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Vom Lädeli zumWelthandels-Riesen

100 Entlassungen in der Schweiz - dem Welthandelsunternehmen André geht es schlecht.

(Keystone)

Vor 120 Jahren ein Tante-Emma-Laden - vor 20 Jahren ein internationaler Handelsriese: André & Cie steht heute am Rande des Abgrunds. Das Familienunternehmen konnte sich nicht an die Entwicklung des Marktes anpassen.

Das Familienunternehmen wurde 1877 in Nyon VD von Henri André gegründet. Zu Beginn importierte das Unternehmen Getreide, Ölfrüchte und Teigwaren aus Italien. Nach und nach breiteten sich die Handelsaktivitäten des Hauses auf die ganze Schweiz und schliesslich auch auf Frankreich aus.

Die ersten Kontakte mit Argentinien datieren aus dem Jahr 1927. Später zog André & Cie Handelsnetze auch in Afrika und Asien auf. In den 70-erJahren war das Unternehmen in rund 70 Ländern tätig. Der Umsatz betrug damals - nach Schätzungen - rund 10 Mrd. Franken.

Die André-Gruppe ist indirekt auch über die Reederei Suisse Atlantique SA in Lausanne bekannt. Die beiden Unternehmen sind miteinander verbunden. Seit dem Zweiten Weltkrieg befahren Frachter der Suisse Atlantique die Weltmeere unter schweizerischer Flagge.

Nachfolgeprobleme

Nach Branchenkennern ist der Niedergang des Familienunternehmens vorab auf Nachfolgeprobleme zurück zu führen. George André, der Patriarch der dritten Generation, hielt die Zügel des Unternehmens bis ins hohe Alter in der Hand. Er starb 1997 im stolzen Alter von 91 Jahren. Bis in die Jahre 1994/95 passierte im Hause André nichts ohne den Segen des greisen Patriarchen.

"Solange er an der Spitze des Unternehmens stand, war eine grundlegende Neustrukturierung der Gruppe praktisch undenkbar", sagte sein Sohn Henri, heutiger Verwaltungsratspräsident der Gruppe, kürzlich in einem Gespräch mit der Wochenzeitung "L'Hebdo". Für ihn sei Restrukturierung gleichbedeutend mit Verzicht auf bisher Erreichtes gewesen.

Strategische Fehler

Henri, der eigentlich Architekt werden wollte, trat die Nachfolge Georges Andrés eher widerwillig und ohne grosse Überzeugung an. Der nicht immer gut beratenen Geschäftsleitung unterliefen in den 90-er Jahren mehrere strategische Fehler.

Der neue Generaldirektor, der Aargauer Friedrich Sauerländer, stiess zu spät zu André, um das Steuer noch herumreissen zu können.

Das Familienunternehmen André pflegte lange Zeit einen Kult der Geheimniskrämerei. Geschäftszahlen wurden nicht bekannt gegeben. Die Devise des Hauses lautete "Mehr sein als scheinen", eine Devise, die direkt von den Lehren der Darbysten (auch Plymouth-Brüder genannt, eine christliche Bewegung, die sich 1826 von der anglikanischen Kirche gelöst hatte) abgeleitet wurde.

Obschon es heute für das Unternehmen André & Cie eher düster aussieht, brauchen die Familienmitglieder mit Bestimmtheit nicht zu darben: Das Vermögen der Familie André wird auf 1,5 bis 2 Mrd. Franken geschätzt.

swissinfo und Agenturen

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