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Höchst gefährdete alpine Eiswelten

Eindrückliche Veränderung: der obere Grindelwaldgletscher 1910 und 2000.

(Gesellschaft für ökologische Forschung)

Bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden die Gletscher fast vollständig aus den Alpen verschwunden sein – dies wird weitreichende Folgen haben.

Mit der Ausstellung "Gletscher im Treibhaus" dokumentiert das Schweizerische Alpine Museum den Rückgang der Gletscher als "globales Fieberthermometer".

In den letzten Jahren sind in den alpinen Gletscherlandschaften dramatische Veränderungen aufgetreten. Von 1850 bis 1975 verloren die Alpengletscher rund die Hälfte ihres Volumens und einen Drittel ihrer Fläche.

Seit 1975 sind weitere 20 bis 30% des Eisvolumens abgeschmolzen. Der Jahrhundert-Sommer 2003 allein hat nach ersten Schätzungen 5 bis 10% der noch verbliebenen Eisreserven der Alpen wegschmelzen lassen.

"Gletscher stiessen immer schon vor und gingen zurück. Jetzt aber müssen wir das Ende der Gletscher befürchten." Mit diesen Worten bringt Sylvia Hamberger, Mitherausgeberin des Buches "Gletscher im Treibhaus", das Thema gegenüber swissinfo auf den Punkt.

Und Co-Autor Wolfgang Zängl illustriert: "Vor 20'000 Jahren war Luzern 1000 und Visp im Wallis 1400 Meter unter dem Eis.

Gegenüberstellung

Die Ausstellung im Schweizerischen Alpinen Museum dokumentiert die Veränderungen, die in den letzten 100 Jahren das Bild der Alpen verändert haben. So werden hundertjährige Bilder aktuellen Aufnahmen gegenübergestellt.

Eindrücklich der Vergleich des Rhonegletschers am Furkapass: Auf dem Bild aus dem Jahr 1906 steht das Hotel Belvédère direkt neben den Eismassen, während sich dasselbe Haus 2003 in einer Steinwüste befindet. Vom Gletscher ist auf dem aktuellen, aus derselben Position wie 1906 fotografierten Bild nichts mehr zu sehen.

Andere Bilder verdeutlichen die komplexen Zusammenhänge von Klimaerwärmung, Gletscherschwund, Felsstürzen, Überschwemmungen aber auch Wassermangel.

Klimaveränderung

Für die offensichtliche Klimaveränderung machen heute die Mehrheit der Klimaforscher den weltweiten Anstieg von CO2 in der Atmosphäre verantwortlich. Dieses entsteht durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Erdöl oder Erdgas.

In den letzten 100 Jahren ist die globale Durchschnitttemperatur um etwa 0,6 Grad Celsius gestiegen. Im Lauf dieses Jahrhunderts soll sie sich um weitere 1,4 bis 5,8 Grad erhöhen.

Sylvia Hamberger: "Das CO2, das wir heute ausstossen, ist frühestens in 30 Jahren klimaaktiv. Das heisst, was heute ausgestossen wird, ist hier als Effekt noch gar nicht dabei. Und das ist das völlig Neue an dieser Situation und darauf wollen wir auch hinweisen."

Die Gletscher schmelzen aber nicht nur in den Alpen, obwohl der Temperaturanstieg dort ungefähr doppelt so gross ist wie das globale Mittel. Genauso schmelzen die Polkappen, es schmilzt im Himalaya, es schmilzt in den Anden.

Grosse Probleme

Die Fläche der Schweiz ist zu 3% vergletschert. Weitere 6%, sind von Permafrost betroffen. Bei einer Klimaerwärmung sind geologische Probleme zu erwarten. Zängl erwähnt dabei neue Seen, wie in Saas Bahlen beim Grubengletscher oder beim unteren Grindelwaldgletscher bei der Bäregg. Deren Überlauf zu verhindern und die darunter liegenden Gebiete zu schützen, wird sehr viel Geld kosten. Er sieht aber auch Probleme bei der Trinkwasserversorgung.

"Und wenn man sich das weltweit vorstellt. Wenn auch die Himalayagletscher schmelzen, die grönländischen und norwegischen, wird auch der Meeresspiegel steigen", so Zängl.

Der steigende Süsswassergehalt des Meeres könnte weiter zu einer Richtungsänderung des Golfstroms führen. Was das für Auswirkungen auf das Klima haben könnte, lässt sich laut Zängl überhaupt noch nicht abschätzen.

Fotopetition

Alle Ausstellungs-Besucherinnen und Besucher können alte oder neue Fotografien zum Thema Gletscher einreichen. Die Umweltorganisation Greenpeace und der Schweizer Alpen-Club (SAC), welche auch an der Ausstellung beteiligt sind, wollen damit aufzeigen welche Erinnerungen und Gefühle die Menschen mit dem Landschaftstypus "Gletscher" verbindet.

Diese Bilder werden Teil einer Petition sein, die Bundesrat und Parlament auffordern wird, nationale Massnahmen für den Schutz der bedrohten Gletscherwelt zu ergreifen.

So werden Massnahmen zur wirksamen Reduktion der Treibhaus-Emissionen verlangt sowie eine CO2-Abgabe, die dafür sorgt, klimagünstige technologische Entscheide und Klima schonendes Verhalten zu fördern.

swissinfo, Etienne Strebel

Fakten

Die Ausstellung "Gletscher im Treibhaus" gastiert noch bis am 25. März 2007 im Schweizerischen Alpinen Museum in Bern.

Begleitet wird sie von einem reichhaltigen Rahmenprogramm.

Besonders angesprochen sind Schulen, für die besondere Unterrichtsmittel bereit stehen.

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Der heisse Sommer 2003

Der Juni 2003 ist der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1876.

Am Matterhorn lösen sich über tausend Kubikmeter Fels, da der Permafrost durch die Rekordhitze im Juni in 3400 Meter Höhe aufgetaut ist. 90 Alpinisten müssen mit dem Helikopter evakuiert werden.

Der 2800 Meter hohe See am Grubengletscher im Kanton Wallis muss wegen der Hitze 60'000 statt der üblichen 20'000 Kubikmeter Schmelzwasser aufnehmen; er bekommt einen neuen Abfluss.

Der Rheinpegel hat einen historischen Tiefstand von 75 Zentimeter Wasserstand erreicht.

Der September 2003 ist der wärmste aller Zeiten. Die Nullgrad-Grenze liegt am 17.9. in der Zentralschweiz immer noch bei 4562 Meter.

Die Schweizer Gletscher sind 2002/2003 so stark wie noch nie geschmolzen. Der Brunegg-Gletscher ging um 156,9 Meter zurück, der Triftgletscher um 152,1 Meter, der Turtmann-Gletscher um 126,9 Meter.

Meteorologen der ETH Zürich sehen im Sommer 2003 einen Vorboten für noch extremere Klimabedingungen.

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