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Willkommen in Moschee, Kirche und Synagoge

Wenn man sich besser kennt, versteht man sich auch besser.

"Sich kennenlernen": Unter diesem Motto steht die erste Woche der Religionen, die vom 4. bis 10. November in rund 40 Städten in der Schweiz stattfindet.

Im Vordergrund der Veranstaltungen stehen gegenseitige Besuche von Anhängern der verschiedenen Religionen. Die Woche soll künftig jedes Jahr stattfinden.

"Das Programm der Woche besteht eigentlich aus den normalen Aktivitäten der religiösen Gemeinschaften, aber sie bereiten sich namentlich auf den Empfang von Gästen vor", sagt Martin Högger, reformierter Pfarrer im Kanton Waadt und Beauftragter für den ökumenischen Dialog.

Auf Initiative der Interreligiösen Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz (Iras) laden sich Katholiken, Protestanten, Muslime, Juden, Hindus, Buddhisten und Baha'is gegenseitig zu ihren religiösen Feiern ein. Dabei sollen sich die Mitglieder der verschiedenen Glauben besser kennen lernen.

Nicht nur Feiern

Aus dem Programm stechen auch einige aussergewöhnliche Anlässe heraus. Am Donnerstag findet in Neuenburg ein Abend zum Thema "Musik und Spiritualität" statt. Dabei spielt das Nouvel Orchestre de Genève Werke des Lutheraners Johann Sebastian Bach, des Genfer Juden Ernest Bloch, des Muslimen Aydun Saygun sowie des katholischen Komponisten Henrik Gorecky spielt.

Das "interreligiöse" Musikprogramm bildet am 9. November auch den Abschluss der Woche, dann zu mal in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel.

In der Westschweiz wird die Woche von der Gesellschaft Arzillier organisiert, die sich dem Dialog zwischen den Religionen verschrieben hat.

Aufwändige Kampagne

"Die Organisation der Woche erforderte einen grossen Aufwand", sagt Martin Högger, zugleich Vertreter der reformierten Kirche im Azillier-Vorstand. Die Bevölkerung wird mit breit ausgehängten Plakaten auf die Anlässe aufmerksam gemacht. Sie zeigen einen Bischof, der einem Rabbi und einem Imam unter den Augen eines buddhistischen Mönches Tee serviert.

Die interreligiösen und interkulturellen Anlässe in der deutschsprachigen Schweiz umfassen etwa die Besichtigung eines buddhistischen Tempels und einer Moschee in Emmen (Kanton Luzern) sowie zahlreiche Podiumsgespräche, Gespräche am runden Tisch sowie offene Foren.

Brücken bauen

Vor kurzem noch hat sich die politische Schweiz mitten im Wahlkampf befunden, in dem auch fremdenfeindliche Töne zu vernehmen waren. Der Zeitpunkt der Woche der Religionen könnte deshalb nicht günstiger liegen, um Spannungen abzubauen. Die Initianten stellen aber klar, dass die Idee zur Woche bereits geboren gewesen sei, als die politische Rechte um die Schweizerische Volkspartei (SVP) die Minarette verbieten wollte.

"Wir müssen lernen, gemeinsam miteinander zu leben und Brücken zu bauen", sagt Högger. Hätten die Menschen keine Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch, bemühten sie sich nicht darum, beim Anderen nach dem Guten und Schönen zu suchen.

Bereit für 2008

Über die Religionsgrenzen hinweg gibt es laut Högger Konstanten, zuvorderst den Respekt. "Wir stützen uns auf die universelle Ethik von Hans Küng. Zum Bau einer Brücke braucht es zwei Ufer."

Besteht ob all der schönen Worte aber nicht die Gefahr, dass an den Veranstaltungen nicht vorab der Religionsübertritt gepredigt wird? Man sei sich eines gewissen Risikos bewusst, sagt Pfarrer Högger, aber man müsse einmal beginnen.

Anschliessend an die Premiere wird die Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz eine Auswertung vornehmen. Darauf soll dann die Veranstaltung im nächsten Jahr bauen.

swissinfo, Marc-André Miserez
(Übertragung aus dem Französischen: Renat Künzi)

Fakten

Religionen in der Schweiz, Zahlen aufgrund der Volkszählung 2000:
42% Katholiken (-7% gegenüber 1970)
35% Reformierte (-12%)
11% ohne Konfession (+10%)
4,3% Muslime (+4%)
0,2% Juden (-0,1%)

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Iras

Die Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz wurde 1992 gegründet. Sie versteht sich als Interessengruppe aller religiöser Gemeinschaften im Land.

Die Iras will einen Beitrag leisten, damit Toleranz und der gegenseitige Respekt zwischen den Gruppen verbessert werden.

Der Arbeitsgemeinschaft gehören 80 Institutionen an. Diese repräsentieren sowohl die einzelnen Religionsgruppen wie den interreligiösen Dialog wie beispielsweise das Haus der Religionen in Bern.

Seit Mai 2006 gibt es den Schweizerischen Rat der Religionen, in dem momentan nur die drei monotheistischen Glauben Christentum, Islam und Judaismus vertreten sind. Er verfolgt den Dialog sowie die Sicherung des religiösen Friedens. Die Mitglieder äussern sich nicht zu theologischen Fragen, sondern zu konkreten Problemen der Religionspolitik.

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