Schweizer Rentner-Paare reisen im Van um die Welt

Eva Siegenthaler und Martin Tschupp reisten mit dem Van ein Jahr durch die USA. Martin Tschupp

Dank Babyboomer-Generation wird sich der Camping-Trend vermutlich fortsetzen. Auf den Aufruf von swissinfo.ch hat ein Frührentner-Paar aus der Schweiz ein Foto eines Vans gepostet und uns seine Geschichte erzählt.

Dieser Inhalt wurde am 10. Juli 2019 - 14:00 publiziert

Auf den Aufruf bei Social Media, uns Fotos und Erlebnisberichte vom Camping zu schicken, sendete Eva Siegenthaler ein Bild ihres Vans, der vor ihrem Haus im Kanton Zürich steht. Gerade weilen sie und ihr Ehemann Martin Tschupp nach einer zwölfmonatigen USA-Reise wieder zu Hause in der Schweiz.

"Best Camping: Vor dem Haus😉", kommentierte Eva Siegenthaler und schickte swissinfo.ch dieses Bild. zvg

Schon seit einigen Jahren reisen Martin Tschupp und Eva Siegenthaler während Ferien im Van. Sie waren unter anderem bereits in Marokko, Indien, Australien und diversen europäischen Ländern unterwegs. Martin hält die Reisen fotografisch fest und publiziert die Bilder auf einer Website.

Dann liess sich Martin, der bei Canon arbeitete, frühpensionieren und Evi kündigte ihre Stelle als kaufmännische Angestellte, um eine längere Reise zu machen. Die beiden verschenkten ihre Möbel, übergaben die Wohnung einer Schwester zur Untermiete und verschifften den Van in die USA. Über zwölf Monate lebten sie im Kastenwagen – bei Sonne, Wind und Schnee.

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"Wenn es regnet, dann ist es schon eng im Van", gibt Eva zu. Dann könne man draussen keine Gartenstühle aufstellen. Im Van hat es ein Bett, einen Tisch, eine Nasszelle und einen Herd. Für mehr reicht der Platz nicht.

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Camping ist nicht billig: Das Verschiffen des Vans kostete 3000 Franken, hin und zurück machte das zusammen mit den Transport-, Kasko- und Haftpflichtversicherungen 11'000 Franken. Der Mercedes Sprinter 4x4 kostet in der Basisausstattung 100'000 Franken, mit einigen Extras 110'000. Auch in den USA sind Campingplätze nicht immer günstig. Manchmal übernachteten Eva und Martin in einem Motel, wenn der Preisunterschied vernachlässigbar war. "Für die Unterkunft in den Parks, Campings und etwa 30 mal in Hotels – inklusive einer Woche in New York – gaben wir etwa 11'000 Franken aus", sagt Eva. Wenn man diesen Betrag allerdings mit einer durchschnittlichen Miete in der Schweiz vergleicht, ist es günstig.

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Im Schnitt legten Martin und Eva täglich 200 km zurück, manchmal bis zu 500 km. "Wir sind meist früh losgefahren, so dass wir am Mittag am Ziel waren, dann Sightseeing und Wandern und eine zweite Übernachtung am gleichen Ort."

Trend: Geführte Gruppenreisen

Unterwegs trafen Eva und Martin viele Schweizer Ehepaare, die nach der Pensionierung auf Reisen gehen. Diese seien häufig begütert und können sich ausgiebige Reisen leisten. Nicht zu verwechseln sind sie mit Auswanderern: "Niemand meldet sich in der Schweiz ab, schon nur wegen der Krankenkasse", erklärt Eva, und Martin ergänzt: "Schweizer haben gerne Sicherheit."

Das erklärt vielleicht einen weiteren Trend, auf den Eva und Martin gestossen sind: Geführte Wohnmobiltouren. Die gleiche Firma, die ihren Van verschifft hat, bietet auch Gruppenreisen für Wohnmobilreisende an. "Wir haben viele Leute kennengelernt, die das gemacht haben", erzählt Martin.

Der Vorteil: Alles ist organisiert und sicher, mangelnde Sprachkenntnisse sind kein Problem und in der Gruppe lernt man Menschen kennen. Der Nachteil: Solche Reisen sind ziemlich teuer. Und wenn man sich mit anderen Reisenden verkracht, werden 150-tägige Reisen zum Problem.

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Haus aufgeben?

Schweizer und Schweizerinnen sind nicht die einzigen, die nach der Pensionierung auf Reisen gehen. In Australien und den USA sind Senioren und Seniorinnen laut Martin und Eva sogar noch mobiler.

Im Unterschied zu den "Grey Nomads" in den USA oder Australien verkaufen Schweizer Rentner-Paare ihre Häuser in der Regel nicht. Vielleicht mit gutem Grund. Martin Tschupp und Eva Siegenthaler erzählen, dass manche australische Paare nach ihren Reisen unfreiwillig stranden, weil die Häuserpreise in der Zwischenzeit gestiegen sind. "Das könnte auch in der Schweiz passieren", meinen Eva und Martin. Die Immobilienpreise sind in gewissen Gegenden geradezu explodiert.

Eva und Martin überlegen sich deshalb gut, was sie mit ihrer Wohnung in der Schweiz während ihrer Abwesenheit machen. Bald geht es nämlich wieder auf Reisen. Dieses Mal soll es nach Südamerika gehen.

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