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Bern wurde im 12. Jahrhundert gegründet. Das Stadtbild blieb intakt, obschon die Häuser im Laufe der Zeit stets neuen Erfordernissen angepasst wurden. Diese Verschmelzung von Alt und Neu brachte der Altstadt 1983 das Weltkulturerbe-Label.

Die Auszeichnung als Unesco-Weltkulturerbe hat das touristische Interesse an Bern neu geweckt. "Es handelt sich um ein internationales Qualitätslabel, das gerade für Besucher aus Amerika und Japan ein wichtiges Kriterium zur Wahl ihrer Destination darstellt", erklärt Markus Lergier, Direktor von Bern Tourismus.

Laut der Unesco würde das Verschwinden der Berner Altstadt "einen unersetzbaren Verlust für die Menschheit bedeuten". Genau diese Aussage hat die Stadtbehörden veranlasst, in ihrer Stadtbaupolitik ein Gleichgewicht zwischen der notwendigen Modernisierung der Häuser und ihrer historischen Erhaltung zu suchen.

"Die Altstadt darf und soll genutzt, niemals aber verbraucht werden", sagt der Leiter der Städtischen Denkmalpflege, Jean-Daniel Gross.

Unterschiede in der Einheit

Bern war zwischen 1536 und 1798 der grösste Stadtstaat nördlich der Alpen. Heute stellt die Stadt ein einzigartiges Zeugnis einer urbanistischen Struktur des Hochmittelalters dar, in welcher die spätbarocke Architektur dominiert.

Wer als Besucher durch die Strassen und Gassen flaniert, kann mehrere Jahrhunderte Stadtgeschichte inspizieren: Türme, Kirchen, öffentliche und private Gebäude, Tafeln von Korporationen oder auch elf einzigartige Figurenbrunnen aus dem 16. Jahrhundert.

Auf den ersten Blick erscheint die Altstadt als perfekte Einheit. Doch in Wahrheit weisen die Häuserzeilen und Fassaden in ihrer grau-grünem Sandsteinfarbe eine überraschende Vielfalt auf.

Hinter den dicken und schlichten Mauern verbergen sich zudem Innenhöfe, Gärten, stuckverzierte Decken und Fresken, wertvolle Lampen und Möbel.

Geschützt vor Invasoren

Gegründet wurde Bern 1191 von Herzog Berchthold V. von Zähringen. Die Stadt liegt auf einer Erhebung in einer Schlaufe der Aare. Der Fluss umgibt die Stadt wie ein Schutzgürtel. Heute erscheint diese geografische Position wie ein natürlicher Rahmen, um die Schönheit der Altstadt zu unterstreichen.

Doch bei der Gründung war die strategische Lage entscheidend. Der Fluss bot einen natürlichen Schutz vor Angreifern. Somit war nur eine Verteidigungseinrichtung auf der westlichen Seite notwendig.

Die Stadt war in drei Längsachsen gegliedert; die heutige Kram- und Gerechtigkeitsgasse war die Hauptachse. Anfänglich gab es keinerlei Plätze in Bern.

Die Wiege der Relativitätstheorie

Die ersten Häuser waren aus Holz. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1405, der zwei Drittel der Stadt zerstörte, bauten die Berner ihre Häuser mit Sandstein wieder auf. Bei dieser Gelegenheit entstanden die sechs Kilometer Tore und Arkaden, welche die Stadt bis heute kennzeichnen. Die Berner nennen sie "Lauben".

Einer der bekanntesten Bewohner Berns pries die Nützlichkeit dieser Lauben in höchsten Tönen. "Ich liebe Bern. Sie ist eine alte, authentische und fröhliche Stadt. Auf beiden Seiten der Strasse ermöglichen Bogengänge selbst bei starkem Regen durch die Stadt zu gehen, ohne nass zu werden", schrieb Albert Einstein im Februar 1902 an seine künftige Frau Mileva Maric, kurz nachdem er in die helvetische Hauptstadt gezogen war.

