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UBS-Bosse kassieren mehr trotz sinkender Boni



Carsten Kengeter kann trotz Millionen-Einbusse lachen.

Carsten Kengeter kann trotz Millionen-Einbusse lachen.

(Keystone)

Die Top-Manager der im letzten Jahr wieder in die schwarzen Zahlen gerückten Schweizer Grossbank UBS haben über einen Drittel höhere Boni erhalten. Dies trotz einer allgemeinen Senkung der Zuwendungen um 11%.

UBS-Chef Oswald Grübel verzichtete sogar auf seinen Bonus, und der Lohn des Topverdieners wurde mit einem grösseren Anteil variabler Entlöhnung, gekoppelt an langfristige Ziele, weiter gekürzt. Trotzdem bleiben einige Angestellte und Aktionäre wenig beeindruckt.

Während der politische und öffentliche Druck auf hohe Boni bestehen bleibt, erwarteten am Dienstag viele gespannt den Jahresbericht der Grossbank.

Erst letzte Woche war die Abzocker-Initiative, die weniger hohe Boni und mehr Mitsprache des Aktionariats fordert, im Parlament zwar diskutiert, aber dann wieder verschoben worden.

Erstmals seit vier Jahren ist die UBS wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Trotzdem hat sie ihre Boni im letzten Jahr um 11% auf 4,25 Mrd. Franken gesenkt. In der gleichen Zeit jedoch konnten die 13 Topverdiener der Bank einen Anstieg ihrer Boni von 68,7 Mio. auf 91 Mio. Franken verzeichnen.

Der Aktionärs-Verein Actares erklärte, er werde seinen Mitgliedern "wahrscheinlich" empfehlen, an der Generalversammlung der Bank nächsten Monat gegen den Vergütungsbericht zu stimmen.

Topsaläre

Letztes Jahr hatten 40% der Aktionäre bei einer Konsultativ-Abstimmung das Entlöhnungs-System der Bank abgelehnt, 55% stimmten dafür. Erst letzten Monat hatten beim Chemieriesen Novartis 38% der Aktionäre gegen das dortige Lohnsystem votiert.

Actares-Chef Roby Tschopp gibt zu, dass das Bonus-System der UBS nicht so provokativ sei wie jenes anderer Unternehmen wie etwa der Konkurrentin Credit Suisse, wo CEO Brady Dougan 2009 einen Gesamtlohn von 70 Mio. Franken kassierte, als er zudem noch frühere Boni aus dem Jahr 2004 kapitalisieren konnte.

Der Chef der UBS-Investmentbank, Carsten Kengeter, war immer noch der Topverdiener der Bank, auch wenn sein Lohnpaket von 13 Mio. auf 9 Mio. Franken schrumpfte. Dafür konnte Verwaltungsratspräsident und alt Bundesrat Kaspar Villiger seine Entschädigung auf 1,5 Mio. Franken verdoppeln.

"Wir haben den Jahresbericht noch nicht vollständig analysiert, doch ich denke, wir werden diese Zahlen nicht akzeptieren", sagte Tschopp gegenüber swissinfo.ch. "Die Zahlen sind höher, als wir erwartet hatten."

Unruhige Belegschaft

Es gibt auch Anzeichen, dass die Bonuspolitik in den Reihen der weniger gut bezahlten Angestellten für Unruhe sorgt. Letztes Jahr hätten breite Teile der Belegschaft ungläubig auf diese Politik reagiert, sagte Elli Planta, ehemalige Vertreterin der UBS-Mitarbeitenden.

"In der Vergangenheit erklärte man Angestellten, falls ihre Leistung befriedigend sei, hätten sie Anrecht auf einen Bonus", sagte sie gegenüber swissinfo.ch. "Es gibt Leute, die letztes Jahr unter schwierigen Umständen gut gearbeitet haben und jetzt die Welt nicht mehr verstehen."

