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Skimming – ein Delikt hat Hochkonjunktur

Skimming-Alarm: Hier findet an Automaten der Datenklau statt.

(Keystone)

Organisierte Verbrecherbanden haben ihr Tätigkeitsfeld ausgeweitet: Auf die Manipulation von Geldautomaten zwecks Klau von Kundendaten. Die Fälle von so genanntem Skimming sind in der Schweiz in diesem Jahr laut der Polizei "explodiert".

Der Begriff Skimming stammt vom englischen Verb to skim und bedeutet abschöpfen oder absahnen. Skimmer präparieren Geldautomaten, indem sie bei der Tastatur zur Eingabe des Zahlencodes eine Minikamera installieren.

Dem Schlitz, in den die Karte eingezogen wird, setzen sie ein Lesegerät auf, das die Daten auf dem Magnetstreifen der Karte erfasst. Manipuliert werden sowohl Geldautomaten von Banken als auch Billet-Automaten in Bahnhöfen.

Wer an einem präparierten Automaten Geld bezieht, verliert gleichzeitig mit hoher Wahrscheinlichkeit Geld, denn mit dem abgeschöpften Code und den Daten des Magnetstreifens haben Kriminelle leichtes Spiel, mit einer gefäschten Karte Geld vom Konto des ahnungslosen Karteninhabers abzusahnen.

Sie tun dies bevorzugt in den USA oder der Karibik. Dort müssen Kreditkarten nicht mit einem Chip versehen sein, wie dies in Europa der Fall ist.

Hochorganisierte Banden

Die Zahl der Skimming-Fälle in der Schweiz seien in den ersten vier Monaten des Jahres regelrecht explodiert, sagt Christophe Sauterel von der Waadtländer Kantonspolizei.

"Bei der Täterschaft handelt sich um hochorganisierte Gruppen, sowohl was die erforderliche Technologie als auch die Logistik betrifft", sagt Sauterel. Die Skimmer stammten vorwiegend aus Rumänien und Bulgarien, wie Verhaftungen gezeigt hätten.

Die Schweiz steht aber nicht allein da. Laut dem Polizeisprecher ist ganz Europa von der Skimming-Welle betroffen. Insbesondere aber Frankreich. "Es gibt nicht nur eine Bande, sondern mehrere, die sich in ganz Europa bewegen und Automaten mit ihrer Ausrüstung ausstatten."

Grosse Summe

2009 wurden in der Schweiz 32 Fälle von Skimming verzeichnet, 2010 waren es schon deren 135. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres ist die Zahl auf 225 Fälle hochgeschnellt.

"Die Schadensumme bis Ende April beläuft sich laut unseren Schätzungen auf 1,7 Mio. Franken, was enorm ist", sagte Sindy Schmiegel von der SIX Group.

  

Die Zahl der Karten, die von den Automaten aus Sicherheitsgründen eingezogen wurden, ist ebenfalls explodiert: Auf 22'000 im ersten Trimester 2011. Vor zwei Jahren blieben noch 6200 Kreditkarten im Automaten drin, um möglichem Missbrauch vorzubeugen.

Ihre Karte sei zwei Monate nach einem Einkauf in einem lokalen Supermarkt blockiert worden, berichtet eine Frau aus dem Kanton Freiburg, die anonym bleiben will, gegenüber swissinfo.ch.

"Ein Mitarbeiter der Bank informierte mich dann, dass die Daten meiner Karte kopiert worden waren und wann genau dies geschehen war", so das Skimming-Opfer. Dabei hatte sie noch Glück: Der Versuch der Diebe, ihr Konto zu plündern, misslang.

Leichtes Geld

Zum Diebstahl des Codes braucht es aber gar nicht unbedingt eine Hightech-Minikamera. Weil viele Bezüger die Zahlenkombination unverdeckt eintippen, genügt es oft, wenn ein Beobachter sich die Zahlenfolge merkt.

Der beste Schutz gegen Skimming besteht deshalb darin, die Zahleneingabe mit der anderen Hand oder einem Gegenstand wie dem Portemonnaie gut vor fremden Blicken abzuschirmen. Schon vor dem Bezug sollte geprüft werden, ob neben der Tastatur verdächtige Geräte installiert sind.

"Es braucht lediglich minimale Kenntnisse, um die Daten zu stehlen", sagt der Polizeimann Christophe Sauterel. Die dazu nötigen Geräte könnten heute einfach und günstig über das Internet bezogen werden. "Noch vor einigen Jahren dagegen hatten nur professionelle Anwender Zugang zu diesen Apparaturen."

Neue Karte - alles gut?

Auch wenn der Skimming-Versuch gegen sie misslungen war: Die Frau aus dem Kanton Freiburg ist heute verunsichert, wenn sie mit ihrer neuen Karte weiter Geld abheben und in Geschäften Waren bezahlen will. Sie hat sich vorgenommen, den Code öfter zu wechseln. Immerhin habe ihr ihre Bank versichert, dass die Täter denselben Automaten nur einmal und lediglich für ein paar Stunden manipulieren würden, um dann zum nächsten zu wechseln.

Ein ungutes Gefühl bleibt jedoch. "Die Kriminellen scheinen den Banken einen Schritt voraus zu sein. Man muss nur Pech haben und dein Konto ist geräumt."

Auch die Kulanz der meisten Banken, den Skimming-Opfern die erlittene Schadensumme zu entschädigen, vermag die Verunsicherung vieler Menschen nicht ganz zu tilgen, wenn es um das Zücken ihrer Kreditkarte geht.

Schutz vor Skimming

PIN-Code vor neugierigen Blicken geschützt eingeben, decken Sie mit der einen Hand oder einem Gegenstand (z.B. Portemonnaie) die Tastatur ab.

PIN-Code auf keinen Fall auf der Karte, sondern getrennt und sicher aufbewahren.

Regelmässiges Ändern des Codes erhöht die Sicherheit.

Bleibt Ihre Karte im Gerät blockiert, nehmen Sie keine Hilfe von Unbekannten an und informieren Sie umgehend die betroffene Bank.

Werden am Automaten irgendwelche lose Teile oder technische Veränderungen festgestellt, auf keinen Fall Geld beziehen und sofort die Polizei informieren.

Automaten an Standorten meiden, die abseits stehen und nachts schlecht beleuchtet sind.

Infobox Ende


(Übertragung aus dem Englischen: Renat Kuenzi), swissinfo.ch


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