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MOOC Digitaltechnik im Dienst der Bildung



Der Verantwortliche für die Lehrerausbildung der Primarstufe an der pädagogischen Hochschule BEJUNE, Raphaël Lehmann, stellt die neuen interaktiven Lehrtafeln vor, die in den Klassenzimmern installiert sind.  

Der Verantwortliche für die Lehrerausbildung der Primarstufe an der pädagogischen Hochschule BEJUNE, Raphaël Lehmann, stellt die neuen interaktiven Lehrtafeln vor, die in den Klassenzimmern installiert sind.  


(swissinfo.ch)

Auch die Bildung ist in der digitalen Welt angekommen. Die neuen Techniken werden in der Schweiz nach und nach als pädagogische Mittel eingesetzt. Während die obligatorische Schule interaktive Lehrtafeln benutzt, werden MOOC (Massive Open Online Course), jene Gratis Online-Kurse, die allen zugänglich sind, zum Teil an Hochschulen eingesetzt.

Woanders auf Recherche

Diese Reportage wurde im Rahmen von eqda (En Quête d'Ailleurs: Woanders auf Recherche) realisiert, einem Austauschprojekt zwischen Journalistinnen und Journalisten aus der Schweiz und Entwicklungsländern.

In diesem Jahr haben sieben Zweierteams während zwei Wochen zum Themenbereich "Digitaltechnik und Entwicklung – Werkzeuge, die alles verändern" recherchiert. In diesem Rahmen haben auch Oumou Dosso, Journalistin von Fraternité Matin in der Elfenbeinküste, und Katy Romy von swissinfo.ch daran teilgenommen. Die beiden Journalistinnen gingen jeweils im Land der Kollegin der Frage nach, wie MOOC eingesetzt werden und wie diese die Entwicklung beeinflussen.

(swissinfo.ch)

Die Kommunikationsverantwortliche der pädagogischen Hochschule der Kantone Bern, Jura, Neuenburg (HEP) in La Chaux-de-Fonds erläutert: "Die HEP bildet jedes Jahr mehrere Hundert Studentinnen und Studenten zu Lehrkräften für unterschiedliche Schulstufen aus. Sie bietet auch ein Weiterbildungsprogramm an."

Raphaël Lehmann, der Verantwortliche für die Ausbildung der Lehrkräfte der Primarstufe, ist optimistisch. Er zeigt uns die neueste Errungenschaft: eine interaktive, beidseitig benutzbare Lehrtafel. Die Tafel erkennt die Handschrift, kann diese transformieren, duplizieren oder umstellen, spielerische Übungen machen, Grafiken erstellen, Farben hinzufügen und vieles mehr.

Das interaktive Lehrmittel, auf dem Vorzeigebeispiele aufgezeichnet und den Studenten vorgelegt werden können (ein wenig im Geiste der MOOC), wurde entwickelt, um den Unterricht zu verbessern, ohne die Anwesenheit der Lehrkraft vor der Klasse überflüssig zu machen. Die Klassenkurse finden nicht hinter verschlossenen Türen statt. Das Lehrmittel stellt nämlich auch eine Verbindung zwischen den Lehrkräften und den Eltern der Schüler her. Weil alles, was auf der Tafel geschrieben wird, aufgezeichnet werden kann, haben auch Eltern Einblick in den Ablauf des Kurses.

Die Präsentation der Funktionen der interaktiven Lehrtafel – wir haben sie selber ausprobiert – ist aufschlussreich. Aber es gibt auch Schwierigkeiten: Die Tafeln kosten fast 10'000 Franken, das Zubehör (Computer und möglicherweise Tablets für die Schüler) und nicht alle Lehrkräfte beherrschen die Geräte gleich gut. Laut Raphaël Lehmann dürfte es zehn Jahre dauern, um sie überall einzuführen.

Die Assistentin des stellvertretenden Rektors der Universität Neuenburg, Françoise Voillat, beim Interview mit der Journalistin von Fraternité Matin, Oumou Dosso. 

