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Kirchlicher Kinderschänder: Teilgeständnis

Kirche von Uznach: Hier wirkte Pfarrer Alois Fritschi zuletzt. Keystone

Der katholische Pfarrer von Walenstadt hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe sexueller Handlungen mit Jugendlichen teilweise gestanden.

Dieser Inhalt wurde am 05. Dezember 2002 - 14:22 publiziert

Es gehe um schwere Tatvorwürfe, sagte Staatsanwalt Thomas Weltert am Montag vor den Medien in Uznach SG. Der Geistliche befindet sich seit dem 12. März in Untersuchungshaft.

Der 1939 geborene Fritschi soll über längere Zeit männliche Jugendliche sexuell missbraucht haben. Die pädophilen Handlungen, deren er verdächtigt wird, liegen zum Teil mehrere Jahre zurück.

Opferschutz

Laut Staatsanwalt Weltert hat der Pfarrer die ihm vorgeworfenen Delikte vorab in seiner früheren Pfarrei in Uznach begangen. Möglicherweise kam es auch in Walenstadt, wo Fritschi zuletzt wirkte, zu weiteren Verfehlungen. Nähere Angaben zu den Tatvorwürfen wollte der Staatsanwalt aus Opferschutz-Gründen nicht machen.

Das Untersuchungsamt Uznach hatte Ende Januar 2002 Kenntnis von den Vorwürfen erhalten. Ende Februar begannen die Behörden mit der Befragung der mutmasslichen Opfer. Am 12. März wurde Alois Fritschi festgenommen. Die Polizei durchsuchte seine Wohnung in Walenstadt.

Rücktritt als Pfarrer und Dekan

Das Bistum St. Gallen hatte am Sonntag über die Vorwürfe und die laufende Strafuntersuchung gegen den Geistlichen informiert. Bischof Ivo Fürer liess dazu in der Pfarrei Walenstadt in den Gottesdiensten einen Brief verlesen. Alois Fritschi ist als Pfarrer und Dekan mit sofortiger Wirkung zurückgetreten.

Bischof Fürer sprach den Opfern sein tiefes Mitgefühl aus. In Geist und Gebet fühle er sich mit den Betroffenen verbunden, aber auch mit allen Menschen, die wegen des Versagens kirchlicher Mitarbeiter zutiefst enttäuscht und verletzt seien.

Task Force

Die Schweizer Bischofskonferenz nehme die Problematik des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche sehr ernst, sagte Sprecher Marc Aellen gegenüber swissinfo. "Die Bischöfe warteten nicht auf den Fall von Walenstadt, um sich des Problems anzunehmen. Bereits vor einigen Monaten entschied die Kirche, eine Task Force einzusetzen. Sie soll die Bischöfe bei Missbrauchs-Fällen beraten und aufzeigen, in welcher Weise vorgebeugt werden kann."

In der Task Force sollen Juristen, Psychologen und Priester vertreten sein. Sie werde demnächst gebildet, versicherte Aellen. Die Bischöfe würden an ihrer Versammlung vom Juni oder September noch ihre Zustimmung zu geben haben.

Die Bischofskonferenz will gemäss ihrem Sprecher grösstmögliche Transparenz schaffen. Gleichzeitig möchte sie, dass die Kirche im Dorf bleibt: "Die Fälle von wegen sexuellem Missbrauch verurteilten Priestern in der Schweiz können an einer Hand abgezählt werden, und es gibt proportional mehr pädophile Familienväter", sagte Aellen.

Vorfälle in Polen und den USA

In den vergangenen Monaten waren wiederholt ähnliche Vorwürfe gegen katholische Priester bekannt geworden. Ende Februar war der katholische Erzbischof von Poznan (Polen) beschuldigt worden, Priester und Laien seiner Diözese sexuell missbraucht zu haben.

Auch in den USA sind seit Beginn des Jahres mehrere Skandale um sexuelle Belästigung durch katholische Priester bekannt geworden. In Boston wurde ein 66-jähriger Priester zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Mit Anti-Mafia-Gesetz gegen Priester

Nun soll in den USA mit Hilfe eines besonders scharfen Gesetzes gegen die katholischen Kirchenmänner vorgegangen werden: Eine entsprechende Klage wurde letzte Woche eingereicht. Sie fusst auf einem Gesetz, das eigentlich erlassen worden war, um die Mafia der Justiz zuzuführen, dem so genannten "Racketeering Influenced and Corrupt Organizations".

Die Bischöfe hätten sich wie Mafiosi verhalten, erklärte ein Anwalt zur Begründung des Vorstosse. Frühere Versuche, Klagen gegen Kirchenmitglieder aufgrund der RICO-Gesetze anzuklagen, waren bisher gescheitert. Dieses Mal könnte der Wind allerdings drehen, angesicht der Häufung von Berichten über sexuelle Belästigungen und Missbrauch.

Von Johannes Paul II. verurteilt

Papst Johannes Paul II. nahm letzte Woche erstmals zu den Skandalen um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche Stellung. Der Pontifex verurteilte dabei Priester, die "ihr Gelübde gebrochen haben".

Das Thema wird in dem vorösterliche Hirtenbrief aber nur am Rande behandelt. Hauptsächlich geht es in dem weniger als eine Seite umfassenden Dokument um das Sakrament der Beichte.

swissinfo und Agenturen

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