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Schweizer Internatsschulen nach wie vor im Trend

Gemeinsames Lernen am Lyceum Alpinum in Zuoz. Keystone

Schweizer Internatsschulen haben eine ungebrochen grosse Tradition. Sie ziehen auch heute noch sich hauptsächlich Jugendliche aus dem Ausland an, deren Eltern Wert auf eine Elite-Ausbildung ihrer Sprösslinge legen.

Dieser Inhalt wurde am 02. August 2011 - 16:15 publiziert
Susan Vogel-Misicka, swissinfo.ch

In der Schweiz gibt es 110 Privatschulen mit insgesamt rund 100'000 Schülerinnen und Schüler. Diese kommen von überall her, aber vorwiegend aus Russland, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, den USA – und der Schweiz.

Um die Frage nach den Kosten gleich abzuhaken: Sie belaufen sich bei den Privatinstituten pro Jahr und Schüler auf 20'000 und 90'000 Franken.

In den Internaten hätten rund 80% der Schüler einen ausländischen Pass, 20% stammten aus der Schweiz, sagt Isabelle Montandon vom Verband Schweizerischer Privatschulen (VSP). Einzelne Internate wiesen aber einen höheren Anteil ausländischer Schüler auf. Um eine gewisse Durchmischung zu wahren, hätten einige Schulen die Anzahl Schüler aus demselben Land begrenzt.

"Im Zeitalter der Globalisierung ist ein internationales Umfeld sehr wichtig", sagt Christophe Clivaz von Swiss Learning. Der Direktor des Zusammenschlusses von Elite-Internaten gibt die Zahl der ausländischen Schüler an solchen Institutionen gar mit 95% an. Anders sehe es an den englischsprachigen Schulen in der Schweiz aus, wo 80% der Schüler aus Grossbritannien stammten.

Swiss Learning repräsentiert ein Dutzend führender Schweizer Internate, die Schüler aus über 120 Länder unterrichten.

Der Verband kennt sehr strikte Aufnahmekriterien. So müssen Schulen vor 1960 gegründet worden sein, mehr als 150 Schüler aufweisen und die volle Anerkennung seitens der Kantone und von internationalen Organisationen geniessen.

Wieso in die Schweiz?

Die grosse Zahl an Privatinstitutionen sorgt für eine Vielfalt an Lernangeboten. "In der Schweiz findet man immer das richtige Programm für Schüler – das internationale Abitur, den britischen A-Level oder die Matura", macht Clivaz Werbung in eigener Sache. Die Mehrsprachigkeit sei ein weiterer Vorteil der Schweiz.

Die Schüler würden durch ihre Lehrer sehr gut betreut, ergänzt Isabelle Montandon. Im Ausland geniesse die Schweiz einen hervorragenden Ruf als Bildungsland. Die zentrale Lage in Europa, die Sicherheit und Stabilität sowie die Schönheit der Landschaft wertet Montandon als weitere Pluspunkte.

Internationale Schulen seien für Kinder von so genannten Expats, also Ausländern, die in der Schweiz arbeiten, sehr sinnvoll, ist Richard Rorvig überzeugt. Der Beauftragte für politische und ökonomische Angelegenheiten bei der Botschaft der USA in Bern hat selber zwei Söhne, die Schulen in Polen, Deutschland, Rumänien und in der Schweiz besucht haben.

"Wenn Kinder in ein neues Land kommen, ist es schwierig, Freunde zu finden. Internationalen Schülern aber fällt dies leichter, weil sie Wechsel gewohnt sind", sagt Rorvig gegenüber swissinfo.ch. Sein Jüngster hat soeben die American School in Switzerland (TASIS) in der Nähe von Lugano beendet. Mit dem erworbenen Abschluss steht ihm jedes College und jede Universität offen.

Schulhof als Miniatur-UNO 

Rorvig ist des Lobes voll über das Institut im Kanton Tessin. "Die Einrichtungen sind wunderbar, es ist wie eine Miniaturversion der Vereinten Nationen, denn die Kinder kommen von überall her." So hatte sein Sohn beispielsweise in einem Jahr Zimmergenossen aus Italien, Mexiko und Russland.

Das Kennenlernen von anderen Kulturen sei sehr wichtig, findet Montandon. Ausländische Familien schätzten es sehr, wenn Schulen eine breite Palette an kulturellen und sportlichen Aktivitäten sowie Möglichkeiten zum Herumreisen bieten.

"Eltern legen sehr Wert darauf, dass die persönlichen Bedürfnisse ihrer Kinder berücksichtig werden, diese müssen sich privilegiert fühlen", erklärt Isabelle Montandon weiter. Oft würden Lehrer mit ihren Schülern Aktivitäten ausserhalb des Lehrplan unternehmen, etwa Museumsbesuche.

Welche Schule?

Bei der Wahl eines Internats müssten Eltern einige Punkte beachten, sagt Christophe Clivaz. "Zuerst müssen sie wissen, welchen Abschluss ihre Kinder machen und welche Fremdsprachen diese erlernen sollen."

Sei Französisch gefordert, sei die Wahl einer Schule in der französischsprachen Westschweiz sinnvoll. "Das schränkt die Wahl zwischen drei oder vier Instituten ein", sagt Clivaz.

Danach müssten sich Eltern und Kinder ein persönliches Bild der Schule machen. Dies wegen der enormen Unterschiede, denn nicht jede Schule liege jedem Schüler. "Es gibt Schulen mit 2000 Schülern, die 20 Minuten ausserhalb von Genf liegt. Es gibt aber auch das Berginternat in Villars mit seinen 180 Schülern."

Hinaus in die Natur

Was für Kindergärten gut ist, soll Privatschulen recht sein: Laut Clivat tendieren einige Institute dazu, den Unterricht aus der gewohnten Umgebung im Klassenzimmer heraus zu lösen und nach draussen in die Natur zu verlegen. Wo auch immer unterrichtet wird: Für Clivaz steht fest, dass die Integration der neuesten Technologie in den Unterricht Pflicht sein müsse.

Aufgrund ihrer Stärken sind die privaten Schweizer Schulinstitute laut Montandon für die Zukunft gut gerüstet. Zudem helfe der "Swissness"-Faktor, die Tradition dieser Häuser  lebendig zu halten. "Es wird immer Eltern geben, die ihre Kinder ein Institut in der Schweiz besuchen lassen wollen", sagt Isabelle Montandon.

Berühmte Internatsschüler

Madeleine Albright, ehemalige US-Aussenministerin

(Institut Prealpina, Chexbres)

John Kerry, US-Senator und Präsidentschafts-Kandidat

(Institut Montana, Zugerberg)

Nicolas Negroponte, Gründer des MIT Media Lab

(Institut Le Rosey)

Sean Lennon, Musiker, Sohn von Beatle John Lennon

(Institut Le Rosey)

Carla Bruni Sarkozy, Sängerin und First Lady Frankreichs

(Château Mont-Choisi, Lausanne)

Dodi Fayed, Partner von Prinzessin Diana

(Institut Le Rosey)

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