunkten", sagte der in Tübingen lebende Schweizer Theologe am Donnerstag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Küng setzt sich seit langem für ein Weltethos der Religionen Islam, Judentum und Christentum ein.

"Das würde heissen, statt jetzt die Spirale der Gewalt hochzudrehen, sich um Deeskalation zu bemühen, statt der westlichen Parteilichkeit etwa im Nahen Osten, doch wieder ehrliche Maklerschaft zu betreiben."

Politische Lösung

Notwendig sei vor allem eine seit Jahrzehnten überfällige politische Lösung des Nahostkonflikts. Nur so könne der Nährboden für solchen Terrorismus überwunden werden. Solange ein gerechter Ausgleich zwischen Israelis und Palästinensern nicht gefunden sei, "wird man immer genügend Märtyrer finden", befürchtet Küng.

Man sollte auf eine Dialogstrategie setzen und die gemässigten Kräfte statt die fundamentalistischen stärken - damit sie den Einsatz von Gewalt in politischen Auseinandersetzungen für unangemessen und moralisch verwerflich halten. Schliesslich würden sie so die Unterstützung eines bewaffneten Kampfes ablehnen.

"Da hätte die Religion viel zu sagen." Aber die politische Dimension und die religiöse würden zusammen hängen. "Es ist sehr schwierig, den Kampf um die Köpfe zu gewinnen, wenn die gesamte Atmosphäre derart politisch aufgeladen ist", sagte Küng.

Islam nicht verteufeln

Mit Blick auf den Verdacht, dass islamische Fundamentalisten um Osama Bin Laden die Terroranschläge verübt hätten, warnte Küng vor einer allgemeinen Verteufelung des Islam: "Die grosse Masse der Moslems möchte in Frieden leben." Es gehe nicht um einen Kampf der Kulturen, wie ihn der amerikanische Wissenschaftler Samuel Huntington prophezeit habe.

Die Frontstellung bestehe zwischen den Unterdrückten, den Zukurzgekommenen und den Herrschenden. Es herrsche im islamischen Bereich der Eindruck, dass der Westen über die Interessen der arabischen Welt hinweggehe.

"Das macht die islamische Welt, die auch nicht weniger friedlich ist als die unsere, doch zu einem Nährboden für extremistische Fanatiker", meinte Küng.

Schlüssel liegt im Westen

Nur wenn man sich anstrenge, politische Lösungen für nationale und ideologische Konflikte zu finden, gelinge es mit der Zeit, den Terrorismus zu bekämpfen. Der Schlüssel hierfür liege vorwiegend im Westen.

"Das ist gegeben mit der ungeheuren Macht des Westens, der unter Umständen eine Lösung auch im Nahostkonflikt erzwingen kann. Aber nicht, wenn man wie vor allem die USA immer praktisch nur für eine Seite Stellung nimmt. Selbst dann, wenn man vermittelt."

swissinfo und Agenturen

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