Your browser is out of date. It has known security flaws and may not display all features of this websites. Learn how to update your browser[Schliessen]

Afrikanische Kunst in Lugano

Han Coray - einer der grössten Schweizer Kunstsammler und Mäzene - wird wieder entdeckt. Seine Sammlung afrikanischer Kunst ist im kantonalen Kunstmuseum von Lugano ausgestellt.

Han Coray war einer der schillerndsten Pädagogen, Mäzene und Kunstsammler der Schweiz. Geboren 1880, wuchs er in einem St.Galler Waisenhaus auf. Dank einem Stipendium konnte er später in Zürich das Evangelische Lehrerseminar besuchen.

Er arbeitete zunächst als Lehrer, heiratete zum ersten Mal und besuchte nebenbei Vorlesungen in Kunstgeschichte an der Universität Zürich. 1912 wurde er schliesslich Direktor einer Zürcher Schule, die er gründlich reformierte und zwei Jahre später in Pestalozzischule umbenannte.

Förderer der Dadaisten

Coray verdiente als Schuldirektor genug, um sich den Luxus Kunst gönnen zu können. Bald schon begann er sich fast mehr mit Kunst als mit Pädagogik zu beschäftigen. Er wollte, wie er selbst einmal sagte, jungen Talenten weiter helfen.

So verhalf er unter anderem dem Dadaismus zum Durchbruch. Diese 1916 in Zürich gegründete neue Bewegung wehrte sich gegen bürgerliche Werte und wollte die moderne Zivilisation der Lächerlichkeit preisgeben. Coray betätigte sich als Kunsthändler der Dadaisten. Er eröffnete in Zürich und in Basel Galerien, wo er Werke der Dadaisten zum Kauf anbot.

Reich durch Heirat

Coray blieb nicht lange Schuldirektor. Nur wenige Jahre nach Amtsantritt gab er die Stelle wieder auf und trennte sich von seiner Frau. 1919 heiratete er zum zweiten Mal. Eine Heirat, die sein Leben veränderte. Der Vater der Braut war mit Erdöl zu einem riesigen Vermögen gekommen. Coray wurde durch die Heirat zu einem reichen Mann; nun konnte er Kunst in ganz grossem Masse sammeln.

In nur wenigen Jahren hatte er eine riesige Sammlung zusammen, die sich aus zeitgenössischer Kunst wie auch aus Altmeister-Kunst zusammensetzte. Die Qualität der Werke war sehr unterschiedlich. Doch die Menge war so gross, dass nebst vielen zweit- und drittklassigen Werken auch viele erstklassige Objekte darunter waren.

Afrikanische Kunst

Mitte der zwanziger Jahre wandte Coray sich dann einem neuen Sammelgebiet zu: der Kunst Schwarzafrikas. Er erwarb als erster Schweizer so riesige Mengen afrikanischer Masken, Figuren und Gebrauchsgeräte, dass die Sammlung schliesslich 2400 Objekte umfasste und damit zu den Grössten der Welt zählte.

Ein kleiner Teil dieser gewaltigen Sammlung ist nun im kantonalen Kunstmuseum von Lugano ausgestellt. In der Ausstellung werden den afrikanischen Objekten Bilder der ersten Avantgarde-Künstler gegenübergestellt. Gemeinsam widerspiegeln sie so die Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Kunstphänomenen; sie beleuchten aber auch Corays Leben und bieten einen Einblick in dessen Wirken.

Die Exponate afrikanischer Kunst sind heute im Besitz des Völkerkundemuseums der Universität Zürich. Das Museum erstand die Werke 1940. Zu diesem Zeitpunkt war Coray hochverschuldet. Seine Frau hatte Selbstmord verübt. Coray war zahlungsunfähig und so pfändete die Gläubigerbank den grössten Teil seiner Sammlungen.

"Casa Coray"

Doch Coray war ein Stehaufmännchen. Er zog ins Tessin, heiratete zum dritten Mal und kaufte sich ein Grundstück am See, wo er ein Hotel eröffnete. Für Coray war die "Casa Coray" allerdings nicht nur ein Hotel, sondern er wollte daraus ein "Museum aller Zeiten und Völker" schaffen.

Er sammelte trotz finanzieller Schwierigkeiten weiter ununterbrochen, vor allem Altmeisterbilder und Kunst aus Schwarzafrika. Aber auch Griechisches und Ägyptisches, Etruskisches und Römisches begann er zu erwerben. Ebenso russische Ikonen, chinesische Tuschmalereien, altamerikanische Keramik und vieles andere mehr.

Am 23. Oktober 1974, im Alter von 94 Jahren, starb Han Coray. Die Sammlungen, die er im Verlauf von mehr als 60 Jahren zusammengetragen hatte, wurden aufgeteilt und verkauft. An den einst so schillernden Sammler erinnert heute nur noch die Afrikasammlung.

Carole Gürtler



Links

×