Zeichnungen aus dem Regenwald

Urwald-Vogel - Zeichnung: Bruno Manser swissinfo.ch

Während in Johannesburg der Erdgipfel stattfindet, sind in Bern die Tagebücher von Bruno Manser ausgestellt.

Dieser Inhalt wurde am 02. September 2002 - 13:07 publiziert

Der seit über zwei Jahren verschollene Umweltaktivist hat sechs Jahre lang bei den Penan im Urwald von Sarawak gelebt.

"Dass die Ausstellung zur gleichen Zeit wie der Weltgipfel in Johannesburg stattfindet, ist nicht Absicht, sondern ein schöner Zufall", sagte John Künzli vom Bruno-Manser-Fonds (BMF) zu swissinfo.

Die Schönheit des Regenwaldes

Über 100 kopierte Seiten des umfassenden Tagesbuchs von Bruno Manser sind gegenwärtig im Berner Kornhausforum ausgestellt und dokumentieren "die Schönheit des wohl ältesten Regenwaldes der Welt", wie Künzli betonte.

Mansers Werk entstand zwischen 1984 und 1990, als der Basler beim Naturvolk der Penan in Sarawak auf Borneo wohnte.

Betrachtet man die präzisen Tuschzeichnungen und Skizzen, so wird klar, dass Manser ein äusserst genauer Beobachter und nicht weniger begabter Zeichner war.

Konsequent und hartnäckig

In der Ausstellung "Leben im bedrohten Paradies - die Tagebücher des Bruno Manser" sind Zeichnungen von den Urwald-Bewohnern, der reichen Tierwelt und der Pflanzenvielfalt zu sehen. Sorgfältig und detailgetreu hat Manser Fische, Affen, Insekten, Schlangen, Blätter, Blumen, Bäume, Früchte festgehalten.

Seine Beobachtungen zu Flora und Fauna des tropischen Regenwaldes sind mit gepressten Blättern und Federn ausgeschmückt und ergänzt. Seine Texte beschreiben das Leben des vom Aussterben bedrohten Penan-Volkes im Urwald, der infolge rasanten Holzschlags Tag für Tag kleiner wird.

"Die brutale Art und Weise der Abholzung fährt unter die Haut", sagte Erich Manser, der Bruder des Umweltaktivisten.

Die Ausstellung gibt auch Einblick in Mansers Leben, das er mit beispielloser Beharrlichkeit dem Schutz der Regenwälder und dem Volk der Penan gewidmet hat - und das er dabei wohl auch verloren hat.

Spurlos verschwunden

Denn seit Mai 2000 gibt es vom Schweizer Umweltaktivisten keine Spur. Von einer Reise nach Sarawak ist er nicht zurückgekehrt. Sein Schicksal ist ungewiss. Alle Nachforschungen blieben bisher erfolglos.

Mansers Bruder, der eben von einer weiteren Suchexpedition aus Sarawak zurückgekehrt ist, sagte bei der Eröffnung der Ausstellung: "Der Zustand des Nichtwissens ist der wohl schlimmste Zustand."

Schutz dem Regenwald

Wenn der Johannesburger-Gipfel zu Ende geht und die Ausstellung in Bern ihre Tore schliesst, will der BMF gemeinsam mit Greenpeace die Kampagne "Urwaldfreundliche Gemeinde" lancieren.

"Städte und Gemeinden erhalten die Möglichkeit, konkrete Massnahmen zur Umsetzung der "Lokalen Agenda 21" zu ergreifen, und zwar hinsichtlich der Beschaffung von Holz und Holzprodukten", so John Künzli vom BMF.

Über 300 Gemeinden in der Schweiz haben bereits den Verzicht auf Holz aus Raubbau beschlossen, darunter die Städte Basel, Bern, Genf, Luzern, Zürich.

Gaby Ochsenbein, swissinfo

Fakten

Die Ausstellung im Kornhausforum in Bern ist bis am 14. September 2002 zu sehen.
Die Tagebücher sind zwischen 1984 und 1990 entstanden.

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In Kürze

Der BMF startet mit Greenpeace eine Kampagne für "Urwaldfreundliche Gemeinden".
Seit Mai 2000 fehlt von Bruno Manser jede Spur.
Mehrere Suchaktionen verliefen erfolglos.
Manser war von der malaysischen Regierung zur Persona non grata erklärt worden.

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