Die UBS hat kürzlich ihr Zielsetzungs-System geändert, das eine Rolle bei der Zuordnung der Boni spielt. Doch dies hat wenig geholfen, jene Angestellten zu beruhigen, die das Gefühl haben, Opfer einer neuen Art von amerikanisch geprägtem, aggressivem Management zu werden.

"Die neuen herzlosen Manager aus den USA schaufeln Millionen, während der Rest von uns, der sich abrackert, Extraschichten und mehr Verantwortung übernimmt, nichts erhält", sagte ein IT-Mitarbeiter der UBS unter Zusicherung der Anonymität diese Woche zu swissinfo.ch. "Das wird sich nicht ändern, wenn wir wieder Profit machen – das wird so bleiben."

Wende?

In der Zwischenzeit versinkt die Welle der öffentlichen Aufregung gegen hohe Boni immer mehr im politischen Sumpf: Erst letzte Woche wurde die Abzocker-Initiative, 2008 vom Unternehmer Thomas Minder lanciert, im Parlament erneut auf die lange Bank geschoben, nachdem sich die Politiker nicht auf einen Gegenvorschlag einigen konnten.

Der Nationalrat verwarf einen Gegenvorschlag und konnte keine klaren Alternativen aufzeigen, was die Abstimmung vermutlich wieder um einige Monate hinauszögern wird.

Minder verlangt das Stimmrecht für Aktionäre betreffend der Entlöhnung von Management und Verwaltungsrat sowie ein Ende der goldenen Fallschirme und Boni-Exzesse.

Actares-Chef Tschopp vermutet, dass der politische Druck den grossen Unternehmen bereits einige Konzessionen abringen konnte. Laut der Anlagestiftung Ethos erlauben ein Drittel der Schweizer Top-100-Firmen nun eine Konsultations-Abstimmung über Entschädigungen.

Zwei Topmanager – Peter Brabeck von Nestlé und Daniel Vasella von Novartis – haben ihre Doppelmandate (Konzernchef/Verwaltungsratspräsident) aufgegeben.

Tschopp ist überzeugt, dass der Nicht-Finanzsektor die Botschaft gehört hat, auch wenn sich viele Führungskräfte noch dagegen wehren. "Wenn diese Leute zurücktreten, werden wir echte Fortschritte bei den Boni sehen", erklärte er gegenüber swissinfo.ch. "Doch der Finanzsektor könnte noch für einige Jahre ein Problem bleiben."

Am 24. März wird Credit Suisse ihre Boni im Jahresbericht ausweisen.

UBS: Wer verdiente was?

UBS-CEO Oswald Grübel erhielt einen Grundlohn von 3 Mio. Fr. Er verzichtete zum zweiten Mal in Folge auf seinen Bonus.

Carsten Kengeter, Chef der Investmentbank, erhielt einen Grundlohn von 874'626 Fr., konnte diesen aber mit einem Bonus auf 9,3 Mio. Fr. erhöhen.

Trotzdem verdiente er rund 4 Mio. Fr. weniger als im Jahr zuvor, und der grösste Teil seines Bonus wurde von der Erreichung längerfristiger Ziele abhängig gemacht.

Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger konnte einen Anstieg von 600'000 im Jahr 2009 auf 850'000 im letzten Jahr verbuchen. Zusammen mit Boni und Aktien kam er 2010 auf 1,5 Mio. Fr., verglichen mit 677'000 im Jahr davor.

Alle anderen Verwaltungsräte erhielten 2010 ein Grundgehalt von 325'000 Fr. (gleich viel, wie im Jahr zuvor), dazu einen Bonus zwischen 100'000 und 450'000 Fr.

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Im Visier

Ebenfalls am Dienstag teilte die UBS mit, dass die Behörden in den USA und in Japan untersuchten, ob sie oder andere Banken die Preise der täglichen Interbank-Kredite manipuliert hätten.

Laut der Grossbank haben drei verschiedene US-Behörden und die japanische Finanzüberwachung Vorladungen an die Bank eingereicht.

Die UBS erklärte, sie führe eine interne Untersuchung durch und kooperiere mit den Behörden.

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(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub), swissinfo.ch


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