(swissinfo.ch)

Das Potential der MOOC

Auf Primar- und Sekundarstufe sind die Schüler mit den neuen Technologien vertraut. Aber wie steht es damit an den Universitäten? In Neuenburg sind die einem breiten Publikum zugänglichen Online-Kurse nicht sehr entwickelt, obwohl es nicht am notwendigen Material mangelt. Françoise Voillat, Assistentin des stellvertretenden Rektors, sagt, dass die Universität Neuenburg noch keine Strategie für die Einführung von MOOC entwickelt habe. "Unsere Professoren haben keine Zeit für die Aufzeichnung der Kurse. Ihr Engagement in diesem Bereich hängt vom guten Willen ab."

Angesichts der Studierendenzahl – sie beträgt etwas weniger als 5000 auf 120 künftige Lehrkräfte – sowie der Kosten für die Realisierung eines MOOC (mindestens 50'000 Franken) haben die Online-Kurse an der Universität Neuenburg keine Priorität. Im Moment gibt sie kein Geld für MOOC aus. Aber einige Professoren haben vor einigen Jahren aber damit begonnen, Videos von ihrem Unterricht zu machen, zum Beispiel Informatik-Professor Pascal Felber. "Wir haben ein System, das uns erlaubt, unsere Kurse aufzuzeichnen und zu publizieren. Diese Aufzeichnungen stellen wir den Studenten zur Verfügung. Es handelt sich nicht um ein MOOC im eigentlichen Sinn, weil diese Videos nicht allen zugänglich sind und es auch kein Drehbuch dazu gibt. Man kann aber sagen, dass es ein Schritt Richtung MOOC ist".

Der Direktor des 'Center for Digital Education' der ETHL, Patrick Jermann, im MOOC-Aufnahmestudio. 

(swissinfo.ch)

ETH Lausanne als Vorreiter

Die Laboratorien an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (ETHL) sind eindrücklich. Die Aufnahmestudios lassen sich mit jenen grosser Produktionshäuser vergleichen. Hier sind MOOC keine kleinen Fische, und die Lehrkräfte geben alles dafür. Einige, wie zum Beispiel Jérôme Chenal, Lehr- und Forschungsbeauftragter für Raumplanung, sind eigentliche Stars geworden. "MOOC haben eine grosse Wirkung und gehen auf die Lernbedürfnisse der Leute ein, die aus irgendeinem Grund keinen Zugang zum Wissen haben", sagt Chenal nicht ohne Stolz. 28'000 Personen seien seinem MOOC mit dem Namen "Afrikanische Städte: Einführung in die Stadtplanung" gefolgt.

Die Online-Kurse sind laut Chenal auch ein Mittel, um wahrgenommen zu werden. "Ich erhalte manchmal E-Mails von Teilnehmern, die ich nicht kenne und die um Entschuldigung bitten, weil sie gewissen Modulen nicht folgen konnten, oder die mich als Doktorvater anfragen. Heute kennt man mich in allen afrikanischen Städten, die ich besuche."

Dimitrios Noukakis von der ETHL erläutert der Journalistin aus der Elfenbeinküste das MOOC-Programm für Afrika.  

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An der ETHL ist die Begeisterung für das neue Lehrmittel gross. "Wir bemühen uns, MOOC zu entwickeln, um gemeinsam an der Verbreitung des Wissens teilzunehmen", sagt Dimitrios Noukakis, der Direktor des MOOC-Programms für Afrika. Ein Lehrbeauftragter, der einen Kurs aufzeichne, sei verpflichtet, dessen Qualität zu verbessern.

Der Direktor des "Center for Digital Education" an der ETHL, Patrick Jermann, bezeichnet die MOOC ebenfalls als eines der Mittel zur Wissensvermittlung für ein grosses Publikum. Mehr als eine Million Personen seien den MOOC der ETHL bereits gefolgt.

Die Digitaltechnik im Dienst des Unterrichts ist Realität in der Schweiz, obwohl sie sich nicht an jeder Schule gleichermassen entwickelt. Für Universitäten wie jene im ivorischen Abidjan (wo die Autorin des Artikels herkommt) sind die Kosten für MOOC kein Pappenstiel. Die Kurse kosten zwischen 100'000 und 150'000 Franken. Aber sie könnten ein Mittel sein, um auch jenen Studierenden Zugang zum Unterricht zu verschaffen, die in den überfüllten Hörsälen keinen Platz finden. Der Bau von neuen Räumen käme diese Universitäten nämlich noch teurer zu stehen. 


(Übertragung aus dem Französischen: Peter Siegenthaler)

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