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Sommer 2003 war der heisseste in 500 Jahren

Der letztjährige heisse Sommer hatte auch positive Auswirkungen.

(swissinfo.ch)

Europa befand sich letztes Jahr im Schwitzkasten des heissesten Sommers seit 500 Jahren.

Berner Klimaforscher überprüften die Temperaturen in Europa über die letzten 500 Jahre. Die Resultate ihrer Studie betätigen: Die globale Erwärmung ist Realität.

Das Jahr 2003 verzeichnete den heissesten Sommer der letzten 500 Jahre. Zudem waren die Winter- und Sommertemperaturen der letzten 30 Jahre die höchsten seit 1500. Dies zeigt eine Studie von Klimaforschern der Universität Bern, welche in der jüngsten Ausgabe des US-Wissenschafts-Magazins "Science" veröffentlicht wurde.

Jürg Luterbacher, Chef des Berner Forscherteams, stellte fest, dass die Rate der globalen Erwärmung alarmierend hoch war. Er erklärt gegenüber swissinfo. "Wir haben früher nie eine solche Entwicklung gesehen.. Es gab zwar 1759 einen durchaus warmen Sommer, aber nicht auf diesem Niveau".

Von globalen zu europäischen Studien

Andere Studien bereits haben bereits versucht, die globale Erwärmung und Klimaänderung zu messen. Die Studie der Berner Wissenschafter ist jedoch die erste, die das Klima in Europa unter dem Gesichtspunkt von Temperaturmessungen über Monate und Jahreszeiten betrachtet.

"Wir fanden heraus, dass im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert die höchsten Temperaturen in Europa seit 500 Jahren herrschten", sagt Luterbacher. "Wir haben auch festgestellt, dass die Winter zwischen 1500 und 1900 im Durchschnitt ungefähr 0,5 Grad Celsius kälter waren als die Winter nach 1900."

Die Forscher verwendeten eine Vielzahl von Methoden, um die tatsächlichen Temperaturen abzuleiten. Es gibt keine zuverlässigen Aufzeichnungen aus dem 16. Jahrhundert. Deshalb wurden Instrumentenmessungen von Baumringen aus Skandinavien und Eiskernen aus Grönland verwendet.

Nach 1750 sind ziemlich zuverlässige Temperatur-Aufzeichnungen für ganz Europa vorhanden. Die Auswertung der Daten belegen einen Anstieg der Temperaturen in ganz Europa.

Sind die Menschen schuld?

Die Forscher begrenzten ihre Studien auf die Überwachung der Erwärmung, ohne nach Gründen zu suchen, wie diese entstand. "Unser Ziel war nicht das Feststellen der Ursachen", erklärt Luterbacher. "Wir wollten die Temperaturen analysieren und zeigen, dass die Veränderungen im 20. Jahrhundert aussergewöhnlich waren."

Luterbacher stimmt mit anderen Klimatologen überein, dass menschliche Einwirkung sehr wahrscheinlich Ursache für die Erwärmung ist.

Wenn man ein Computermodell erstellen würde, das dieses Mass der Erwärmung voraussagt, würden all die natürlichen Faktoren wie vulkanische Tätigkeit oder Sonnenaktivität keine so starke Erwärmung hervorrufen. "Wir sind der Ansicht, dass der menschliche Einfluss einer der Hauptgründe für die Erwärmung ist", hält Luterbacher fest.

Veränderugen sind nötig

Ist die Studie ein Zeichen, das man den Gebrauch von fossilen Brennstoffen einschränken muss? Isabelle Chevalley, eine Chemikerin und Mitglied einer welschen liberalen Umweltgruppe, hofft, dass die Studie die "normalen Leute" überzeugt, der globalen Erwärmung mehr Aufmerksamkeit zu schenken. "Wir möchten die Menschen dazu bringen, ihre Verhaltensweisen zu ändern. Wir müssen dies nicht nur einmal versuchen, sondern zweimal. Es ist wirklich nötig", sagt sie gegenüber swissinfo.

"In Situationen wie dieser denken die Menschen oft, dass die anderen sich ändern sollten", fährt sie fort. "Tatsächlich sind es aber die kleinen Bemühungen vieler Leute, die eine Veränderung herbeiführen können."

Alarmierende Tendenz

Jürg Luterbacher sagt, er sei durch die Geschwindigkeit der Klimaveränderung beunruhigt. Wenn die Temperaturen in dieser Art weiter steigen, könnte es gefährlich werden, gerade auch für die Alpen. "Gletscher können verschwinden oder viel von ihrer Masse verlieren. Der Permafrostboden wird zunehmend instabil. Lawinen und andere Gefahren bedrohen so zunehmend die Bergdörfer."

Klar gebe es in solchen Situationen immer Verlierer und Gewinner. So müsste man zum Beispiel in Skandinavien weniger heizen, wenn die Winter wärmen würden. Das könnte ein positiver Aspekt sein.

"Ich denke, die negativen Auswirkungen der Klimaveränderung übertreffen die positiven bei weitem", schliesst Jürg Luterbacher.

swissinfo, Etienne Strebel

Fakten

Die Durchschnitts-Temperaturen zwischen 1973 und 2003 waren die höchsten der letzen 500 Jahre.
Die Erwärmung wurde in ganz Europa registriert.
Schätzungsweise 20'000 Menschen starben an den Folgen der extremen Hitze des Sommers 2003.

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