Der geniale Physiker hat im Herzen der Berner Altstadt seine revolutionären Ideen entwickelt. Er selber erklärte, dass die Relativitätstheorie in der Kramgasse 49 entstanden sei. In seiner damaligen Wohnung gibt es heute ein kleines Museum.

Der Hahn kräht immer drei Mal

Dieses Museum ist nur eine der vielen touristischen Attraktionen in der Altstadt. Weltberühmt ist auch der zwischen 1218 und 1220 gebaute Zeitglockenturm (Zytglogge). Dieser Turm zieht Scharen von Touristen vor allem wegen seines aussergewöhnlichen Figurenspiels an. Es stammt aus der Zeit zwischen 1527 und 1530. Der Hahn kräht bis heute zu jeder vollen Stunde drei Mal.

Obligatorisch ist auch der Besuch des gotischen Münsters von Bern. Es konnte nach der Grundsteinlegung im frühen 15. Jahrhundert erst im 19. Jahrhundert vollendet werden. Mit einer Höhe von 103 Metern ist der Kirchturm der höchste der Schweiz. Anfänglich konnte das Münster die gesamte Bevölkerung der Stadt aufnehmen.

Während der Reformation wurden die farbigen Fresken und Skulpturen aus dem Gotteshaus verbannt. Die farbigen Fenster aus dem 15. Jahrhundert konnten auf wundersame Weise erhalten werden, genauso wie das Eingangsportal mit 234 Skulpturen, welche das jüngste Gericht und die Aufteilung der Welt in Gutes und Böses darstellen.

Kultur und Religion haben in der Altstadt tiefe Spuren hinterlassen. Aber auch die Politik. Bern ist Hauptstadt der Schweiz und des gleichnamigen Kantons. Das Bundeshaus, Sitz von Regierung und Parlament, wird besonders gerne besucht.

Wer das Weltkulturerbe kennenlernen will, kann an Stadtführungen teilnehmen oder auch Audio-Guides mieten. "Man kann sich hier an Schönem erlaben", sagt eine Touristin aus dem italienischen Städtchen Gorgonzola vor der Zytglogge.

Sonia Fenazzi, Bern, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

Berner Altstadt aus Unesco-Sicht

Bern wurde im 12. Jahrhundert auf einem von der Aare umflossenen Hügel gegründet. Die Stadt wuchs gemäss einem urbanistisch ausserordentlich klaren Prinzip.

Die Gebäude der Altstadt umfassen verschiedene Epochen, vor allem die Arkaden im 15. und die Brunnen im 16. Jahrhundert.

Der grösste Teil der mittelalterlichen Stadt wurde im 18. Jahrhundert erneuert, unter Berücksichtigung des ursprünglichen Charakters.

Unesco

Die Unesco ist die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Sie ist eine internationale Organisation und gleichzeitig eine Sonderorganisation der UNO.

Ihr Sitz ist in Paris. Vertreten sind 193 Staaten.

Zu ihren Aufgabengebieten gehört die Förderung von Bildung ("Bildung für alle"), Wissenschaft (Zwischenstaatliche Zusammenarbeit) und Kultur sowie Kommunikation und Information.

Das "World Heritage Comittee" verwaltet das Welterbe der Menschheit.

Dieses setzt sich aus Weltkulturerbe und Weltnaturerbe zusammen.

Insgesamt umfasst die Unesco-Liste des Welterbes fast 900 Denkmäler in über 140 Ländern.

Davon sind 679 als Kulturdenkmäler und 174 als Naturdenkmäler gelistet.

Weitere 25 Denkmäler werden sowohl als Kultur- als auch als Naturerbe geführt.

Welterbestätten in der Schweiz

Weltkulturerbe:

- Altstadt von Bern (1983),
- Stiftsbezirk St. Gallen (1983)
- Kloster St. Johann von Müstair (1983),
- 3 Burgen und Festungen von Bellinzona (2000),
- Lavaux Weinbergterrassen (2007),
- Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina (2008).

Weltnaturerbe:

- Region Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn (2001),
- Monte San Giorgio (2003)
- Schweizer Tektonikarena Sardona (2008).

Biosphären:

- Biosphäre Entlebuch
- Schweizerischer Nationalpark.



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