Valentinstag und der Blumenhandel

Hinter roten Rosen steckt oftmals nicht Liebe und Romantik sondern harte Arbeit unter unfairen Bedingungen. Do not publish as copyright information is not clear

Immer mehr Menschen streichen sich auch in der Schweiz den 14. Februar im Kalender rot an: Am Valentinstag blüht der Blumenhandel.

Dieser Inhalt wurde am 14. Februar 2002 - 00:19 publiziert

In den vergangenen Jahren hat der "Tag der Liebenden" den Muttertag bei den Blumenverkäufen weit hinter sich gelassen. Der Valentinstag sei heute der "absolute Höhepunkt" im Blumenjahr, sagt Fleurop-Direktor Andreas Lehnherr.

Lehnherr schätzt den Umsatz der Branche am Valentinstag fürs letzte Jahr auf rund 60 Mio. Franken. Die Verkäufe zum Muttertag beliefen sich hingegen nur auf 15 Mio. Franken. Dieses Jahr erwartet Lehnherr für den Valentinstag eine Umsatzsteigerung von knapp 10% auf über 65 Mio. Franken.

Die Schattenseiten

Doch die Welt der Blumen, Symbol für Liebe, Zärtlichkeit und Schönheit, hat auch ihre Schattenseiten: Zwischen Produzenten, Grosshändlern und den Detailgeschäften gibt es Interessenskonflikte und Auseinandersetzungen, die nichts mit der Romantik von Blumen gemeinsam haben.

Ein Grossteil der Blumen, die in der Schweiz verkauft werden, kommt aus Ecuador. Nach Angaben der deutschen Menschenrechts-Organisation FIAN importierte die Schweiz im Jahr 2000 Blumen im Wert von insgesamt 13,4 Mio. Franken aus Ecuador.

Nach Angaben der Zentralbank Ecuadors umfassten die Exporte in die Schweiz 398'275 Tonnen Rosen oder 1547 Tonnen Nelken. Der Schweizer Markt ist ein Hauptabnehmer für die Blumen aus dem Andenstaat. Andere wichtige Märkte sind die USA, die Niederlande, Deutschland, Russland und Japan.

Rosen mit Dornen

Ecuador stieg - auf Anweisung der Weltbank - in den 1980er Jahren in den Blumenmarkt ein. Unterdessen hat sich dieser Wirtschaftszweig zu einer der Hauptindustrien Ecuadors entwickelt. Im vergangenen Jahr gab es 420 Blumen-Produktionsbetriebe mit einer Anbaufläche von rund 3450 Hektaren. Zwei Drittel der Produktion sind Rosen.

Wegen der günstigen klimatischen Bedingungen - und billigen Löhnen - hat sich der Blumensektor in Ecuador rasch entwickelt. Kehrseite der Medaille sind die oft sehr harten Arbeitsbedingungen. Rund 70% der Arbeitskräfte sind Frauen.

Blumenbusiness ist Frauenarbeit

Frauen brächten für diese Arbeit die besseren Voraussetzungen mit, sagt J. Mario Vélasquez, Erzieher und Mitglied einer Nicht-Regierungs-Organisation in Ecuador. Die Tradition sage den Frauen mehr Sinn für Blumen nach, Ausdauer bei der Arbeit, Feinfühligkeit im Umgang mit dem Produkt.

Der Blumenanbau ist aber eine äusserst erschöpfende Arbeit. Die Frauen sind dabei starker Sonnenbestrahlung und grosser Hitze in den Gewächshäusern ausgesetzt, müssen aber auch in den Kühlhäuser und Verteilungszentren zurechtkommen.

Auch mit Pestizid-Rückständen sind sie ständig konfrontiert. Bei der Produktion werden noch immer viel Chemikalien eingesetzt, die zu Allergien, Fehlgeburten oder Missbildungen bei Neugeborenen führen können. Als Folge leidet dann auch die Umwelt: Das Flusswasser verdreckt, weil keine Abwassersysteme existieren.

J. Mario Velasquez betont, dass die Frauen Arbeitstage bis zu 14 Stunden kennen und einem ständigen Quotendruck unterworfen sind, besonders wenn die Nachfrage steigt.

Vieles bleibt im Argen

Verstösse gegen Arbeits- und Sozialrechte gehörten zum Alltag. Weder würden Überstunden bezahlt noch angerechnet. Auch erhielten die Arbeiterinnen keine entsprechenden Kleider und Ausrüstung, obschon gesetzlich vorgeschrieben. Weiter dürften sich die Frauen kaum gewerkschaftlich organisieren. In ganz Ecuador gibt es 430 Blumenproduzenten, aber nur drei Gewerkschaften.

"Ökolabels": Notwendig, wenn auch kontrovers

Um bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen, dies ein Vorschlag, sollten Käuferinnen und Käufer an den Blumen kontrollieren können, ob diese umwelt- und qualitätsgerecht produziert wurden. Dies entspräche einer Respektierung der Sozial- und Arbeitsrechte von Blumenarbeiterinnen.

Nur gibt es weder in Ecuador noch in ganz Südamerika einen Konsens über den einheitlichen Standard oder über die Kriterien, die solchen Labels zugrunde liegen. Einige Labels konzentrieren sich auf Umweltkriterien, was dann wieder zu Lasten der Arbeitsbedingungen gehe.

Seit dem vergangenen April unterstützt die Schweizer Max Havelaar Stiftung in Ecuador und andern Ländern des Südens ein Pilotprojekt für fairen Handel. Im Rahmen dieses Projekts möchte die Stiftung in Zukunft auch vermehrt Rosen aus Ecuador in die Schweiz importieren.

Seit rund zwei Jahren im Gang ist das "Proyecto Indiano" (Indianer-Projekt). Ein Teil des Verkaufs-Ertrags fliesst zurück an die Blumenfarmen des Projekts, auf denen minimale Standards des fairen Handels gelten.

Marina Gartzia

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