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Affen grausam wie Menschen


Wenn Affen Menschen werden, werden sie grausam. Tim Burtons Remake vom "Planet der Affen" ist eine gelungene Neuadaption der literarischen Vorlage und ein szenisches Feuerwerk. Der Spiegel unserer Gesellschaft könnte kaum klarer sein.

Petrus war dem diesjährigen Filmfestival in Locarno bisher nicht allzu gut gesinnt. Oft regnete es und der "schönste Kinosaal der Welt", die Piazza Grande am Rande der Altstadt Locarnos, blieb leer. Doch zur Freude aller Kinofans zeigte sich am Freitag (10.08.) wieder die Sonne, und Tim Burtons Remake vom "Planet der Affen" konnte unter herrlichem Sternenhimmel genossen werden.

Im "Planet der Affen" geht es um einen Astronauten (Mark Wahlberg), der im Jahre 2029 notlanden muss. Er durchquert dabei in sekundenschnelle mehrere Raum- und Zeitzonen. Weit in die Zukunft katapultiert, landet er auf einem fremden Planeten. Dort herrschen die Affen, während die Menschen zur Sklaverei verdammt sind. Doch unter den Affen gibt es solche, die für die unterdrückten Menschen kämpfen und rebellieren. So kann der Astronaut mit der Hilfe einer ihm wohl gesinnten Schimpansin (Helen Bonham-Carter) flüchten und letztlich gar den Planeten retten. Menschen und Affen werden ebenbürtig.

Macht der Technologie

Die Gesellschaft der Affen ist ein herrliches Spiegelbild unserer Gesellschaft. Einzig der Gang der Affen darf als weniger elegant bezeichnet werden, ansonsten sprechen, lieben, glauben und dinieren die Primaten wie die Menschen, betrügen im Kartenspiel, sind grossmütig oder feige, machtgierig und hart oder menschenliebend und grosszügig. Es gibt die Gemässigten und die Kriegstreiber, die Traditionellen und die Progressiven. Wenn sich Armee und Senat streiten, scheint internationale Politik Vorbild gewesen zu sein und das Wort Menschenrechte gewinnt an Brisanz in diesem Primatenstaat. Der Grund, weshalb die Menschen am Ende dennoch siegen, ist die Technologie, die Macht modernster Kriegsmaschinerie. Den Affen ist jegliche Technologie fremd. Hoch-spezialisierten Waffen, die vom Astronauten auf den Planeten gebracht werden, sind auch die ansonsten äusserst entwickelten Affen unterlegen.

"Der Planet der Affen" - ein Film aus dem Jahre 1968 mit Charlton Heston in der Hauptrolle - gehört zu den Klassikern der Filmgeschichte. Umso schwerer ist ein Remake. Tim Burton, Regisseur von derart bekannten Filmen wie "Batman Returns" oder "Edward Scissorhands", wagte sich dennoch an das Projekt. Allerdings erklärte er stets, dass es sich eigentlich nicht um ein Remake, sondern vielmehr um eine neue Adaption des Romans von Pierre Boulle handelt. Burton hielt sich somit eher an die literarische Vorlage und führte gar neue Figuren ein.

Folgefilm erwünscht

Gelungen ist Burton ein feuerwerkartiger, ebenso brutaler wie lustvoller Abenteuerfilm. Das Dekor ist grossartig, die Masken einen Oscar wert. Die Anspielungen auf unsere Gesellschaft sind zwar meist überaus offensichtlich - Raffinesse in Handlung und Sprache ist hier nicht zu erwarten - doch an Wahrheit mangelt es ihnen nicht: Je menschenähnlicher die Affengesellschaft wird, desto grausamer wird sie. Einzig der Schluss kommt etwas zu abrupt und messianisch daher, doch er pflastert den Weg für einen Folgefilm. Dieser kommt bestimmt, und für einmal wäre es auch eine gute Idee.

Carole Gürtler, Locarno



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