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Novartis setzt für weiteres Wachstum auf Impfstoffe

Novartis hat sich mit Chiron ein Stück des Impf-Kuchens gesichert.

(Keystone)

Der Schweizer Pharmakonzern will in den USA eine neue Produktionsanlage für Impfstoffe gegen Grippe bauen. Grundlage der Vakzine sind erstmals Zellkulturen.

Der Pharmariese investiert 752 Mio. Franken ins Projekt. Der Beginn der Arbeiten soll im nächsten Jahr erfolgen.

Lange Zeit hatte das Geschäft mit Impfstoffen geharzt. Doch technologische Innovationen und eine gestiegene Nachfrage sorgten zuletzt für einen Boom: 2005 wurden Menschen in aller Welt für 6 Mrd. Dollar geimpft, um sich gegen Krankheiten zu schützen.

Das bedeutet, dass sich der Markt im Verlauf der letzten 20 Jahre verdreifacht hat. 1980 hatten sich die Menschen ihre Krankheits-Prävention noch 2 Mrd. Dollar kosten lassen.

Lukrativer Vertrag

Im Mai hatte Novartis einen Vertrag mit der US-Regierung im Wert von 220 Mio. Dollar an Land gezogen, in dem sich das Schweizer Unternehmen zur Entwicklung eines Grippe-Impfstoffs verpflichtet. Dies nur einen Monat, nachdem Novartis in den Staaten die Übernahme von Chiron abgeschlossen hatte, der weltweiten Nummer 5 unter den Impfstoff-Herstellern.

Das neue Werk in North Carolina soll dereinst bis zu 50 Mio. Dosen Impfstoff für die saisonale Grippe für den US-Bedarf herstellen. Der Impfstoff deckt drei Virenstränge ab.

Im Fall einer Grippe-Pandemie (Massenansteckung unter Menschen) sollen bis zu 150 Mio. Dosen eines speziell für den entsprechenden Virenstamm ausgelegten Impfstoffs produziert werden können. Dies innerhalb von sechs Monaten.

Hervorragende Aussichten

Allein der Markt für Grippe-Impfstoffe wird sich laut Experten in den nächsten drei Jahren auf drei Mrd. Dollar verdreifachen. Der Grund sei aber nicht die Gefahr einer Pandemie mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1, sagt Branchenkenner Karl Heinz Koch von der Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch.

"Der wirkliche Katalysator war 2000 die Lancierung von Prevnar gegen Lungenentzündung. Wegen der grossen Nachfrage wurde dieser Impfstoff innert kurzer Zeit zum mehrfachen Milliarden-Renner", so Koch gegenüber swissinfo.

Biotechnologischer Durchbruch

Jüngst erzielte Fortschritte in der Biotechnologie machen es möglich, dass Impfstoffe heute in grösseren Mengen produziert werden können, und das zu günstigeren Preisen.

Der Sektor wurde auch dadurch lukrativer, weil mehrere Hersteller verschwanden. Das bedeutet, dass die Kuchenstücke für die verbleibenden Konkurrenten grösser wurden.

"Mit der Übernahme von Chiron konnte Novartis genau zum richtigen Zeitpunkt in den Sektor eindringen", sagt der Experte. Denn im Bereich Impfstoffe gebe es für Neulinge keine nennenswerten Eintritts-Hürden.

Doppelter Vorteil

Die härtesten Konkurrenten sind die Branchenleader GlaxoSmithKline, Merck, Wyeth und Sanofi-Aventis. Koch ist aber überzeugt, dass Novartis mit der neuen Tochter Chiron einiges an Boden gut machen kann.

Denn die Forscher von Chiron sind führend in der Entwicklung einer Technologie, mit der eine neue Generation von Impfstoffen hergestellt werden kann. Dies soll nicht mehr wie bisher auf der Basis von Hühnereiern geschehen, sondern mit Kulturen von tierischen Zellen.

"Im Vergleich mit den etablierten Unternehmen ist Novartis ein kleiner Spieler, aber Chiron besitzt zwei Vorteile: Sie haben eine breite Produkte-Palette, und sie sind führend bei der Entwicklung und Anwendung neuer Technologien", sagt Koch.

swissinfo, Matthew Allen
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

Fakten

Das neue Werk von Novartis wird das erste der USA sein, in dem Impfstoffe mit Zellkulturen hergestellt werden.
Novartis war 2005 die weltweite Nummer vier der Pharmabranche.
Der Umsatz betrug im letzten Jahr 41,7 Mrd. Franken, der Gewinn 7,8 Mrd. Fr.

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In Kürze

Bisher war Novartis nicht im Impfstoff-Sektor aktiv. Die Übernahme des kalifornischen Unternehmens Chiron ist aber die Grundlage, eine vierte Division mit Impfstoffen aufzubauen.

Novartis ging 1996 aus dem Zusammenschluss zwischen Ciba-Geigy und Sandoz hervor.

2005 besass Novartis einen Anteil von 5,05% am internationalen Pharma-Markt.

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