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Kontroverse um höhere Studiengebühren

An der Uni Zürich haben sich für 2004 über 23'000 Studierende immatrikuliert - ein neuer Rekord.

(Keystone)

Die Debatte um höhere Studiengebühren an Schweizer Universitäten ist voll entbrannt, nachdem Wirtschaftskreisen eine Anhebung gefordet hatten.

Die Universität der italienischen Schweiz (USI) kennt seit ihrer Gründung hohe Gebüren. Lange kritisiert, werden sie jetzt plötzlich als Modell zitiert.

Studierende aus der Schweiz müssen für den Besuch der USI pro Jahr 4000 Franken, Kommilitonen aus dem Ausland gar 8000 Franken hinblättern. Dies ist ein Vielfaches der durchschnittlich 1300 Franken an den restlichen Hochschulen der Schweiz, wo in der Regel kein Unterschied zwischen Immatrikulierten aus dem In- und Ausland gemacht wird.

Der Betrag kommt nahe an die 5000 Franken, die von der Wirtschaft gefordert werden. Er deckt bei der USI zirka 15% des Budgets, während die anderen Schweizer Hochschulen nur 3% ihrer Ausgaben durch Semestergebühren decken können.

Die USI führte diese hohen Semestergebühren anfänglich ein, weil sie ihren Betrieb 1996 ohne Subventionen aus Bern aufnahm. Allerdings blieben die Beiträge auch nach der Anerkennung des Tessins als Hochschulkanton auf diesem hohen Niveau.

Lange umstritten

Man habe im Universitätsrat wiederholt über eine Reduktion der Gebühren diskutiert, schliesslich aber nichts geändert, sagt Mauro Martinoni, Universitäts-Beauftragter des Kantons Tessin. Seiner Meinung belasten die hohen Gebühren vorab Studierende aus der Mittelschicht, die keinen Anspruch auf Stipendien hätten.

Tatsächlich waren und sind die hohen Studiengebühren an der Tessiner Uni umstritten. Vor einigen Jahren lancierte eine Studentengruppe eine Petition, um die Gebühren zu halbieren. Sie stellten eine unzumutbare finanzielle Belastung für viele Familien dar. Mehrere Hundert Studierende unterschrieben das Anliegen. Bewirkt hat es nichts.



Durch die laufende Debatte um die Erhöhung der Studiengebühren an anderen Schweizer Hochschulen fühlt sich die USI-Leitung nun sogar in ihrer Politik bestätigt. "Die anfängliche Kritik aus der Deutschschweiz, vom Bundesamt für Bildung und Wissenschaft sowie der Hochschulkonferenz ist verstummt", freut sich USI-Präsident Marco Baggiolini.

Eher nützliche Gebührenerhöhung

Er ist wie andere Führungspersönlichkeiten aus der Hochschulwelt der Meinung, dass Bildung mehr kosten soll, aber keinesfalls zu Lasten einkommensschwacher Familien gehen darf. Durch Stipendien und Darlehen müsse soziale Gerechtigkeit gewahrt werden.

Diese Haltung deckt sich mit derjenigen von Hans-Ulrich Doerig, dem Vizepräsidenten des Verwaltungsrats der Credit Swiss Group. Doerig hatte mit der Publikation einer 100-seitigen Hochschulschrift im Januar den Anstoss zur Debatte um die Hochschulgebühren gegeben.

Rückendeckung erhalten solche Positionen momentan auch von prominenter Seite. Peter Glotz, ehemaliger deutscher SPD-Politiker und Professor an der Universität St.Gallen, erklärte, "dass eine Erhöhung der Studiengebühren in der Schweiz eher nützlich als schädlich" wäre.

Widerspruch der Gewerkschaften

Viele Familien verschuldeten sich auch für ein Haus, nicht aber für die Ausbildung. "Der Kopf ist aber wichtiger als das Haus", sagte Glotz, der zugleich die Reform des britischen Premiers Tony Blair zur Erhöhung der Studiengebühren verteidigte.



Trotz solcher Plädoyers von Sozialdemokraten stösst in der Schweiz der Vorschlag nach einer Erhöhung der Studiengebühren im linken und gewerkschaftlichen Lager vornehmlich auf Skepsis und Ablehnung.

Peter Sigerist, Sekretär und Bildungsverantwortlicher des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), ist überzeugt, dass durch die Einführung von Darlehen der Anteil von Studierenden aus nicht akademischen Milieu weiter sinkt.

Gespaltene Medien

Die unterschiedlichen Positionen spiegeln sich auch in der Medienlandschaft. Die in Zürich erscheinende Gewerkschaftszeitung "Work" sieht in der gegenwärtigen, europaweiten Debatte um die Studiengebühren "einen Angriff auf die Bildungsreformen der 70er-Jahre". Die teilweise Öffnung der Hochschulen für sozial Schwächere werde damit gefährdet.

Das Schweizer Nachrichtenmagazin "Facts" orientierte sich eher an den Vorschlägen der Wirtschaftsbosse. Demnach braucht es mehr Wettbewerb und höhere Studiengebühren. Anderenfalls drohe der internationale Abstieg der Schweiz in die Bedeutungslosigkeit.

swissinfo, Gerhard Lob

In Kürze

Im Januar löste der Wirtschaftsverband Avenir Suisse mit der Publikation einer Hochschul-Broschüre eine Debatte über höhere Studiengebühren aus.

Die Jahres-Semesterbeiträge betragen an Schweizer Hochschulen im Durchschnitt 1300 Franken.

Eine grosse Ausnahme bildet die junge Universität der italienischen Schweiz (USI).

Dort werden 4000 beziehungsweise 8000 Franken für Studierende aus dem In- beziehungsweise Ausland verlangt.

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